Ungarn in direktem Kontakt mit Russland? Spionageverdacht in EU

Sensible Infos mit Russland geteilt?:Spionageverdacht gegen Orbans Regierung - EU reagiert empört

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Ungarn soll jahrelang sensible Details aus EU-Sitzungen direkt mit Russland geteilt haben. Die EU und die Bundesregierung reagieren empört - Orban wittert einen Abhör-Skandal.

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Laut Recherchen gab Orbans Regierung EU-Geheimnisse an Russland weiter. Brüssel spricht von Vertrauensbruch – nun mehren sich Forderungen nach Sanktionen bis zum Stimmrechtsentzug.

24.03.2026 | 2:47 min

Die mutmaßliche Weitergabe von EU-internen Informationen durch Ungarn an Russland sorgt in Brüssel für Empörung. Eine Sprecherin der EU-Kommission von Ursula von der Leyen bezeichnete es am Montag als "äußerst besorgniserregend", dass der ungarische Außenminister seinem russischen Amtskollegen Inhalte aus vertraulichen Beratungen auf Ministerebene offengelegt haben könnte.

"Ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedstaaten untereinander sowie zwischen ihnen und den Institutionen ist für die Arbeit der EU von grundlegender Bedeutung", sagte sie. "Wir erwarten daher von der ungarischen Regierung eine Klarstellung."

ZDF-Reporterin Isabelle Schäfers aus Brüssel.

Die EU-Kommission verlangt eine Aufklärung zu den Spionagevorwürfen. In Brüssel hoffe man, dass sich das "Problem Orbán" durch die Wahl erledigen könnte, sagt ZDF-Reporterin Isabelle Schäfers.

24.03.2026 | 6:57 min

Telefonate mit Moskau in Sitzungspausen?

Zuvor hatte die US-Zeitung "Washington Post" unter Berufung auf einen früheren ungarischen Geheimdienstmitarbeiter und Sicherheitsbeamte aus anderen europäischen Ländern berichtet, dass die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban seit Jahren Moskau Informationen zu sensiblen Diskussionen in der EU übermittle.

Außenminister Peter Szijjarto soll demnach sogar während der Pausen bei den EU-Treffen regelmäßig mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert haben, um ihn über die Inhalte dieser Gespräche zu informieren.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban im Europa-Gebäude anlässlich des EU-Gipfels in Brüssel am 19.03.2026.

Die EU-Kommission ist besorgt: Ungarische Regierungsmitglieder sollen mutmaßlich jahrelang EU-interne Informationen mit Russland geteilt haben. Ungarn bestreitet die Vorwürfe.

24.03.2026 | 5:33 min

"Der ungarische Außenminister selbst hat heute in einem Videobeitrag erklärt, dass es ganz normal sei, dass er mit seinen Amtskollegen auch außerhalb der EU telefoniert, wenn es etwa um Themen wie Sicherheit, Energie, Handel, Wirtschaft geht", berichtet Brüssel-Korrespondentin Isabelle Schaefers. Er würde mit den USA telefonieren, aber eben auch mit Russland, der Türkei, mit afrikanischen Ländern. "Also er hält den Vorgang hier für ganz normal."

Ungarn empört sich über Abhör-Aktion

Die ungarische Regierung versuchte unterdessen, den Blick darauf zu lenken, dass die Geheimdienst-Informationen nur über das Abhören von Ungarns Außenminister Szijjarto gewonnen werden konnten. "Ungarn dreht das Ganze einfach um und verlangt seinerseits Aufklärung, nämlich in einer angeblichen Abhöraffäre des ungarischen Außenministers", so Schaefers. Orbán und auch der Außenminister wollten nun Aufklärung darüber, ob und warum der Außenminister abgehört wurde.

Der ehemalige luxemburgische Außenminister Jean Asselborn

Orbán habe seit 2010 versucht an der Krippe der Milliarden zu bleiben und gleichzeitig die Europäische Union als Institution Schachmatt zu setzen, sagt Luxemburgs Ex-Außenminister Jean Asselborn.

24.03.2026 | 16:45 min

Auf den Vorwurf des Vertrauensbruchs gegenüber den europäischen Partnern gehe man von ungarischer Seite gar nicht ein, so die ZDF-Korrespondentin. "Das Abhören eines Regierungsmitglieds ist ein schwerer Angriff gegen Ungarn", schrieb Ministerpräsident Viktor Orban bei Facebook. Er habe seinen Justizminister angewiesen, die Informationen im Zusammenhang mit den Abhör-Aktionen gegen Szijjarto zu überprüfen.

Bundesregierung: Bruch der Vertraulichkeit wäre gravierend

Die deutsche Bundesregierung reagierte indessen mit Besorgnis auf die Berichte: "Die Beratungen im Kreise der EU-Außenminister sind vertraulich und beruhen auf den Prinzipien, auf denen sich die Union gründet. Diese Grundsätze sind nicht verhandelbar. Eine Verletzung dieser Grundsätze werden wir auch nicht hinnehmen", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Die Vorwürfe, die da aufgestellt werden, sind sehr schwerwiegend.

Sprecher des Auswärtigen Amtes

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15.03.2026 | 22:29 min

Die Affäre trifft die Regierung Orban kurz vor der Parlamentswahl am 12. April. Der seit 2010 amtierende Ministerpräsident steht vor seiner schwersten Wahl, da die Mitte-Rechts-Oppositionspartei Tisza in den meisten Umfragen deutlich führt. Orban pflegt trotz des Krieges in der Ukraine enge Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Ob das Ganze Orban schaden kann sei schwer zu sagen, schätzt Isabelle Schaefers: "Orbán hat ja seinen gesamten Wahlkampf hier sehr auf Anti-Brüssel, Anti-EU ausgerichtet und dadurch, dass er natürlich jetzt diesen Vorwurf umdreht und sagt, dass sein Außenminister ausspioniert wurde, unter anderem auch mit Wissen der Oppositionsparteien, soweit ich das verstanden habe, hofft er natürlich wahrscheinlich, dass ihm das sogar nützen kann. Wie das Ganze natürlich wirklich nachher beim Wähler ankommt, das werden wir wohl erst am 12. April sehen."

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Tobias Bluhm, Brüssel
Viktor Orban, aufgenommen am 26.06.2025
Quelle: dpa, Reuters
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress im Beitrag "Ungarn: EU reagiert auf Spionageverdacht" am 23. März 2026 um 18:58 Uhr sowie heute in Europa am 24. März 2026 ab 16:00 Uhr und die ZDFheute live um 19:30 Uhr.

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