Anschlag auf Weihnachtsmarkt 2024:Höchststrafe für Todesfahrer von Magdeburg gefordert
Im Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Jahr 2024 fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft. Der Angeklagte sei eine "tickende Zeitbombe".
Laut Anklage war Taleb A. am 20. Dezember 2024 mit einem Auto über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast.
Quelle: dpaRund eineinhalb Jahre nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg für den mutmaßlichen Täter Taleb A. die Höchststrafe gefordert.
Anklage fordert Sicherungsverwahrung - "Tickende Zeitbombe"
Die besondere Schwere der Schuld liege auf der Hand, es sei eine Sicherungsverwahrung anzuordnen, sagte Staatsanwalt Marco Reinl. Der Angeklagte sei einem psychiatrischen Gutachter zufolge voll schuldfähig. Weitere Gewaltstraftaten wären zu erwarten. Er sei eine "tickende Zeitbombe", sagte Reinl.
Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg wurde ein Abschlussbericht vorgestellt. Er nennt schwere Mängel beim Sicherheitskonzept und in der Behördenkommunikation.
19.05.2026 | 1:50 minTaleb A. war laut Anklage am 20. Dezember 2024 mit einem Mietwagen über den Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast und hatte viele Besucher erfasst. Sechs Menschen starben, mehr als 300 weitere wurden bei der Attacke verletzt, viele von ihnen schwer.
Die Tat habe "in ihrer Massivität jede menschlich begreifbare Dimension gesprengt", sagte Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher vor dem Landgericht Magdeburg. Es sei schier unbeschreiblich, welches Leid der Angeklagte über viele Menschen und Familien gebracht habe.
Gutachter: Narzisstische Persönlichkeitsstörung
An der Täterschaft habe es zu keinem Zeitpunkt Zweifel gegeben, sagte Böttcher. Der Angeklagte habe die Tat lange geplant und keine ernsthaften ideologischen Ziele verfolgt, sondern vor allem aus persönlichen Motiven gehandelt. "Es ging und geht dem Angeklagten immer nur um eins: um sich selbst."
Der psychiatrische Sachverständige habe Taleb A. eine narzisstische Persönlichkeitsstörung bescheinigt und bei ihm ein enormes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit festgestellt. Der Mann habe "keinerlei Reue, Bedauern oder Einsicht" gezeigt.
Der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt ist schuldfähig: Das ergab ein Gutachten, das im Prozess gegen den Angeklagten Taleb A. vorgelegt wurde.
28.01.2026 | 0:33 minBöttcher sprach angesichts der Tat von einer "mörderischen Fahrt". Aussagen des 51-Jährigen, er habe nicht wahrgenommen, dass er Menschen überfahren habe, halten die Ankläger für unglaubwürdig.
Videoaufnahmen hätten eindrücklich gezeigt, wie Taleb A. mit seinem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen teils in Schlangenlinien und mit hoher Geschwindigkeit durch die Menschenmenge fuhr.
Angeklagter stört Verhandlung mit Zwischenrufen
Während des Plädoyers unterbrach der Angeklagte die Verhandlung mehrfach mit lautstarken Zwischenrufen. Der Vorsitzende Richter ließ daraufhin sein Mikrofon abschalten. Der Mann beruhigte sich erst wieder, nachdem beantragt worden war, ihn für den Rest der Verhandlung auszuschließen.
Die Verantwortung wurde zwischen Stadt, Veranstalter und Polizei hin- und hergeschoben", so ZDF-Reporter Andreas Postel aus Magdeburg zur Aufarbeitung des Weihnachtsmarkt-Anschlags von 2024.
19.05.2026 | 3:03 minSeit dem 10. November 2025 wird vor dem Landgericht Magdeburg in dem Fall verhandelt. Wegen der Vielzahl der Betroffenen wurde eigens ein Interimsgerichtsgebäude errichtet. Mehr als 200 Nebenkläger beteiligen sich an dem Verfahren.
Viele Betroffene des Anschlags von Magdeburg leiden bis heute
Im Prozess wurde deutlich, dass viele Betroffene bis heute unter den Folgen des Anschlags leiden. Zeugen berichteten von Angst- und Panikattacken, Schlafstörungen und Problemen im Umgang mit Menschenmengen. Unter den Opfern sind Kinder und Jugendliche ebenso wie Erwachsene und Senioren aus verschiedenen Bundesländern und dem Ausland.
2025 hatte der Weihnachtsmarkt in Magdeburg wieder eröffnet - elf Monate nach dem Anschlag.
20.11.2025 | 1:31 minDer Angeklagte, der aus Saudi-Arabien stammt und jahrelang als Psychiater im Maßregelvollzug in Bernburg arbeitete, stellte insbesondere zu Beginn des Prozesses seine Sicht der Dinge dar. Er gestand, einen Angriff geplant zu haben, bestritt aber, Menschen gezielt überfahren zu haben. Er bezeichnete sich als Aktivist und sprach von vermeintlichen Vertuschungsaktionen deutscher Behörden.
Der Prozess soll am Freitag mit Plädoyers der Nebenkläger fortgesetzt werden. Es wollen auch mehrere Betroffene selbst das Wort ergreifen. Wann das Urteil gegen den Todesfahrer fallen könnte, war noch offen.
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