Außenminister Wadephul in Ungarn:Wieder zu Gast bei Freunden
von Dorthe Ferber, Budapest
Nach sieben Jahren ist erstmals wieder ein deutscher Außenminister nach Ungarn gereist: Johann Wadephul kam mit Hoffnung im Gepäck.
Johann Wadephul ist seit sieben Jahren der erste Außenminister, der in Ungarn zu Besuch ist. Er trifft in Budapest Außenministerin Anita Orban und Wirtschaftsminister Istvan Kapitany.
14.09.2026 | 0:21 minAlles neu nach der Ära Viktor Orbán: In Budapest wird Johann Wadephul an diesem Morgen von einem Mann begrüßt, der gerade mal einen Monat im Amt des Staatspräsidenten ist. András Bálint Baka ersetzt seit Mitte August seinen Orbán-treuen Vorgänger an der Spitze des Landes.
Baka war 2011 von Ministerpräsident Orbán als Präsident des Obersten Gerichtshofes abgesetzt worden.
Seit Mai gibt es in Ungarn nach 16 Jahren Orbán eine pro-europäische Regierung unter dem konservativen Peter Magyar. Und jetzt ist nach sieben Jahren erstmals wieder ein deutscher Außenminister zu Besuch. Denn es heißt: Wieder zu Gast bei Freunden.
Seit 100 Tagen geht Ungarn mit dem neuen Regierungschef auch neue Wege. Magyar verändert das Land in Bezug auf Medien, Justiz und Verfassung. Dabei erfährt er auch Kritik.
16.08.2026 | 1:37 minNeues Verhältnis zu Ungarn
Deutschlands Außenminister kommt mit der Hoffnung im Gepäck, dass "Ungarn sein großes europäisches Herz wiederentdeckt und dass ganz Europa das spürt".
Wadephul spricht von Russlands hybriden Angriffen und sieht die Ausweisung von zehn russischen Diplomaten aus Ungarn vor wenigen Tagen als "klares Signal".
Er wisse auch Ungarns Solidarität bei den Angriffen in Leipzig zu schätzen. Es gehe um die europäische Friedensordnung selbst, sagt Wadephul und unterstreicht:
Der politische Neustart zwischen unseren Ländern ist in vollem Gange.
Johann Wadephul, Außenminister
Ungarns neuer Ministerpräsident Peter Magyar war im Juli zum Antrittsbesuch bei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die EU hat nun lange eingefrorene Gelder für Ungarn wieder freigegeben.
29.05.2026 | 1:43 minWie Magyar Ungarn verändert
"The Blick is better that way", denglischt Wadephuls ungarische Amtskollegin Anita Orbán auf der Dachterrasse des Außenministeriums und deutet in Richtung des Parlaments. Das kann auch symbolisch gesehen werden, denn der Rückbau des Systems Orbán geht zügig voran.
Die neue ungarische Regierung hat innerhalb kurzer Zeit Reformen angestoßen. Parlamentarische Untersuchungsausschüsse wurden eingerichtet, um die Regierungszeit Orbáns aufzuarbeiten.
Fidesz-nahe Amtsträger wie der Staatspräsident mussten ihre Posten aufgeben, rechtsstaatliche Reformen traten in Kraft. Der öffentlich-rechtliche Nachrichtensender M1 entschuldigte sich für die Lügen in der Orbán-Zeit und lässt nun auch wieder die Opposition zu Wort kommen.
Magyar hatte die staatlichen Fernseh- und Rundfunksender zwischenzeitlich angewiesen, Nachrichtensendungen vorläufig einzustellen. Die Chefredaktionen sollten sich neu aufstellen.
08.07.2026 | 0:58 minWirtschaftsbeziehungen zu Ungarn
Eine neue Behörde mit staatsanwaltschaftlichen Kompetenzen soll dafür sorgen, staatliches Vermögen zurückzugewinnen, das in der Korruption versickerte.
Auf dem Weg zurück zur Rechtsstaatlichkeit sieht auch die deutsche Wirtschaft Chancen. Wadephul wird von einer größeren Wirtschaftsdelegation begleitet: Namen wie Mercedes Benz und Siemens Mobility zeigen das Interesse der deutschen Wirtschaft an Ungarn.
Schon jetzt sind deutsche Unternehmen für 250.000 Arbeitsplätze in Ungarn verantwortlich. Mercedes Benz will eine Milliarde Euro in Ungarn investieren und 3.000 Arbeitsplätze schaffen.
Öffentlich-rechtliche Medien hat Péter Magyar neu geordnet, Orbán-Vertraute hat er abgesetzt, die Justiz reformiert. Umbau in Ungarn, und das im Eiltempo: Eine Bilanz nach 100 Tagen Magyar.
19.08.2026 | 6:10 minKulturelle Annäherung mit Budapest
Wadephul sieht wirtschaftlichen Nachholbedarf und "Wachstumschancen für die Zukunft" in Bereichen wie Kommunikation, Infrastruktur oder Rüstung.
"Den Schwung nutzen" will der deutsche Außenminister auch, um die deutsch-ungarischen Beziehungen kulturell zu verbessern: Studierende aus Ungarn können wieder am Erasmus-Programm teilnehmen, 2028 soll ein deutsch-ungarisches Kulturjahr stattfinden.
Wadephul sieht Deutschland stabil
Doch in diesen Tagen begleitet den Außenminister auf Reisen auch die Innenpolitik. Etwa die Frage, wie stabil die deutsche Bundesregierung nach dem AfD-Wahlerfolg ist.
Die Unzufriedenheit mit Kanzler Merz ist seit seinem Amtsantritt stark gestiegen. Nach Wahlniederlage, schwachen Umfragen und offenen Reformfragen steht die CDU vor der Frage wie es jetzt weiter geht.
14.09.2026 | 2:41 min"Sehr stabil", entgegnet Wadephul. Niemand übersehe das Wahlergebnis von Sachsen-Anhalt, sagt der Außenminister und verweist zugleich auf die Kommunalwahlergebnisse in Niedersachsen von Sonntag.
Dort seien mehr Menschen wahlberechtigt als in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zusammen. Wadephul fügt hinzu: "Der Bundeskanzler kann sich jederzeit auf die Unterstützung der Regierungsfraktionen und seines Kabinetts verlassen."
Dorthe Ferber ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio.
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