Ungarn in direktem Kontakt mit Russland? Spionageverdacht in EU

Sensible Infos mit Russland geteilt?:Spionageverdacht gegen Orbans Regierung - EU reagiert empört

|

Ungarn soll jahrelang sensible Details aus EU-Sitzungen direkt mit Russland geteilt haben. Die EU und die Bundesregierung reagieren empört - Orban wittert einen Abhör-Skandal.

Ungarns Außenminister Peter Szijjarto

Die EU hat sich zu dem Spionageverdacht gegen Ungarns Regierung geäußert. Es sei "äußerst besorgniserregend", dass Ungarn EU-interne Informationen an Russland weitergegeben haben könnte.

23.03.2026 | 0:33 min

Die mutmaßliche Weitergabe von EU-internen Informationen durch Ungarn an Russland sorgt in Brüssel für Empörung. Eine Sprecherin der EU-Kommission von Ursula von der Leyen bezeichnete es am Montag als "äußerst besorgniserregend", dass der ungarische Außenminister seinem russischen Amtskollegen Inhalte aus vertraulichen Beratungen auf Ministerebene offengelegt haben könnte.

"Ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedstaaten untereinander sowie zwischen ihnen und den Institutionen ist für die Arbeit der EU von grundlegender Bedeutung", sagte sie. "Wir erwarten daher von der ungarischen Regierung eine Klarstellung."

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verlässt eine Pressekonferenz nach dem EU-Gipfel der Staats- und Regierungschef.

Ungarn und dessen Regierungschef Viktor Orban standen schon nach dem EU-Gipfel in der Kritik von Bundeskanzler Merz. Es war dort nicht gelungen, Orban dazu zu bewegen, seine Blockade der Finanzhilfen für die Ukraine aufzugeben.

20.03.2026 | 0:25 min

Telefonate mit Moskau in Sitzungspausen?

Zuvor hatte die US-Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf einen früheren ungarischen Geheimdienstmitarbeiter und Sicherheitsbeamte aus anderen europäischen Ländern berichtet, dass die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban seit Jahren Moskau Informationen zu sensiblen Diskussionen in der EU übermittle.

Außenminister Peter Szijjarto soll demnach sogar während der Pausen bei den EU-Treffen regelmäßig mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert haben, um ihn über die Inhalte dieser Gespräche zu informieren.

Ungarn empört sich über Abhör-Aktion

Die ungarische Regierung versuchte unterdessen, den Blick darauf zu lenken, dass die Geheimdienst-Informationen nur über das Abhören von Ungarns Außenminister Szijjarto gewonnen werden konnten.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán mit erhobenen Händen gestikulierend vor einem blauen Hintergrund.

Hunderttausende Menschen versammeln sich in Budapest, um die Wahlkampfreden von Ministerpräsident Orban und Herausforderer Magyar zu hören. Steht Ungarn vor einem Richtungswechsel? ZDFheute live.

15.03.2026 | 22:29 min

"Das Abhören eines Regierungsmitglieds ist ein schwerer Angriff gegen Ungarn", schrieb Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban bei Facebook. Er habe seinen Justizminister angewiesen, die Informationen im Zusammenhang mit den Abhör-Aktionen gegen Szijjarto zu überprüfen.

Bundesregierung: Bruch der Vertraulichkeit wäre gravierend

Die deutsche Bundesregierung reagierte indessen mit Besorgnis auf die Berichte: "Die Beratungen im Kreise der EU-Außenminister sind vertraulich und beruhen auf den Prinzipien, auf denen sich die Union gründet. Diese Grundsätze sind nicht verhandelbar. Eine Verletzung dieser Grundsätze werden wir auch nicht hinnehmen", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Die Vorwürfe, die da aufgestellt werden, sind sehr schwerwiegend.

Sprecher des Auswärtigen Amtes

Die Affäre trifft die Regierung Orban kurz vor der Parlamentswahl am 12. April. Der seit 2010 amtierende Ministerpräsident steht vor seiner schwersten Wahl, da die Mitte-Rechts-Oppositionspartei Tisza in den meisten Umfragen deutlich führt. Orban pflegt trotz des Krieges in der Ukraine enge Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Geheimagenten in Brüssel
:Hat Ungarns Geheimdienst die EU ausspioniert?

Auch ungarische Geheimagenten sollen EU-Institutionen ausgespäht haben. Ein deutscher Abgeordneter geht nun juristisch gegen Viktor Orban vor.
Tobias Bluhm, Brüssel
Viktor Orban, aufgenommen am 26.06.2025
Quelle: dpa, Reuters
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress im Beitrag "Ungarn: EU reagiert auf Spionageverdacht" am 23. März 2026 um 18:58 Uhr.

Mehr Hintergründe zu Ungarn und der EU

  1. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán trifft am 18.12.2025 zum Europäischen Rat in Brüssel ein

    Orban blockiert Ukraine-Politik der EU:Politiker fordern Entzug der Stimmrechte Ungarns im EU-Rat

    mit Video1:04

  2. Ungarns Premierminister Viktor Orban
    FAQ

    Die EU und Ungarn:Ungarns Blockade: Kann die EU Orban umgehen?

    Anna Pettini, ZDF-Studio Brüssel
    mit Video1:36

  3. Orban und Putin schütteln sich die Hände

    Wegen Einreise-Regeln für Russen:Politiker fordern Konsequenzen für Ungarn


  4. Die Empfangsstation der Erdöl-Pipeline „Druschba“ in der Duna-Raffinerie von MOL Group bei Százhalombatta, südlich von Budapest. Aufgenommen am 5. Mai 2022. (Archiv)

    Nachrichten | heute in Europa:Ungarn: Spannung um Druschba-Pipeline

    von Michael Bewerunge
    Video2:07