Wie ein extremes Unwetter 2021 zur tödlichen Katastrophe wurde

Flutkatastrophe in Belgien:"Ohne die Klimakrise wäre Rosa nicht gestorben"

von Sophie Burkhart, Brüssel

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Bei der länderübergreifenden Flutkatastrophe 2021 sterben in Belgien 39 Menschen. Eine von ihnen: die 15-Jährige Rosa Reichel. Ihr Freund sagt: Schuld war die Klimakrise.

Haus wird von Flut in Belgien 2021 zerstört

Bei der Flut am 14.07.2021 rissen die Wassermassen die 15-jährige Rosa und ihren Freund Ben weg. Nur Ben überlebte. Heute kämpft er für ihre Anerkennung als Opfer einer Klimakatastrophe.

14.07.2026 | 2:10 min

Lange Zeit konnte Benjamin Van Bunderen Robberechts nicht mehr ans Wasser gehen. Schon bei einer vollen Badewanne wurde er unruhig. Noch immer sind die Erinnerungen an die Nacht der Flut präsent. Die Nacht, als er seine Freundin Rosa verlor.

Die beiden lernen sich im Juli 2021 bei einer Ferienfreizeit im belgischen Marcourt kennen, etwa eineinhalb Stunden von Brüssel entfernt.

Benjamin ist damals 14, Rosa 15. Sie verstehen sich sofort gut, lachen und erzählen viel und werden Freunde.

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Rinnsal wird zum reißenden Strom

Der 14. Juli begann wie ein normaler Tag, erzählt Benjamin. Er und Rosa spielen Tischtennis, chillen auf den Sofas im Camp und machen viele Scherze, als plötzlich der Regen einsetzt.

"Dann sahen wir durch eine Glastür, wie der Fluss immer stärker anschwoll und wir dachten, vielleicht sollten wir zu einem höheren Platz gehen und Schutz suchen", sagt Benjamin. Ein kleiner Bachlauf verwandelte sich innerhalb weniger Stunden in einen reißenden Strom.

18.02.2026, Frankreich, Saintes: Polizeibeamte stehen in einer überfluteten Straße in Saintes, als schwere Überschwemmungen den Westen Frankreichs inmitten des Sturms Pedro treffen.

Im Westen Frankreichs heißt es vielerorts Land unter: Nach einer Rekordserie von 37 Regentagen in Folge sind zahlreiche Ortschaften von Hochwasser und Überschwemmungen betroffen.

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Rosa stirbt in den Wassermassen

Sie gehen nach draußen. Alles ist überschwemmt, da werden Rosa und er mitgerissen. "Das Wasser war kein Wasser mehr, sondern ein braunes, tobendes Monster." Benjamin kann sich mit einem Arm an etwas festhalten, mit dem anderen hält er Rosa. "Doch dann kam eine noch größere Welle und sie wurde mir aus den Händen gerissen, Finger für Finger."

Drei Tage später wird ihr lebloser Körper gefunden.

Rosa ist nicht die Einzige, die im Hochwasser ums Leben kommt. 38 weitere Menschen sterben in Belgien, Tausende verlieren ihr Zuhause. Besonders hart trifft das Hochwasser den Osten Belgiens, vor allem die Provinz Lüttich.

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Studie belegt: Extremwetter hängt mit Klimawandel zusammen

Eine Studie der wissenschaftlichen Initiative World Weather Attribution (WWA) zeigt später: Die Starkregenfälle waren auch eine Folge des Klimawandels. Die Mitautorin der Studie, Friederike Otto vom Imperial College in London, sagt: Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Extremwetterereignis habe sich mit dem Klimawandel und der globalen Erwärmung von 1,2 Grad Celsius bereits verdoppelt.

"Wenn diese Ereignisse stattfinden, dann sind die Niederschläge intensiver, einfach aufgrund der Tatsache, dass eine wärmere Atmosphäre mehr Wasserdampf enthalten kann", erklärt sie. Dieser entlade sich dann als Starkregen.

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Extremwetterereignisse werden wahrscheinlicher und intensiver

Der Klimawandel mache aber auch andere Extremwetterereignisse wie Hitzewellen wahrscheinlicher und verstärke sie, sagt Otto.

"Wir müssen in erster Linie aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen, aber wir müssen uns auch an solche Ereignisse anpassen." Dazu gehörten beispielsweise Frühwarnsysteme, damit die Menschen bei solchen Ereignissen rechtzeitig gewarnt würden.

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Climate Justice for Rosa und EU-weiter Gedenktag

"Ohne die Klimakrise wäre Rosa nicht gestorben", sagt Benjamin. In den Tagen nach ihrem Tod habe er im Bett gelegen und nicht gewusst, was er machen soll. "Aber dann dachte ich: Ich muss etwas tun. Die Leute müssen Rosas Geschichte erfahren und was die Klimakrise anrichtet."

Gemeinsam mit Freunden von Rosa gründet er die Organisation "Climate Justice for Rosa". Sie nehmen an Demonstrationen teil und erkämpfen, dass die Opfer der Klimakrise einen eigenen, EU-weiten Gedenktag bekommen. Jedes Jahr am 15. Juli, dem Tag nach der Flut, als das Ausmaß des Hochwassers sichtbar wurde.

SGS Vinke Gökdemir

Die Hitzesommer nehmen zu, die Hitzewellen werden länger und intensiver. Daran sei weder das Gesundheitssystem noch die Wirtschaft adäquat angepasst, sagt Klimaexpertin Kira Vinke.

23.06.2026 | 3:11 min

Baum im Herzen Brüssels erinnert an Rosa

Rosas und Benjamins Geschichte wird auch in einem Theaterstück erzählt, auf Französisch und Niederländisch. Und im Herzen Brüssels, Rosas Heimatort, wird ein Baum für sie gepflanzt. Als Ort zum Erinnern.

Benjamin kommt jeden Tag mit dem Fahrrad an dem Baum vorbei, sammelt manchmal etwas Müll auf und hält inne. Dann denkt er zurück an Rosa, vor allem ihr Lachen sei ihm im Gedächtnis geblieben.

"Der Baum gibt mir Hoffnung - dass Rosa nicht umsonst gestorben ist, dass hier jeden Tag Menschen vorbeikommen, das Schild sehen und vielleicht verstehen, was die Klimakrise wirklich bedeutet", sagt er.

Benjamin will weiter dafür kämpfen, dass die Opfer nicht in Vergessenheit geraten.

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Über das Thema berichtete heute in Europa am 14.07.2026 ab 16 Uhr.
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