Viele verpasste Flüge - ICE soll helfen:Warum gerade Chaos an Flughäfen in den USA herrscht
von Katharina Schuster, Washington D.C.
Stundenlange Schlangen, verpasste Flüge, unbezahlte TSA‑Teams: Ein Haushaltsstreit in Washington legt manche US‑Flughäfen lahm. Ausgerechnet ICE-Agenten sollen das Chaos lindern.
Stundenlange Wartezeiten sorgen für Frust bei Reisenden - wegen Personalmangel schickt US- Präsident Trump nun ICE zur Unterstützung der Transportsicherheitsgesellschaft (TSA) an Flughäfen.
25.03.2026 | 2:44 minVier Stunden vor ihrem Abflug stand Julie Curties im Flughafen von Atlanta. Trotzdem verpasste sie ihren Flug. Die Schlange an der Sicherheitskontrolle habe sich nur im Schneckentempo bewegt, "und als wir endlich vorne angekommen waren, sagten sie uns, wir hätten in der falschen Reihe gestanden", erzählt sie dem US-Sender CBS News.
Auch Frankie D. Barenett kam an diesem Tag nicht weit. Stundenlang wartete er in der Menschenmenge und schaffte es am Ende nicht rechtzeitig zu seinem Gate, wie er CBS News erzählt.
Ich bin sehr frustriert. Der Kongress muss das in Ordnung bringen.
Frankie D. Barenett, Flugreisender
Gleichzeitig lobte er die TSA-Mitarbeiter, die trotz ausbleibender Bezahlung weiter zur Arbeit erscheinen.
Warum herrscht Chaos an US-Flughäfen?
Seit Tagen stauen sich an mindestens 14 Flughäfen in den USA die Passagiere. Zahlreiche Kontrollpunkte sind unterbesetzt, weil bei der für die Sicherheitskontrollen zuständigen Behörde TSA das Personal ausfällt. Viele Beschäftigte melden sich krank, suchen sich Nebenjobs oder können sich ohne Gehalt schlicht den Arbeitsweg nicht leisten. Die Gewerkschaft der US-Bundesbediensteten AFGE erklärt gegenüber ZDFheute:
Mehr als 50.000 TSA‑Mitarbeiter arbeiten seit über fünf Wochen ohne Bezahlung. Hunderte haben gekündigt.
Gewerkschaft der US‑Bundesbediensteten AFGE
Ende März könnte der zweite ausbleibende Gehaltscheck folgen. Auslöser ist ein festgefahrener Streit im US-Kongress über den Etat des Heimatschutzministeriums DHS, dem sowohl die Verkehrsbehörde TSA als auch die Einwanderungsbehörde ICE unterstehen.
Anfang Februar wurde ein Teil-Shutdown beendet, unklar blieb jedoch die Finanzierung des Heimatschutzministeriums. Die Demokraten machen ICE-Reformen zur Bedingung.
04.02.2026 | 0:28 minWas ist der Grund für die Situation?
Seit Mitte Februar hat das Ministerium keinen genehmigten Haushalt. Die Finanzierung liegt auf Eis. Um den Etat zu verabschieden, sind die Republikaner auf Stimmen der Demokraten angewiesen.
Die nutzen das Momentum, um Druck auf die Republikaner auszuüben, und verlangen Reformen bei der Arbeit der Bundesbehörden "Immigration and Customs Enforcement" (ICE) und des US-Grenzschutzes (CBP). Etwa verpflichtende Bodycams und strengere Regeln nach mehreren umstrittenen Einsätzen.
Dazu zählen zwei Einsätze im Januar in Minneapolis, bei denen Renée Good und Alex Pretti durch Schüsse getötet wurden. Die Proteste danach verstärkten den Druck auf den Kongress, die Arbeit der Behörden stärker zu kontrollieren.
