Expertin zur Wahl in Ungarn:"Machtwechsel realistisch, aber keineswegs sicher"
Ungarn steht vor der Wahl: Weiter so mit Viktor Orbán oder doch ein Neuanfang mit Péter Magyar? Bei ZDF heute live analysiert Melani Barlai den Wahlkampf und die Perspektiven.
In Umfragen liegt Orbán hinter Herausforderer Magyar. Politikwissenschaftlerin Barlai warnt dennoch davor, Zustimmungswerte mit Parlamentsmandaten gleichzusetzen.
15.03.2026 | 11:23 minKnapp einen Monat vor der Parlamentswahl in Ungarn, bangt Ministerpräsident Orbán um seine Mehrheit. Gerade gehen viele Menschen in ganz Ungarn für oder gegen ihn auf die Straße. Warum die Opposition in Umfragen derzeit vorn liegt, analysiert bei ZDFheute live Expertin Melani Barlai von der deutschsprachigen Andrássy-Universität in Budapest.
Sehen Sie das ganze Interview oben im Video oder lesen Sie hier Auszüge:
Melani Barlai rechnet damit, dass jetzt die "intensivste Phase des Wahlkampfs" beginnt. Die Frage sei nicht, ob das der schmutzigste Wahlkampf aller Zeiten werde, sondern welche Konsequenzen er für die Stabilität und die Anerkennung des Ergebnisses haben werde. Es könne sich daher die Frage nach der Legitimation der ganzen Wahl ergeben, betont Barlai.
Barlai sieht großen Vertrauensverlust
"Wir haben es mit einem starken Glaubwürdigkeitsverlust zu tun", hinzu komme die wirtschaftliche Stagnation. Orbán-Herausforderer Péter Magyar könne durch diese Umstände an Vertrauen gewinnen.
ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge berichtet vom Wahlkampf in Ungarn:
Viele von Orbans Anhängern kauften ihm ab, dass Europa vor einem großen Krieg stehe, so ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge. Dagegen stehe Magyar, der einen europafreundlicheren Kurs vertritt.
15.03.2026 | 7:48 minDennoch könnte Orbán wieder als Sieger hervorgehen, wie so oft in den vergangenen Jahren. Man müsse in Ungarn zwei Ebenen auseinanderhalten: Einerseits die gesellschaftliche Mehrheitsstimmung, andererseits die institutionelle Übersetzung dieser Mehrheitsstimmung in Mandate. Das ungarische Wahlsystem wirke sehr asymmetrisch. Hinzu komme, dass knappe Ergebnisse infrage gestellt werden könnten.
Ein Machtwechsel ist heute durchaus realistisch, aber keineswegs sicher.
Melani Barlai
Sollte Orbán tatsächlich (knapp) verlieren, könne er versuchen, das Wahlergebnis mit legalen Mitteln in Frage zu stellen. Ebenfalls könne er versuchen, die Person Péter Magyar zu delegitimieren. Orbán habe in seinen Regierungsjahren die Institutionen so geformt, dass er einer neuen Regierung viele Steine in den Weg legen könne, erklärt die Politikwissenschaftlerin.
Herausforderer von Regierungschef Viktor Orban bei der kommenden Wahl in Ungarn ist Peter Magyar. Beide riefen zum ungarischen Nationalfeiertag ihre Anhänger auf die Straße.
15.03.2026 | 1:32 minDer Herausforderer Péter Magyar habe versprochen, die blockierten EU-Gelder ins Land zu holen, sich konstruktiv-kritisch in der Gemeinschaft einzubringen und die Korruptionsbekämpfung voranzutreiben. "Das ist, was wir von ihm erwarten können und müssen", sagt Melani Barlai.
Das Interview führte Marc Burgemeister.
Hunderttausende Menschen versammeln sich in Budapest, um die Wahlkampfreden von Ministerpräsident Orban und Herausforderer Magyar zu hören. Steht Ungarn vor einem Richtungswechsel? ZDFheute live.
15.03.2026 | 22:29 minSehen Sie hier die ganze Sendung zum Thema:
Mehr zu Orbán und Ungarn
Streit zwischen Ungarn und Ukraine:Bos zu Orbàn: "Selenskyj regelrecht zum Feindbild aufgebaut"
mit Video18:15EU rügt ukrainischen Präsidenten:Diplomatische Entgleisung: Selenskyj droht Orban
Christian von Rechenberg, Wienmit Video2:24Orban blockiert Ukraine-Politik der EU:Politiker fordern Entzug der Stimmrechte Ungarns im EU-Rat
mit Video1:04Treffen der EU-Außenminister:Ungarn blockiert Ukraine-Politik - Wadephul wirft Verrat vor
mit Video0:23Streit um Ölpipeline:Ungarn will Ukraine-Hilfen und Russland-Sanktionen blockieren
mit Video0:23