Was Kinder auch in Krisen stark macht | Terra-X-Kolumne

Kolumne

Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Was Kinder auch in Krisen stark macht

von Julia Asbrand

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Klimakrise, Krieg, Pandemie: Wer Nachrichten verfolgt, spürt Daueralarm. Das ist schon für Erwachsene belastend. Was macht es mit jungen Menschen und wie können wir sie begleiten?

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Julia Asbrand

Quelle: Jens Meyer, FSU Jena

Der Begriff "Krise" klingt nach Ausnahmezustand. Tatsächlich gehören Krisen zum Leben dazu. Entwicklung verläuft nie geradlinig: Kinder scheitern, probieren Neues, überwinden Hürden. Das ist normal - und sogar notwendig. Entwicklung ist, vereinfacht gesagt, eine Abfolge kleiner Krisen, an denen wir wachsen.

In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.


Problematisch wird es dort, wo Krisen nicht mehr vorübergehen, sondern sich stapeln. Wo zur persönlichen Herausforderung globale Bedrohungen hinzukommen - Klimakrise, Krieg, Zukunftsangst. Und wo Kinder diesen Belastungen ausgesetzt sind, ohne die Ressourcen zu haben, sie einzuordnen oder zu bewältigen.

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10.11.2025 | 43:36 min

Ein Stressfass, das überläuft

Psychologisch lässt sich das gut mit einem Bild erklären: Jede und jeder von uns trägt ein "Stressfass" mit sich herum. Manche Fässer sind größer, manche kleiner - je nachdem, was wir bereits erlebt oder auch genetisch mitbekommen haben. Stress - Sorgen, Ängste, Belastungen - füllt dieses Fass. Läuft es über, geraten wir unter psychischen Druck.

Kinder und Jugendliche sind in einer besonderen Situation: Sie stecken mitten in sensiblen Entwicklungsphasen, sind abhängig von Erwachsenen und können globale Probleme nicht selbst lösen. Wenn dann globale Krisen mit Leistungsdruck und familiären Belastungen zusammenkommen, läuft das Fass schneller über.

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22.01.2026 | 5:14 min

Psychische Belastungen steigen

Studien zeigen genau das: Seit der Corona-Pandemie ist die psychische Belastung gerade bei jungen Menschen deutlich gestiegen - nach einem leichten Rückgang bleibt sie auf hohem Niveau mit ca. 20 Prozent, die von Belastung berichten. Angststörungen, depressive Symptome und Essstörungen nehmen zu.

Gleichzeitig sorgen sich je nach Studie bis zu 75 Prozent der jungen Menschen intensiv um den Zustand der Welt und ihre Zukunft, besonders um Krieg und Klima. Diese Sorgen sind real - und sie wirken.

Dr. Leon Windscheid schaut ernst in die Kamera. Eine Grafik neben ihm zeigt ein auf dem Boden sitzendes Kind, wie es traurig den Kopf auf die eigenen Knie legt und ein Elternpaar dahinter, welches die Hände über den Kopf zusammenschlägt.

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29.04.2025 | 27:09 min

Warum Wegschauen nicht hilft

Unsere erste Reaktion auf Bedrohungen ist oft instinktiv: kämpfen, fliehen oder erstarren. Bei einem wilden Tier im Wald kann das Leben retten. Bei globalen Krisen funktioniert dieser Mechanismus jedoch nicht. Diese lassen sich weder "bekämpfen", noch kann man vor ihnen weglaufen.

Wir alle und auch Kinder erleben genau diesen Widerspruch: Wir spüren Angst, Ohnmacht, Wut - sehen aber kaum Handlungsmöglichkeiten. Das kann in Rückzug münden, in Überforderung oder in scheinbare Gleichgültigkeit. Letzteres ist oft kein Desinteresse, sondern Selbstschutz.

Ein Mund- und Nasenschutz liegt im Unterricht in einem Geographie-Seminar in der Jahrgangsstufe elf am staatlichen Gymnasium Trudering auf einem Weltalas, während im Hintergrund die Schülerinnen und Schüler mit Mund- und Nasenschutz zu sehen sind.

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18.03.2025 | 28:18 min

Das brauchen unsere Kinder jetzt

Die wichtigste Ressource in Krisenzeiten ist Beziehung. Kinder brauchen Erwachsene, die stabil bleiben, zuhören und Orientierung geben. Das bedeutet nicht, alle Antworten zu haben. Im Gegenteil: Ehrlichkeit ist zentral. Zu sagen "Das macht mir auch Angst" kann entlasten - solange Erwachsene ihre eigenen Sorgen nicht bei Kindern abladen.

Hilfreich ist außerdem, Handlungsfähigkeit zu vermitteln. Nicht im Sinne von "Du musst die Welt retten", sondern "Wir können gemeinsam etwas tun". Kleine, sinnvolle Schritte - Engagement in der Schule, Gespräche, Beteiligung - stärken das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Und genau dieses Gefühl schützt psychisch.

Wichtig ist dabei aber auch: Globale Krisen sind keine Pflicht-Kinderthemen. Manche Kinder wollen darüber sprechen, andere nicht. Beides ist in Ordnung. Entscheidend ist, dass Gesprächsangebote da sind - ohne Zwang.

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29.01.2023 | 30:06 min

Psychische Gesundheit und Engagement gehen zusammen

Globale Krisen lösen wir nicht allein. Und wir lösen sie nicht, wenn wir innerlich zusammenbrechen. Psychische Gesundheit ist dabei kein "Nice-to-have", sondern eine Voraussetzung dafür, dass Menschen handlungsfähig bleiben - gerade in unsicheren Zeiten.

Kinder und Jugendliche brauchen deshalb vor allem Erwachsene, die hinschauen, zuhören und Verantwortung für junge Menschen und deren Zukunft übernehmen. Gleichzeitig brauchen Kinder und Jugendliche echte Beteiligungsmöglichkeiten in Schule, Gesellschaft und Politik. Denn wer erlebt, dass die eigene Stimme zählt, gewinnt nicht nur Einfluss, sondern auch psychische Stärke.

Prof. Dr. Julia Asbrand ist Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Sie leitet seit Februar 2023 den Lehrstuhl für Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters an der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie die Psychotherapeutische Hochschulambulanz für Kinder, Jugendliche und Familien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Angst(störungen) und Stress im Kindes- und Jugendalter, digitale Interventionen sowie Auswirkungen gesellschaftlicher Krisen auf die psychische Gesundheit von jungen Menschen.


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Über dieses Thema berichtete Terra Xplore in der Sendung "Preppen als Vorbereitung auf Katastrophen?" am 12.02.2026 ab 4 Uhr.

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