USA und China: US-Übermacht "immer stärker infrage gestellt"

Interview

Experte nach Hegseth-Rede in Singapur:China schaut USA zu, "wie sie sich selbst demontieren"

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Im Indopazifik laufe derzeit vieles im Interesse Pekings, sagt China-Experte Heilmann. Die USA seien auf die Stabilisierung der Beziehungen bedacht - und schwächten sich so selbst.

China-Experte Sebastian Heilmann von der Uni Trier per Videocall zugeschaltet. Er trägt ein schwarzes Hemd und im Hintergrund ist vermutlich ein Büroraum zu sehen, mit einer größeren Pflanze, mehreren Bildern an der Wand und Büchern auf einer Ablage zu sehen.

Sehen Sie hier das gesamte Interview bei ZDFheute live.

30.05.2026 | 13:59 min

Die USA stehen vor einem Dilemma: Einerseits betrachtet die Trump-Regierung China als geostrategischen Erzrivalen, andererseits will sie aufgrund der Wirtschaftskraft auch mit dem Land kooperieren. Sebastian Heilmann von der Universität Trier spricht von einer "tiefen Ambivalenz" in der China-Strategie der Vereinigten Staaten.

Bei ZDFheute live ordnete Heilmann die aktuelle strategische Haltung der Regierungen in Washington und in Peking ein. Vieles laufe derzeit "sehr im Interesse Chinas".

Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Das sagte Heilmann über...

... die Hegseth-Rede in Singapur

Bei einer Sicherheitskonferenz in Singapur, dem Shangri-La-Dialog, hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth eine Rede zur US-amerikanischen Strategie im Indopazifik gehalten. Darin habe Hegseth einerseits vor dem militärischen Aufbau Chinas gewarnt, der viele Anrainerstaaten im Indopazifik beunruhige, sagte Heilmann. Andererseits habe er die Taiwan-Frage in seiner Rede gar nicht thematisiert - anders als noch im vergangenen Jahr an gleicher Stelle.

Das ist schon ein Signal, dass im Grunde jetzt diese Stabilisierung der Beziehungen zu China Vorrang hat, auch gegenüber dem Schutz Taiwans.

Sebastian Heilmann, China-Experte von der Universität Trier

Das Schutz-Versprechen der USA für Taiwan sei zur Verhandlungsmasse geworden. Eigentlich hatten die USA an einem Abkommen für Waffenlieferungen im Umfang von bis zu 14 Milliarden US-Dollar für Taiwan gearbeitet. In Peking hatte das für Unmut gesorgt.

US-Präsident Donald Trump (r) schüttelt dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping die Hand.

In Peking inszenierten Xi und Trump demonstrative Einigkeit. Doch im Hintergrund dominierte die Taiwan-Frage. Xi soll eine deutliche Warnung in Richtung USA ausgesprochen haben.

15.05.2026 | 1:32 min

Aktuell ist ein Abkommen daher in der Schwebe. Heilmann rechnet damit, dass dessen Umfang wegen Pekings Widerspruch kleiner ausfallen dürfte. "Das heißt, es wird nicht so sein, dass da gar nichts kommt, aber es ist insgesamt nicht das, was ursprünglich vereinbart war", sagte er. Für China sei diese Verzögerung und Verkleinerung der Taiwan-Unterstützung ein "Riesengewinn".

... die US-amerikanische Sicht auf China

Trump habe bei seinem Gipfeltreffen mit Xi Jinping Mitte Mai vor allem deutlich gemacht, dass die USA versuchen wollten, "diese großen Beziehungen zwischen den beiden Supermächten zu stabilisieren", sagte Heilmann. Durch ihr diplomatisches Vorgehen würden die USA zwar nicht näher an China heranrücken. Misstrauen sei weiterhin vorhanden. Die USA wollten die Spannungen jedoch aus wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Gründen nicht eskalieren lassen.

Südostasien-Korrespondent Johannes Hano aus dem Studio in Singapur zugeschaltet. Er trägt ein schwarzes Sakko und ein weißes Hemd.

Die Abhängigkeit der bisherigen Verbündeten von den USA sei groß, sagt Südostasien-Korrespondent Johannes Hano. Dies erschwere den politischen Umgang mit der Großmacht - auch für Deutschland.

30.05.2026 | 12:14 min

Militärisch spürten die USA eine wachsende Rivalität vor allem im Indopazifik, also der Nahregion Chinas. Hier baue der Rivale seine Kapazitäten drastisch aus und sei bemüht, die maritime Überlegenheit zu erlangen.

Bisher war klar, dass die Amerikaner dort Oberwasser haben im Pazifik, aber das wird jetzt immer stärker infrage gestellt.

Sebastian Heilmann, China-Experte von der Universität Trier

Die USA seien aber weiterhin "sehr präsent" in der Region und stünden China mit ihren militärischen Basen, etwa auf den Philippinen, faktisch im Weg.

He Lifeng, Chinas Vizeministerpräsident, begrüßt Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, in der Großen Halle des Volkes

Jüngst war Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zu Besuch in China und warb für mehr chinesische Investitionen in Deutschland. Begleitet wurde sie von fast 40 deutschen Firmenbossen.

27.05.2026 | 2:50 min

... die chinesische Perspektive auf die Beziehungen

China habe lange versucht, "wie man in Peking manchmal sagt, den Trump zu zähmen", so der Experte, "im Grunde ihn also von dieser aggressiven, offensiven Herangehensweise an China wegzubringen und ihm die Zähne zu ziehen in gewisser Hinsicht." Das gelinge derzeit gut: Die USA seien weniger offensiv, gingen viele Kompromisse ein.

Das entspricht letztlich dem strategischen Interesse Chinas, [...] den USA im Grunde dabei zuzusehen, wie sie sich selbst demontieren, wie das Vertrauen aller Verbündeten in die USA sinkt und damit natürlich auch die Glaubwürdigkeit [...].

Sebastian Heilmann, China-Experte von der Universität Trier

Damit einher gehe ein neuer Machtanspruch Chinas: "Nach dem Ende dieser amerikanisch geführten Welt ist klar, dass China eine eigene Position beansprucht", sagte Heilmann. Er schränkte aber ein, dass es auch auf Seiten Pekings weiterhin "eine große Hemmschwelle für große militärische Auseinandersetzungen" gebe. "Es ist nicht so, dass die sozusagen von sich aus einfach Kriege anfangen wollen." Der Experte riet daher zu Besonnenheit:

Wir sollten das nicht zu sehr dramatisieren. Wir brauchen neue Strukturen, wir brauchen neue Abschreckungsmechanismen, aber dann ist das durchaus möglich, den Frieden trotzdem zu wahren.

Sebastian Heilmann, China-Experte von der Universität Trier

Das Interview bei ZDFheute live führte Barbara Parente. Zusammengefasst hat es Torben Heine.

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Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 30.05.2026 ab 13:30 Uhr in der Sendung "US-Druck auf Verbündete in Asien".

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