Schüsse bei Trump-Gala - nun kursieren Verschwörungstheorien

Faktencheck

"Gefakte Show", "False-Flag-Operation":Schüsse bei Trump-Gala - nun kursieren Verschwörungstheorien

Oliver Klein

von Oliver Klein

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Nach den Schüssen beim Correspondents’ Dinner verbreiten sich online Verschwörungserzählungen, der Anschlag sei inszeniert. ZDFheute mit einem Faktencheck - was steckt dahinter?

US-Geheimdienstmitarbeiter umringen US-Präsident Donald Trump, dritter von links.

Bei einem Presse-Dinner mit US-Präsident Trump in Washington fielen in einer Hotel-Lobby Schüsse. Ein Mann stürmte durch die Sicherheitsschleuse und wurde überwältigt. Trump blieb unversehrt.

26.04.2026 | 1:28 min

Nach den Schüssen beim traditionellen White House Correspondents' Dinner in Washington kursieren wilde Spekulationen und Verschwörungserzählungen in Sozialen Medien:

  • Der Anschlag sei ein Fake: Ein Mann an Trumps Tisch habe ein Signal gegeben, indem er eine Karte mit einer geheimen Botschaft hochhielt.
  • Trumps Sprecherin Karoline Leavitt habe gewusst, dass es einen Anschlag geben würde und ihn sogar vor laufender Kamera bei "Fox News" angekündigt.
  • Eine Reporterin von "Fox News" hätte gerade live ausplaudern wollen, dass der Anschlag nur inszeniert sei, darum sei das Interview plötzlich abgebrochen worden.

Was ist dran an den Verschwörungserzählungen? ZDFheute mit einem Faktencheck zu den Hintergründen.

Polizei in Washington

In Washington sind bei einem Gala-Dinner mit Trump in einer Hotel-Lobby mehrere Schüsse gefallen. ZDF-Reporterin Fränzi Meyer berichtet über die Situation danach.

26.04.2026 | 0:59 min

Hat ein Mann mit einer Geheimbotschaft ein Signal gegeben?

"Direkt bevor Trump von der Bühne gebracht wird, hält ein Mann eine Karte hoch. Es sieht so aus, als hätte er etwas einem anderen signalisieren wollen", heißt es in einem Posting bei X. Dies sei ein "klarer Beweis für die gefakte Show". Als vermeintlicher Beleg wird ein Video des Abends gezeigt, in dem US-Präsident Donald Trump und Melania an ihrem Tisch sitzen. Unmittelbar hinter ihnen steht tatsächlich ein Mann, der einen Zettel hochhält. Der mit spannungsgeladener Musik unterlegte Clip geht viral, wurde bisher fast drei Millionen Mal angezeigt.

Ein ähnliches Posting mit demselben Clip wurde bisher 15 Millionen Mal angezeigt. Dort heißt es: "Ich glaube, wir haben gerade etwas viel Dunkleres miterlebt, als wir es wahrhaben wollen."

Schaltgespräch mit Elmar Theveßen und Moderation.

In Washington kam es bei einem Presse-Dinner mit US-Präsident Trump zu Schüssen. Welche Folgen dieser vereitelte Angriff hat, berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.

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ZDFheute hat Videos mit der originalen Tonspur analysiert, auch aus anderen Perspektiven. Was ist wirklich geschehen? Der Mann hinter Donald und Melania Trump ist Oz Pearlman, ein bekannter US-Mentalmagier, der für den Abend engagiert worden war, um die Gäste zu unterhalten. Rechts neben Trump sitzt Weijia Jiang, Präsidentin der White House Correspondents' Association. Links neben ihm Melania und seine Sprecherin Karoline Leavitt.

Pearlman reißt einen Zettel von einem Block, auf den er zuvor etwas geschrieben hatte - offenbar will er einen Zaubertrick präsentieren. Er hält den Zettel hoch. Was darauf steht, lässt sich mit dem vorliegenden Bildmaterial nicht entziffern.

Die gesamte Szene im Video bei X

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Genau in diesem Moment scheinen er und Melania Trump das Chaos zu bemerken, das sich vor ihnen im Saal breitmacht, sie blicken entsetzt in Richtung des Publikums. Erst jetzt werden Trump und die anderen Gäste am Tisch in Sicherheit gebracht.

