US-Angriff auf Venezuela: "Kein unmittelbarer Zusammenbruch"

Interview

US-Militärschlag gegen Präsident Maduro:Experte: "Kein unmittelbarer Zusammenbruch Venezuelas"

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Welche Folgen hat der US-Angriff auf Venezuela und die Gefangennahme des Staatspräsidenten Maduro? Folgen nun Regimewechsel oder offener Krieg? Ein Experte ordnet ein.

US-Präsident Trump und Präsident Maduro sind vor einer Weltkarte zu sehen, auf der Venezuela und die USA farblich hervorgehoben sind.

In Venezuelas Hauptstadt Caracas ist es in der Nacht zu Explosionen gekommen. Medienberichten zufolge bestätigen die USA einen Militäreinsatz. ZDFheute live ordnet die aktuelle Lage ein.

03.01.2026 | 56:53 min

In der Nacht haben die USA schwere Angriffe auf Venezuela durchgeführt. Nach Angaben von Präsident Donald Trump wurde auch der venezolanische Präsident Nicolás Maduro und dessen Ehefrau festgesetzt und außer Landes gebracht. Was bedeutet diese Eskalation im sich seit Monaten zuspitzenden Konflikt beider Staaten?

Lateinamerika-Experte Günther Maihold von der Freien Universität Berlin ordnet bei ZDFheute live die Entwicklungen ein.

Sehen Sie oben das ganze Interview im Video und lesen Sie es hier in Auszügen.

Das sagt Günther Maihold zu...

... einem möglichen Zusammenbruch der venezolanischen Staatsführung

Dass der US-Angriff nun dazu führe, dass die aktuelle Führung Venezuelas wie ein Kartenhaus zusammenfalle, schätzt Maihold als eher unwahrscheinlich ein. Es gebe etwa Anzeichen, dass Verteidigungsminister Vladimir Padrino López und Vizepräsidentin Delcy Rodríguez unversehrt seien.

Die Folgen von Maduros Gefangennahme müsse man laut Maihold nun zunächst abwarten, aber:

Einen unmittelbaren Zusammenbruch des Landes sehe ich nicht.

Günther Maihold, Lateinamerika-Experte

Venezolaner feiern, dass der venezolanische Präsident Maduro gefangen genommen und aus Venezuela ausgeflogen wurde.

Venezuelas Präsident Maduro regiert seit 12 Jahren und gilt als rücksichtsloser Diktator. US-Präsident Trump drohte mehrfach mit Militäreinsatz und forderte seinen Machtverzicht.

03.01.2026 | 1:39 min

Trump gehe es darum, zu zeigen, dass "niemand vor ihm sicher ist, dass er Zugriff hat an allen Stellen der Welt", sagte Maihold. "Das ist die Strategie, die wir immer wieder sehen, dass man meint, durch Enthauptung von bestimmten unliebsamen Regimen auch gleichzeitig eine Verbesserung der Lage herbeizuführen."

Rauch steigt am Flughafen La Carlota auf, nachdem Explosionen und tieffliegende Flugzeuge in Caracas, Venezuela.

In Venezuelas Hauptstadt Caracas hat es mehrere Explosionen gegeben. Es sollen unter anderem Militärbasen betroffen sein. In Teilen der Stadt ist der Strom ausgefallen.

03.01.2026 | 0:35 min

... dem militärischen Vorgehen der USA

Ein militärischer Schlag der USA auch in der Hauptstadt Caracas selbst hatte sich in den letzten Wochen immer wieder angekündigt. Für den Experten Maihold kommunizieren die US-Angriffe nun auch eine deutliche Botschaft: Man habe deutlich gemacht, "dass man ohne größere Probleme in das Land eindringen kann, dass es keine Gegenwehr gibt".

