Trump und das Smithsonian: Im Kampf um die US-Geschichte

Wer erzählt Amerikas Vergangenheit?:Trump und der Kampf um die US-Geschichte

von Anne Sophie Feil, Washington, D.C.

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Trump nimmt das Nationale Geschichtsmuseum ins Visier und fordert eine patriotischere Darstellung der US-Geschichte. Kritiker warnen vor Einflussnahme auf Kulturinstitutionen.

Trump White House to install content warning signs outside Smithsonian National History Museum

US-Präsident Donald Trump hat das Museum wegen einer angeblich "ungenauen" Darstellung der amerikanischen Geschichte kritisiert und Warnhinweise für Besucher angeordnet.

24.08.2026 | 1:11 min

"Warnung: Die Ausstellungsstücke in diesem Museum wurden von Menschen zusammengestellt, die nicht wollen, dass Sie Ihr Land lieben." Würde ein solches Schild am Eingang des Deutschen Historischen Museums in Berlin stehen, wäre die Empörung vermutlich groß. In den USA empfiehlt der Innenpolitische Rat genau das dem Weißen Haus.

Trump will Besucher des Geschichtsmuseums warnen

US-Präsident Donald Trump ordnete anschließend per Dekret die Aufstellung von Warnschildern vor dem National Museum of American History in Washington an. Das Dekret "Restoring Trust in the Smithsonian Institution" sieht Schilder mit Hinweisen vor, die sich auf die Erkenntnisse aus dem 162-seitigen Bericht des Innenpolitischen Rats stützen.

Historiker sehen darin einen weiteren Schritt im Streit um die Darstellung der US-amerikanischen Vergangenheit. Sarah Weicksel, Geschäftsführerin der American Historical Association, bezeichnet die Maßnahme als Teil eines umfassenderen Versuchs der Regierung, festzulegen, welche Aspekte der US-Geschichte in Museen, Nationalparks und anderen öffentlichen Einrichtungen dargestellt werden.

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Warum Trump Warnschilder vor einem Smithsonian-Museum fordert

Um die interne Autonomie der Smithsonian-Museen zu umgehen, nutzt das Weiße Haus einen juristischen Kniff. Die Schilder sollen auf den Gehwegen vor dem Museum platziert werden. Diese werden vom National Park Service verwaltet und unterstehen damit der Regierung.

Die Smithsonian Institution umfasst insgesamt 21 Museen - darunter das National Museum of American History - und den Nationalzoo. Sie beschäftigt über 7.000 Angestellte und Tausende Ehrenamtliche. Pro Jahr besuchen zwischen 15 und 30 Millionen Menschen die Einrichtungen bei freiem Eintritt. Finanziell ist die Smithsonian Institution nach eigenen Angaben zu etwa zwei Dritteln von staatlichen Fördergeldern abhängig. Diese lagen in den beiden vergangenen Jahren bei gut einer Milliarde Dollar.

Quelle: Smithsonian Institution


In dem Bericht des Innenpolitischen Rats wird dem Museum vorgeworfen, "weiße, männliche und christliche Amerikaner überwiegend als Vertreter unterdrückerischer Machtstrukturen zu verunglimpfen." Die amerikanische Geschichte werde politisch genutzt, "um Bürger zu spalten und zu demoralisieren".

Kritisiert wird insbesondere, dass die Gründungszeit der USA und die Amerikanische Revolution in den Ausstellungen zu kurz kämen, während ihre Rolle als Sklavenhalter stärker hervorgehoben werde. Deshalb empfiehlt der Rat Warnhinweise an den Museumseingängen.

Historiker warnen vor staatlichem Einfluss auf Museen

Die Führung des Smithsonian weist die Kritik zurück. Museumsdirektorin Anthea Hartig erklärte bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus, der Bericht beschreibe die Arbeit des Museums weder fair noch zutreffend.

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Auch Sarah Weicksel widerspricht. Das Museum verfüge über zahlreiche Ausstellungsstücke aus der Gründungszeit, darunter George Washingtons Uniform, Thomas Jeffersons Schreibtisch, Erfindungen Benjamin Franklins sowie das restaurierte Kanonenboot Philadelphia, das 1776 während der amerikanischen Revolution gesunken war.

Besucher haben zahlreiche Gelegenheiten, mehr über die Gründergeneration und ihr Vermächtnis zu erfahren.

Dr. Sarah Weicksel, Geschäftsführerin der American Historical Association

Weicksel sieht in der Anordnung einen Eingriff in die Arbeit unabhängiger Kulturinstitutionen. "Staatliche Einflussnahme kann das Vertrauen der Öffentlichkeit in kulturelle Einrichtungen untergraben", so die Historikerin. Sie missachte die Arbeit von Fachleuten, die Geschichte auf Grundlage historischer Quellen vermitteln.

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Demokraten kritisieren Trumps Vorgehen als Machtmissbrauch

Auch die demokratische Abgeordnete Melanie Stansbury kritisierte das Vorgehen scharf. Die Anordnung sei ein "klarer politischer Machtmissbrauch mit dem Ziel, die amerikanische Geschichte umzuschreiben."

Unsere Smithsonian-Einrichtungen gehören nicht dem Präsidenten, sondern dem amerikanischen Volk - ebenso wie die Geschichte unserer Nation.

Melanie Stansbury, Kongressabgeordnete der Demokratischen Partei

Die Demokratische Abgeordnete Melanie Stansbury vor dem US-Kongress

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Trumps Kulturkampf um die Deutung der US-Geschichte

Der Konflikt steht für eine breitere kulturpolitische Strategie der Regierung. Seit Monaten fordert das Weiße Haus eine patriotischere Darstellung der US-Geschichte.

Mitte Juli 2026 ließ das US-Innenministerium in Philadelphia Informationstafeln am ehemaligen Wohnhaus von George Washington entfernen, die auf dessen Haltung von Sklaven hinwies. Mit dem Entfernen dieser Information stelle man "Wahrheit und geistige Gesundheit" wieder her, so das Ministerium damals.

Für Weicksel widerspricht dieser Ansatz dem Auftrag historischer Museen. Die Vergangenheit dürfe nicht auf eine nationale Erfolgsgeschichte reduziert werden. Aufgabe der Einrichtungen sei es, historische Komplexität mithilfe von Objekten, Quellen und Forschung sichtbar zu machen, argumentiert die Historikerin.

Anne Sophie Feil ist Reporterin im ZDF-Studio Washington, D.C.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute im Beitrag: "US-Geschichte: Trump will Warnschilder vor Museum" am 24.08.2026 um 18:38 Uhr.

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