Zehn Forderungen der US-Demokraten im Kongress
Beamte des Heimatschutzministeriums sollen private Grundstücke nur mit richterlichem Beschluss betreten dürfen. Willkürliche Festnahmen sollen beendet und vor einer Inhaftierung soll überprüft werden, ob es sich nicht um US-Bürger handelt.
Einwanderungsbeamte dürfen bei Einsätzen keine Masken oder Gesichtsbedeckungen tragen.
Beamte müssen Behörde, Nachnamen und Dienstnummer gut sichtbar tragen und diese auf Nachfrage nennen.
Keine Einsätze in oder nahe sensiblen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern, Kirchen, Wahllokalen oder Gerichten.
Kontrollen und Durchsuchungen dürfen nicht auf Herkunft, Sprache, Akzent, Beruf oder Aufenthaltsort gestützt werden.
Verbindliche Standards für den Einsatz von Gewalt, bessere Ausbildung und Pflichtzertifizierung. Bei Zwischenfällen sollen Beamte bis zum Abschluss der Ermittlungen vom Dienst suspendiert werden.
Bundesstaaten und Städte sollen mutmaßliche Straftaten oder exzessive Gewalt eigenständig untersuchen können. Große Einsätze bedürfen ihrer Zustimmung.
Inhaftierte müssen sofort Zugang zu Anwälten erhalten. Bundesstaaten sollen bei Verstößen klagen können. Abgeordnetenbesuche in ICE-Einrichtungen dürfen nicht eingeschränkt werden.
Pflicht zum Einsatz von Bodycams bei Bürgerkontakt sowie klare Regeln zur Datenspeicherung. Keine Datensammlung über Personen, die von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen.
Einheitliche, zivil geprägte Uniform- und Ausrüstungsstandards statt militärisch anmutender Auftritte.
Wie reagiert US-Präsident Trump?
Während sich Demokraten und Republikaner gegenseitig für die Haushaltsblockade verantwortlich machen, greift US-Präsident Donald Trump zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Er schickt ICE-Agenten an die Flughäfen, um TSA-Mitarbeiter zu unterstützen. Auch nach Atlanta, wo Julie Curties und Frankie D. Barenett ihre Flüge verpassten. Zusätzlich erwägt er den Einsatz der Nationalgarde.
Der republikanische Abgeordnete James Comer kommentierte Trumps Vorgehen in einem Interview mit Fox News so: Das werde die Demokraten "in den Wahnsinn treiben".
Wie soll ICE an Flughäfen unterstützen?
Tom Homan, für ICE zuständiger Grenzschutzkommandeur, erklärt in der CNN-Sendung "State of the Union", ICE-Agenten sollten helfen, die Zeit für die Passagiere an den Sicherheitskontrollen zu verkürzen, indem sie TSA-Mitarbeiter entlasten.
Röntgengeräte, mit denen für gewöhnlich Handgepäck geprüft wird, sollten sie nicht bedienen. "Sie sind nicht dafür ausgebildet", sagt er und ergänzt:
Aber es gibt Aufgaben, die wir übernehmen können, um die TSA-Mitarbeiter von weniger wichtigen Aufgaben zu entlasten, etwa die Überwachung von Ausgängen.
Tom Homan, Grenzschutzbeauftragter der US-Regierung
Für die Einreisekontrolle an US-Flughäfen ist weiterhin die Grenzschutzbehörde CBP zuständig, nicht ICE.
Trumps Rekordrede im US‑Kongress: Wirtschaft und Inflation, harte Grenzpolitik, neue Iran‑Drohungen und der Streit um Zölle und Machtbefugnisse. Was bedeutet das für die USA?
25.02.2026 | 59:34 minUS-Medien berichten am Dienstagabend, dass die ICE-Agenten die Wartezeiten bislang nicht nennenswert verkürzt haben. In Houston etwa meldeten Passagiere Schlangen von bis zu fünf Stunden, obwohl am "Hobby Airport" längst Agenten stationiert sind.
Was sagen TSA-Angestellte?
