Urteil nach Anschlag auf Weihnachtsmarkt:Magdeburg-Attentäter muss lebenslang ins Gefängnis
Eineinhalb Jahre nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist das Urteil gesprochen worden: Der Attentäter muss lebenslang in Haft.
Justizbeamte führen den Angeklagten in den Gerichtssaal des temporären Gerichtsgebäudes des Landgerichts Magdeburg.
Quelle: dpaIm Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist der Angeklagte Taleb A. unter anderem wegen Mordes in sechs Fällen und vielfachen versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Magdeburg stellte am Freitag zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Außerdem ordnete das Gericht den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung an - diese wird am Ende der regulären Haft gerichtlich geprüft.
Die Generalstaatsanwaltschaft hatte genau wie die Nebenklage für den 51-Jährigen die Höchststrafe gefordert - damit wäre die an eine Haftstrafe anschließende Sicherungsverwahrung direkt im Urteil verkündet worden. Die Verteidigung sah hingegen keinen Grund für eine Sicherungsverwahrung.
Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg hat der Untersuchungsausschuss seinen Bericht vorgelegt. Darin werden gravierende Defizite im Sicherheitskonzept festgestellt.
19.05.2026 | 1:41 min204 Nebenkläger, mehr als 100 Zeugen gehört
A. wurde für die Tat vom 20. Dezember 2024 außer wegen Mordes auch wegen vielfachen versuchten Mordes sowie gefährlicher und schwerer Körperverletzung verurteilt. 40 Tage lang, seit vergangenem November, verhandelte das Landgericht gegen den Angeklagten, hörte Sachverständige, mehr als 100 Zeugen und zahlreiche Opfer.
Insgesamt 204 Betroffene schlossen sich als Nebenkläger dem Verfahren an, sie wurden von rund 40 Rechtsanwälten vertreten. Aus Platzgründen verhandelte das Landgericht in einer eigens dafür errichteten Leichtbauhalle.
Die Verantwortung wurde zwischen Stadt, Veranstalter und Polizei hin- und hergeschoben, so ZDF-Reporter Andreas Postel aus Magdeburg zur Aufarbeitung des Weihnachtsmarkt-Anschlags von 2024.
19.05.2026 | 3:03 minStaatsanwalt: Leid "schier unbeschreiblich"
Das Gericht zeigte sich nach der Beweisaufnahme nun überzeugt, dass Taleb A. am 20. Dezember 2024 mit einem 340 PS starken Mietwagen über den gut besuchten Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast war und dabei zahlreiche Besucher erfasste. Ein neunjähriger Junge und fünf Frauen im Alter von 45 bis 75 Jahren starben, mehr als 300 weitere Menschen wurden verletzt.
Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher und sein Kollege von der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg hatten in ihrem Schlussvortrag gesagt, das dadurch ausgelöste Leid ganzer Familien dauere bis heute an und sei "schier unbeschreiblich". Während des Prozesses in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt berichteten zahlreiche Opfer und Angehörige von Todesängsten, von schweren Verletzungen und wie der Anschlag sie bis heute körperlich und psychisch belastet.
In dem Prozess hatte der Angeklagte zwar eingeräumt, einen Angriff geplant und auch das Auto gefahren zu haben. Er bestritt jedoch, Menschen gezielt überfahren zu haben. Die Generalstaatsanwaltschaft warf A. vor, im Prozess "keinerlei Reue, Bedauern oder Einsicht" gezeigt zu haben. Der Auftritt des aus Saudi-Arabien stammenden Arztes war im Prozess immer wieder wirr und von Verschwörungserzählungen durchzogen.
Der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt ist schuldfähig: Das ergab ein Gutachten, das im Prozess gegen den Angeklagten Taleb A. vorgelegt wurde.
28.01.2026 | 0:33 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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