Jungpolitiker aus Schleswig-Holstein:AfD will Kevin Dorow doch nicht aus der Partei ausschließen
Die AfD verzichtet nun doch auf ein Ausschlussverfahren gegen Kevin Dorow. Stattdessen soll der Jungpolitiker seine Ämter abgeben und vorerst dafür gesperrt werden.
AfD-Jugendfunktionär Kevin Dorow ist um ein Parteiausschlussverfahren herumgekommen und verzichtet dafür vorläufig auf Parteiämter. Ihm war zuvor Nähe zum Nationalsozialismus vorgeworfen worden.
24.03.2026 | 0:23 minAfD-Jungpolitiker Kevin Dorow, der eigentlich aus der Partei ausgeschlossen werden sollte, darf nun doch bleiben. Der AfD-Bundesvorstand entschied nach Anhörung des Chefs der AfD-Nachwuchsorganisation Generation Deutschland, Jean-Pascal Hohm, das Ausschlussverfahren gegen Dorow zurückzuziehen. Im Gegenzug müsse dieser seine Parteiämter niederlegen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen. Stattdessen ist nun lediglich eine zweijährige Ämtersperre geplant. Das deckt sich mit ZDF-Informationen.
Hohm bestätigte dies auf Nachfrage der dpa und teilte mit, dass Dorow den Forderungen nachkomme. Er verzichtet damit auf seinen Sitz im Landesvorstand der Partei in Schleswig-Holstein und im Bundesvorstand der Generation Deutschland.
Die AfD hat ihre Jugendorganisation neu strukturiert und enger angebunden: Wer zur "Generation Deutschland" will, muss AfD-Mitglied sein. Doch warum dieser Schritt?
30.11.2025 | 2:38 minGD-Chef: AfD und Jugendorganisation gehen aufeinander zu
Er hätte sich eine vollständige Rücknahme der Parteiordnungsmaßnahme gewünscht, die er nach wie vor für sachlich überzogen halte, sagte Hohm. "Der nun gefundene Kompromiss zeigt jedoch, dass AfD und Generation Deutschland bereit sind, aufeinander zuzugehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Das ist ein sehr gutes Zeichen." Dorow teilte mit, er begrüße die Entscheidung der Parteispitze.
AfD-Chefs hatten Parteiausschluss schon vereinbart
In einer Sitzung des Bundesvorstands im Februar war zunächst ein Parteiausschlussverfahren gegen Dorow vereinbart worden. Anschließend hatte es aus dem Umfeld der Partei und auch parteiintern Kritik gegeben.
Bundesvorstandsmitglied Kay Gottschalk hatte bei X geschrieben: "Ich habe zugestimmt - und es tut mir leid." Er hatte zudem angekündigt, bei der nächsten Vorstandssitzung das Thema erneut zur Diskussion stellen zu wollen.
"Inhaltlich und personell gibt es ziemlich viele Kontinuitäten" in der neuen AfD-Jugend, so Politikwissenschaftlerin Dr. Heinze. Im Ton bemühe sich die "Generation Deutschland" um "strategische Mäßigung".
30.11.2025 | 4:57 minDorow-Rede rief Staatsanwaltschaft auf den Plan
Dorow war im November in den Vorstand der neu gegründeten AfD-Parteijugend gewählt worden. Seine Rede bei der Gründungsveranstaltung in Gießen hatte die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen, die die Prüfung einer möglichen Strafbarkeit gemäß Paragraf 86a Strafgesetzbuch einleitete. In dem Paragrafen geht es um das "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen".
Dorow hatte sich in der Rede auf den Thüringer AfD-Landeschef Höcke bezogen und gesagt: "Wie es Björn Höcke vor wenigen Monaten rezitiert hat, Jugend muss durch Jugend geführt werden, und dieses Prinzip muss unser Leitstern sein", sagte er. Die neue Jugendorganisation werde "die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland sein", hatte Dorow hinzugefügt. "Jugend wird durch Jugend geführt" galt als Prinzip der sogenannten Bündischen Jugend in der Weimarer Zeit und später auch der Hitlerjugend.
Später sagte Dorow dazu, der Ausspruch "Jugend muss durch Jugend geführt werden" stamme aus der Wandervogelbewegung, also aus einer Zeit vor dem Nationalsozialismus und damit lange bevor die Hitlerjugend überhaupt existierte. Er sehe keinerlei Anlass, sich von dieser inhaltlich in keiner Weise verwerflichen Aussage zu distanzieren.
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