Rücktritt des Präsidenten gefordert:Magyar: Medienlandschaft soll umgekrempelt werden
Im Mai wird Peter Magyar Orbans Amt übernehmen. Schon jetzt macht er klar, wie es weitergehen soll. So kündigt er den Umbau der Medien an und will den Rücktritt des Präsidenten.
Der ungarische Wahlsieger Peter Magyar hat angekündigt, Nachrichtensendungen der staatlichen Medien vorerst auszusetzen und neu auszurichten. Zudem forderte er Präsident Sulyok zum Rücktritt auf.
15.04.2026 | 1:06 minNach seinem Wahlsieg will der designierte ungarische Ministerpräsident Peter Magyar die Medienlandschaft des Landes umkrempeln. Er kündigte an diesem Mittwoch an, die staatlichen Mediensendungen auszusetzen und ein neues Mediengesetz zu verabschieden. "Jeder Ungar verdient öffentlich-rechtliche Medien, die die Wahrheit senden", sagte Magyar dem staatlichen Radiosender Kossuth, bei dem der abgewählte Ministerpräsident Viktor Orbán 16 Jahre lang wöchentlicher Gast war.
Einer der ersten Schritte nach der Regierungsbildung wird es sein, dass wir die Nachrichtenprogramme dieser Propagandamedien aussetzen.
Peter Magyar, designierter Ministerpräsident Ungarns
Das sagte Magyar am Mittwochmorgen im Interview mit Kossuth und anschließend nahezu gleichlautend im Fernsehsender M1. Beide Medien gehören zur staatlichen Rundfunk-Holding MTVA.
Peter Magyar hätte weit über die erforderlichen 133 Mandate, die er für eine Zweidrittelmehrheit bräuchte, so ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge aus Ungarns Hauptstadt Budapest.
12.04.2026 | 4:40 minAuf die Bemerkung der M1-Moderatorin, dass die Einstellung der Nachrichtensendungen gegen das Gesetz verstoßen würde, sagte Magyar zu ihr: "Sie sind den Verpflichtungen des Mediengesetzes nicht nachgekommen. (...)"
Wenn Sie mir hier Gesetzesverstöße vorwerfen, dann ist es so, als riefe der Ladendieb nach der Polizei.
Peter Magyar, designierter Ministerpräsident
Orban hatte die Medienlandschaft in Ungarn während seiner mehr als 15-jährigen Regierungszeit grundlegend umgestaltet. Zahlreiche private Medien wurden entweder geschlossen oder von regierungsnahen Unternehmern übernommen.
Nach 16 Jahren endet die Ära Orbán. Peter Magyar gewinnt mit Tisza eine Zweidrittelmehrheit – und steht vor der Aufgabe, ein politisch umgebautes Land zu erneuern.
13.04.2026 | 2:58 minOrbans kritisiertes Mediengesetz
Die staatlichen Medien stehen unter voller Regierungskontrolle. Tatsächlich konzipiert das von Orban geschaffene Mediengesetz aus dem Jahr 2010 die MTVA-Anstalten als öffentlich-rechtliche Medien. So unterliegen sie etwa dem Auftrag der objektiven und ausgewogenen Berichterstattung.
In der Praxis geschah jedoch das Gegenteil. Orban und Vertreter seiner Regierung und seiner Fidesz-Partei wurden in den Nachrichtensendungen ausschließlich positiv, Peter Magyar und seine Tisza-Partei ausschließlich negativ dargestellt. Im Wahlkampf wurde Fidesz in diesen Programmen als einzige wählbare Option präsentiert.
Nach seinem Wahlsieg über Viktor Orban wird Peter Magyar neuer Ministerpräsident Ungarns. Die Korrespondenten Michael Bewerunge und Ulf Röller ordnen die Bedeutung des Machtwechsels ein.
13.04.2026 | 2:27 minMagyars Tisza-Partei fuhr bei der Wahl am Sonntag dennoch einen deutlichen Sieg ein. Im neuen Parlament wird sie eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit haben, womit sie auch Orbans Mediengesetz ändern kann, das im Verfassungsrang steht.
Magyar fordert Rücktritt des Präsidenten
Die konstituierende Sitzung werde voraussichtlich am 6. oder 7. Mai stattfinden, sagte Magyar nach einem Treffen mit Staatspräsident Tamas Sulyok. Diesen forderte er bei dem Treffen ausdrücklich zum Rücktritt auf. Er habe dem Präsidenten mitgeteilt, dass dieser "in meinen Augen und in den Augen des ungarischen Volkes" nicht fähig sei, die "Respektierung des Rechts" zu gewährleisten, sagte Magyar am Mittwoch nach dem Gespräch mit Sulyok.
Nach dem Wahldebakel für Viktor Orbán verspricht die neue Regierung in Ungarn einen Systemwechsel – wieder zurück zur Rechtsstaatlichkeit und zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der EU.
14.04.2026 | 8:23 minSollte der Präsident seinen Posten nicht freiwillig räumen, werde seine Regierung die Verfassung ändern, um Sulyok und alle "vom System Orban auf Schlüsselposten gehievte Marionetten" absetzen zu können. Bereits in der Wahlnacht hatte Magyar umfassende Reformen und einen "vollständigen Regimewechsel" angekündigt.
Orbán vergessen? Trump findet Magyar prima
US-Präsident Donald Trump zeigte sich unterdessen unbeeindruckt von der Niederlage seines bisherigen Verbündeten Orban. Er möge den designierten Ministerpräsidenten Magyar. "Ich glaube, der neue Mann wird einen guten Job machen - er ist ein guter Mann", sagte Trump dem Sender ABC News. Trump hatte Orban im Wahlkampf noch unterstützt, erklärte nun jedoch, er sei "nicht so sehr involviert" gewesen.
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