Nach heftiger Kritik:Warum Trump Heimatschutzministerin Noem entlässt
von Katharina Schuster, Washington D.C.
Missstände in der ICE-Behörde: Die umstrittene Heimatschutzministerin Kristi Noem muss gehen. Warum US-Präsident Trump sie entlässt und wofür ihr designierter Nachfolger steht.
Noem soll laut Trump Sonderbotschafterin einer neuen Sicherheitsinitiative werden.
05.03.2026 | 0:25 minIm Umfeld von Donald Trump galt sie lange als Aufsteigerin, in den USA als Gesicht seines radikalen Abschiebeprogramms. Damit ist jetzt Schluss. Der US-Präsident entlässt seine Heimatschutzministerin Kristi Noem - nach heftiger Kritik.
Zum 31. März soll sie durch den republikanischen Senator Markwayne Mullin ersetzt werden, wie Trump auf seiner Plattform "Truth Social" schreibt. Für Noem endet damit eine Amtszeit, die kaum länger als ein Jahr dauerte und die von Beginn an polarisierte.
Noem - überzeugte Trump-Unterstützerin
Noem war einst Trumps absolute Wunschkandidatin für den Posten und hatte sich als überzeugte Unterstützerin des Republikaners einen Namen gemacht. Als erste Frau wurde sie 2019 Gouverneurin des ländlich geprägten Bundesstaats South Dakota im Mittleren Westen der USA.
Im Januar 2025, zu Beginn seiner zweiten Amtszeit, belohnte Trump sie mit einem wichtigen Kabinettsposten: der Führung des Heimatschutzministeriums, zuständig für die innere Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Sie ist das erste Kabinettsmitglied, das in Trumps zweiter Amtszeit ausscheidet: Kristi Noem.
Quelle: AFPKritik an "Kriegsgebiet"-Aussage
Noch vor ihrer Ernennung zur Ministerin bezeichnete Noem die Situation an der Südgrenze der USA zu Mexiko als "Kriegsgebiet". Dafür wurde sie vor allem von Demokraten, aber auch von Republikanern stark kritisiert.
Als Leiterin des US-Heimatschutzministeriums leitete sie Trumps Massenabschiebungsprogramm, das unter anderem Razzien, beschleunigte Abschiebeverfahren und Anreize zur freiwilligen Rückkehr vorsieht.
Im November hatte Trump eine Verschärfung der Einwanderungspolitik angekündigt. Er werde die Migration aus allen "Dritte-Welt-Ländern" dauerhaft aussetzen, so Trump wörtlich.
28.11.2025 | 0:24 minWarum musste Noem abtreten?
Nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis durch Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE wurde Noem scharf kritisiert. Die getöteten US-Bürger bezeichnete sie damals als "Terroristen im Inland" und machte sie unmittelbar danach mitverantwortlich. Die Vorfälle führten im Januar zu landesweiten Protesten.
Nach den tödlichen Schüssen eines ICE-Agenten auf eine Frau in Minneapolis trauerte die Stadt.
10.01.2026 | 2:38 minNach amtlichen Angaben wurden für die Einsätze Tausende Bundesbeamte eingesetzt. Es kam zu Zusammenstößen mit Anwohnern in mehreren Städten.
Führende Demokraten drohten mit einem Amtsenthebungsverfahren und selbst unter Republikanern mehrten sich Stimmen, die ihren Rücktritt oder ihre Entlassung forderten. Bei einer Anhörung im US-Senat verweigerte Noem eine Entschuldigung für das massive Vorgehen der Einsatzkräfte.
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US-Politikwissenschaftler Jack A. Goldstone fasst im Gespräch mit ZDFheute die Gründe für Noems Entlassung zusammen:
- Sie habe wiederholt gerichtliche Anordnungen missachtet.
- Zudem habe ihr Besuch in einem berüchtigten Gefängnis in El Salvador für Aufsehen gesorgt, in dem aus den USA Abgeschobene festgehalten worden seien, einige von ihnen nach Fehlern des Heimatschutzministeriums. Noem habe dort ein Outfit getragen, mit dem sie in den Medien als "ICE-Barbie" bezeichnet worden sei.
- Als schwerwiegendsten Fehler wertet Goldstone jedoch ihre Unterstützung der ICE-Einsatzregeln, die zum Tod mehrerer unschuldiger US-Bürger durch Beamte der Einwanderungsbehörde geführt hätten.
Kurz gesagt, Noem war zu einer großen Belastung für Trump und seine vorrangige Anti-Einwanderungskampagne geworden. Es ist leicht zu verstehen, warum sie ersetzt wurde.
Jack A. Goldstone, US-Politikwissenschaftler
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Wofür Noems Nachfolger Mullin steht
Noems designierter Nachfolger Mullin werde "einen spektakulären Heimatschutzminister abgeben", schreibt Trump in seinem "Truth Social"-Post. Der 48-Jährige sei der einzige Senator indigener Herkunft und damit "ein hervorragender Fürsprecher für unsere großartigen Stammesgemeinschaften".
Der konservative Senator aus dem Bundesstaat Oklahoma im Mittleren Westen der USA ist ein Trump-Verbündeter und steht damit nicht für einen Kurswechsel. Auch er befürwortet eine strenge Einwanderungspolitik.
Seine Berufung ins Heimatschutzministerium werde allerdings zu einer Sonderwahl in Oklahoma führen, um Mullins Senatsposten nachzubesetzen, sagt der konservative Politikberater Nicolas Adams gegenüber ZDFheute.
Aber da Oklahoma sehr "rot" [also republikanisch geprägt] ist, wird ein Repulikaner sicherlich die Sonderwahl gewinnen.
Nicolas Adams, konservativer Politikberater
Mullin wurde von der Nominierung nach eigenen Worten überrascht. Seit 2013 sitzt der 48-Jährige im Kongress. Er ist ein früherer "Mixed-Martial-Arts"-Kämpfer. Eine Sportart, die Trump liebt.
Zudem gehört Mullin wie Noem Trumps MAGA-Bewegung an ("Make America Great Again" - Macht Amerika wieder großartig). Erfahrungen in der Innen- und Sicherheitspolitik hat er nicht.
US‑Heimatschutzministerin Kristi Noem wird von Präsident Trump abberufen. Nachfolger soll Senator Markwayne Mullin aus Oklahoma werden. ZDF‑Korrespondentin Heike Slansky berichtet.
06.03.2026 | 1:44 minLoyalität Trumps kann schnell kippen
Auch wenn Noems Nachfolger Mullin noch vom Senat bestätigt werden muss: Gemäß einem Bundesgesetz dürfte er bis dahin das Amt als Heimatschutzminister kommissarisch übernehmen. Ein Ende der Massenabschiebungen ist mit ihm als Minister nicht zu erwarten. Noem wird nicht vollständig aus der Regierung gedrängt, sondern soll künftig eine neue Rolle als Sondergesandte für ein sicherheitspolitisches Projekt namens "Shield of the Americas" übernehmen.
Doch mit dem Wechsel an der Spitze des Heimatschutzministeriums setzt Trump darauf, die Kritik abzufedern und signalisiert einen Neustart. Noems Sturz zeigt einmal mehr, wie schnell politische Loyalität in der Trump-Regierung kippen kann.
Katharina Schuster ist Reporterin im ZDF-Studio in Washington D.C.
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