Der TSA-Angestellte Pasqual Contreras, der auch Gewerkschaftsmitglied ist, ist skeptisch. Er habe den Eindruck, "dass einige ICE-Agenten einfach nur im Weg stehen".
Jetzt haben wir nicht nur eine schwere Last zu tragen, sondern müssen ihnen auch noch beibringen, wie wir unsere Arbeit machen.
Pasqual Contreras, TSA-Angestellter
Während TSA-Mitarbeiter unbezahlt arbeiten, erhalten ICE-Agenten weiterhin Gehalt. Sie wurden im vergangenen Jahr durch das sogenannte "Big Beautiful Bill" mit zusätzlichem Geld ausgestattet. ICE kam bisher vor allem für Abschiebungen im Landesinneren zum Einsatz.
In den USA kommt nach der Erschießung von Alex Pretti durch einen US-Beamten zunehmend Kritik am Umgang der Trump-Regierung mit der Situation auf. Auch die Republikaner üben nun verstärkt Kritik.
26.01.2026 | 1:41 minWas berichten Reisende?
Die ICE-Präsenz löst unterschiedliche Reaktionen aus. Ein Passagier in Atlanta sieht die Unterstützung positiv: "Ich finde, das ist ein sinnvoller Einsatz unserer Steuergelder", sagt er CBS News. Andere fühlen sich unwohl. Tracy Getty aus Alabama beschreibt ihre erste Reaktion so:
Mein erster Gedanke war: Wen werden sie wohl zu Boden werfen? [...] Da ist einfach eine gewisse Angst da.
Tracy Getty aus Alabama
Und selbst dort, wo ICE offiziell gar nicht im Einsatz ist, wie in Washington D.C., herrscht mitunter Verunsicherung: Ein Uber-Fahrer sagt gegenüber ZDFheute: "Manche meiner Kollegen haben Angst, sich dem Flughafen zu nähern, Passagiere abzuholen."
Das Auswärtige Amt sieht derzeit keinen Anlass für gesonderte Reisewarnungen. "Unsere Reise- und Sicherheitshinweise werden fortlaufend aktualisiert und beruhen auf den zum jeweiligen Zeitpunkt verfügbaren Informationen", teilt es gegenüber ZDFheute mit.
- Früh am Flughafen sein: etwa 3–4 Stunden vorher; an manchen Orten wurden sogar bis zu 5 Stunden empfohlen.
- Wartezeiten vorab prüfen: Am zuverlässigsten über die offiziellen Websites der Flughäfen.
- Reisezeit beachten: Während der aktuellen Spring‑Break‑Saison reisen rund 171 Millionen Menschen, die Lage ist daher angespannt.
- Snacks & Powerbank für mögliche Wartezeiten mitnehmen.
Wie geht es weiter?
Ob der politische Stillstand in Washington D.C. bald endet, bleibt ungewiss. Zwar wurde Markwayne Mullin am Montag als neuer Chef des Heimatschutzministeriums bestätigt. Eine zentrale Bedingung des Weißen Hauses für weitere Haushaltsgespräche.
Der republikanische Senator Markwayne Mullin tritt das Amt der ehemaligen US-Heimatschutzministerin Kristi Noem an. Der US-Senat hat ihn als neuen Minister bestätigt.
24.03.2026 | 0:24 minDoch nun muss er zwischen Demokraten und Republikanern vermitteln, damit das Ministerium wieder finanziert wird. Denn nur dann bekommen die TSA-Beschäftigten wieder ihr Gehalt. Und wohl erst dann könnte sich die Lage an den Sicherheitskontrollen und das Reisen in den USA wieder normalisieren.
Katharina Schuster ist Reporterin im ZDF-Studio in Washington D.C.
Mehr zu Trump und den USA
Republikaner unterlegen:Florida: Demokratin triumphiert unverhofft in Trump-Hochburg
mit Video0:23- Grafiken
Kriegsende durch Deal mit den USA?:Iran-Experte: "Irgendetwas scheint im Busch zu sein"
von Silas Thelenmit Video34:14