Ukraine nimmt Krim ins Visier: So wächst der Druck auf Putin

Russlands Südfront:Warum die Ukraine Putin auf der Krim unter Druck setzt

Sebastian Ehm

von Sebastian Ehm

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Kiew nimmt die Krim ins Visier. Wackelt die Versorgung der Halbinsel, gerät die ganze südliche Front unter Druck. Doch auch im Rest Russlands spitzt sich die Lage zu.

(Archivbild) Die Kertsch Brücke auch Krimbrücke genannt.

Seit Wochen greift die Ukraine die Krim verstärkt an und zielt auf die Versorgung. Benzin wird knapp, Strom nachts abgeschaltet, viele Orte im Dunkeln.

24.06.2026 | 2:06 min

Die Stimmung am Stadtstrand von Sewastopol ist friedlich. Kinder und Jugendliche springen in der Abendsonne von einem Betonsteg, andere genießen ein kühles Getränk. Bei diesen Szenen mutet es seltsam an, dass die Krim gerade im Zentrum ukrainischer Angriffe steht. Regelmäßig gibt es Drohnenalarm.

Wegen der Attacken auf Kraftwerke gab es in Teilen Sewastopols fast zwei Tage keinen Strom. Auch die Versorgungslinien stehen unter Beschuss, was zur Folge hat, dass seit dem Wochenende kein Benzin mehr an Privatpersonen ausgegeben wird.

Kiew greift die Krim regelmäßig an

Anastasia lebt mit ihrem Mann Alexander hier. Die beiden haben zwei Kinder. "Wir machen uns Sorgen um sie", sagt Anastasia. Es sei durch den Benzinmangel auch nicht mehr so einfach, sich auf der Halbinsel fortzubewegen.

Die Krim wurde 2014 von Russland völkerrechtswidrig annektiert und von Moskau stetig ausgebaut. Jahrzehntelang befand sich hier der Hauptsitz der Schwarzmeer-Flotte. Auch andere Militäreinrichtungen wurden auf die Krim verlegt. Wichtige Eisenbahnlinien verlaufen hier, die die südliche Front in der Ukraine mit Munition und schwerem Gerät versorgen. Deshalb wird die Krim von Kiew regelmäßig angegriffen.

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Auf der Wiederaufbaukonferenz in Polen wird es ab dem heutigen Donnerstag um die weitere Unterstützung für die Ukraine gehen. Überschattet wird das Treffen aber von einem politischen Streit beider Länder.

25.06.2026 | 2:49 min

Schwerer Schlag auf die russische Militärlogistik

Am Dienstag gab die Ukraine bekannt, sie habe eine wichtige Eisenbahnbrücke im Norden der Halbinsel zerstört. Es wäre ein weiterer schwerer Schlag, der die russische Militär-Logistik empfindlich treffen würde. Am Mittwoch vermeldeten ukrainische Kräfte außerdem, mehrere Luftabwehr-Anlagen der Russen nahe der Brücke von Kertsch ausgeschaltet zu haben.

Wjatscheslaw Schirjajew ist Politik- und Wirtschaftsexperte und beobachtet das Geschehen aus dem Exil. Zu ZDFheute sagt er, dass die Krim für die Versorgung der russischen Truppen im Süden enorm wichtig sei.

Man kann sie als eine Art unbeweglichen Flugzeugträger betrachten. Wenn die Krim als Militärbasis wegfällt, gerät die ganze südliche Front unter Druck.

Wjatscheslaw Schirjajew, Wirtschaftsexperte

Ein Blick auf die Stadt Kertsch auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim. (Archiv)

Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf die Halbinsel Krim melden Behörden vier Tote und mindestens 28 Verletzte. Wegen Versorgungsproblemen gilt zudem ein Verkaufsverbot für Benzin und Diesel.

21.06.2026 | 0:25 min

Apokalyptische Bilder von Angriffen auf Moskau

Doch es trifft nicht nur die Krim. Seit Wochen beschießt Kiew immer wieder russische Treibstoffdepots, Raffinerien und Ölanlagen. Erst vergangene Woche war mehrfach die Hauptstadt Moskau das Ziel. Die Bilder einer von einem Tank fliegenden Abdeckung und der schwarzen Rauchsäulen über der Stadt waren apokalyptisch. Die Bevölkerung der Hauptstadt ist seitdem noch verunsicherter.

Dmitri sagt dem ZDF-Team in Moskau bei einer Straßenumfrage, dass er die Situation für sehr gefährlich halte. Nicht nur die Angriffe. "Ich habe vier Kinder und es wurden 25 Kilogramm nicht explodierten Sprengstoffs von abgeschossenen Drohnen im Nachbargarten gefunden."

Lange Schlangen an Tankstellen

In ganz Russland spitzt sich die Lage anscheinend zu. In einem Viertel der russischen Regionen wurde offiziell die Abgabe von Treibstoff beschränkt. Vielerorts bilden sich lange Schlangen an Tankstellen. Das zeigen Aufnahmen auf Telegram.

Für Wjatscheslaw Schirjajew ist genau das die Strategie der Ukraine. Kiew wolle in Russland einen Stillstand herbeiführen.

Wenn Befehle nicht mehr ausgeführt werden können, weil im Hinterland Chaos herrscht, dann wird das System instabil.

Wjatscheslaw Schirjajew, Wirtschaftsexperte

Am 18. Juni 2026 steigt schwarzer Rauch aus dem Bereich der Moskauer Ölraffinerie des russischen Ölproduzenten Gazprom Neft am südöstlichen Stadtrand von Moskau auf.

Die Ukraine hat mehrere russische Raketenangriffe auf Kiew gemeldet. Moskaus Bürgermeister teilte mit, dass ukrainische Drohnen eine russische Ölraffinerie getroffen hätten.

18.06.2026 | 0:19 min

Ein historisches Beispiel sei Russland während des Ersten Weltkriegs bei der Revolution: Brot sei vorhanden gewesen, habe aber die Hauptstadt nicht mehr erreicht und dann seien die Proteste losgebrochen. "Die Ukraine könnte versuchen, genau dies zu erreichen: die Logistik zu zerstören und die Versorgungsketten zu unterbrechen", so Schirjajew weiter.

Um zu zeigen, er habe die Situation im Griff, besprach sich Präsident Wladimir Putin am Dienstagabend öffentlich mit seiner Regierung. Der Energieminister erklärte ihm wortreich, dass die Lage zwar schwierig, aber unter Kontrolle sei.

Das gilt jedoch nicht für die Krim. Obwohl die Stromversorgung peu à peu wiederhergestellt werden konnte, gibt es immer noch kein Benzin und nachts wird die Straßenbeleuchtung abgeschaltet.

Sebastian Ehm berichtet als Reporter über Russland, den Kaukasus und Zentralasien.

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Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen, unter anderem heute in Europa am 24.06.2026 ab 16:00 Uhr.

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