"Es ist relativ deutlich, dass man die militärischen Fähigkeiten reduzieren wollte, indem man verschiedene Flughäfen und zentrale Militärinstallationen in Caracas als Ziel ausgewählt hat. Gleichzeitig auch die Infrastruktur mit Energieversorgung getroffen hat", sagte Maihold. Dieses Vorgehen habe auch das Ziel, die bisherige Machtbasis der Staatsführung, die auf einer Allianz zwischen Maduros chavistischer Partei, Militär und Polizeikräften beruhe, zu schwächen.

Es gehe darum, eine "Spaltung im bisherigen Machtblock herbeizuführen, die eine Neuaufstellung Venezuelas erlauben könnte", so Maihold.

Nahaufnahme von US-Präsident Trump

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... den Folgen für die Zivilbevölkerung in Venezuela

Der Erfolg eines Regimewechsels in Venezuela hinge zentral von der Frage der Versorgungssicherheit der Bevölkerung ab. "Wir wissen, dass die venezolanische Bevölkerung sich in einer sehr schweren humanitären Situation befindet: mit massiven Versorungsproblemen bei Lebensmitteln und Medikamenten", sagte Maihold. "Und hier muss die neue Realität dann greifen, wenn es zu einem Regimewechsel kommen sollte."

Die Reaktion des venezolanischen Militärs auf die Angriffe sei bislang unklar. "Es werden nun die Abwehrkräfte mobilisiert", so Maihold. Die Befürchtung in Venezuela sei sicherlich, dass hier mit einer territorialen Invasion das Regime völlig zum Sturz gebracht werde. "Es sind Panzer in der Stadt unterwegs gewesen", sagte Maihold mit Blick auf die Lage in der Hauptstadt. "Man muss jetzt warten, wie sich das innere Zusammenleben zwischen den verschiedenen politischen und militärischen Kräften entwickelt."

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... der völkerrechtlichen Dimension des US-Angriffs

Man sieht ganz klar: Dies ist auch eine Verletzung der Souveränität des Landes.

Günther Maihold, Lateinamerika-Experte

"Daran werden viele lateinamerikanische Nachbarn von Venezuela sich orientieren", so Maihold, denn die Souveränität sei seit Jahrzehnten eine der zentralen Dimensionen, die man gegen die Monroe-Doktrin versuche zu bewahren.

ZDF Korrespondent Theveßen im Videocall aus Washington.

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03.01.2026 | 6:02 min

Die sogenannte Monroe-Doktrin bezeichnet eine 1823 von den USA verkündete Polit-Strategie, wonach Nord- und Südamerika alleiniges Einflussgebiet der USA seien. "Wir bewegen uns in eine Richtung, wo sich die Militarisierung der Beziehungen immer mehr in der Region festsetzt", betont Maihold. "Es wird immer ersichtlicher, wie Trump versucht, systematisch eine Allianz von rechten Regierungen zu unterstützen (...). Das deutet darauf hin: für lateinamerikanische Staaten wird es immer schwieriger werden, sich gegen Trump aufzustellen."

Das führt letztlich zu einer Spaltung Lateinamerikas.

Günther Maihold, Lateinamerika-Experte

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... zur Rolle von Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado

"Frau Machado hat im Kontext der Verleihung des Friedensnobelpreises deutlich gemacht, es würden in nächster Zeit Dinge passieren. (...) Sie habe eine Liste von Militärs und Sicherheitskräften, die sich auf die Seite der Opposition stellen würden und nur auf ihr Signal warten würden", erklärt Maihold. Es sei deutlich geworden, dass sie mit der Unterstützung Donald Trumps versuche, die Opposition in Venezuela in eine bessere Lage zu bringen.

Ob sie als Oppositionsführerin eine Mobilisierung in der Bevölkerung auf die Beine stellen könne, sei nun abzuwarten. "Das können wir gegenwärtig nicht abschätzen", so Maihold.

Das Interview führte Moderatorin Kay-Sölve Richter bei ZDFheute live. Zusammengefasst hat es Nils Metzger.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 03.01.2026 um 11:10 Uhr.

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