Die Schüsse über dem Veranstaltungssaal waren etwa acht Sekunden zuvor gefallen, wie in den Aufnahmen zu hören ist. In der lauten Atmosphäre scheint das jedoch zunächst niemand an Trumps Tisch bemerkt zu haben.

Heißt also: Die Schüsse waren gefallen, bevor Pearlman den Zettel hochhielt. Dass der Magier jemandem damit ein Zeichen geben wollte, scheint abwegig.

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Hat Trumps Sprecherin den Anschlag angekündigt?

Vor dem Start der Gala gab Trumps Sprecherin Karoline Leavitt einem Reporter von Fox News ein Interview. Darin kündigte sie mit markigen Worten Trumps Ansprache bei dem Dinner an. Der Präsident sei bereit für den Kampf ("ready to rumble"). Es werde lustig und unterhaltsam.

Dann sagte Leavitt einen Satz, der für manche im Nachhinein wie die Ankündigung des Anschlags klingt: "Es werden einige Schüsse fallen heute Nacht" ("there will be some shots fired tonight"). Auch dieses Video wird auf X millionenfach angezeigt, viele werten es als Beleg, dass der Anschlag eine sogenannte "False-Flag"-Aktion, also nur inszeniert war. "Was wusste sie?", fragt etwa der Podcaster Brian Allan bei X.

Das umstrittene Interview mit Leavitt bei X

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Die Redewendung "there will be shots fired" ist im englischen Sprachgebrauch eine durchaus gängige Formulierung für eine Kampfansage, verbale Angriffe, spitze Bemerkungen. Im Zusammenspiel mit ihren anderen Formulierungen spricht vieles dafür, dass Leavitt einfach einen konfrontativen Auftritt im üblichen Polter-Stil Trumps ankündigen wollte - unter normalen Umständen wäre niemand darüber gestolpert. Leavitts Bildsprache ist kein belastbarer Hinweis auf Vorwissen, eine "False-Flag"-Ankündigung lässt sich daraus nicht ableiten.

Wurde eine Reporterin gehindert, eine False-Flag-Aktion zu verraten?

Dass Leavitt im Vorhinein von einem geplanten Anschlag gewusst hätte, soll auch durch ein weiteres Video bewiesen werden: Bei X kursiert ein Clip, in dem die "Fox-News"-Reporterin Aishah Hasnie live von den Ereignissen im Ballsaal berichtet, nachdem dort die Schüsse gefallen waren.

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Hasnie erzählt, wie der Ehemann von Karoline Leavitt sie während des Dinners gewarnt habe, sie müsse vorsichtig sein: "Er war sehr ernst, als er das zu mir sagte. Er schaute sich im Raum um und sagte: 'Es gibt da einige...'" - dann bricht das Gespräch ab. "Klingt, als hätten wir die Verbindung zu Aishah verloren", hört man den Moderator sagen.

Das Video sorgt für Aufregung, Verschwörungsanhänger behaupten, das Gespräch sei absichtlich abgebrochen worden: "Fox News hat gerade seine Reporterin unterbrochen, als sie andeutete, dass der Schusswechsel eine geplante False-Flag war", heißt es bei X. Auch diese Posts erzielen teilweise eine Millionenreichweite.

Was steckt dahinter? Beim Correspondents-Dinner sind traditionell unzählige Journalistinnen und Journalisten der wichtigsten US-Medien anwesend. Viele von ihnen telefonierten nach den Schüssen mit ihren Redaktionen, wurden oft auch live via Telefon ins Programm geschaltet, wie Hasnie. Man kann davon ausgehen, dass auch zahlreiche andere Gäste mit Angehörigen telefonierten. Dass angesichts vieler Anrufe in dieser Situation das Telefonnetz an seine Grenzen kommt und Verbindungen abbrechen, ist kaum verwunderlich. Auch schon vor dem Abbruch des Interviews war die Verbindung zu Hasnie instabil, das Gespräch setzte mehrfach aus.

Der Ausschnitt aus Hasnies Interview, der nun in den Sozialen Netzwerken als vermeintlicher Beleg für eine False-Flag-Operation genutzt wird, ist knapp 30 Sekunden lang. Insgesamt jedoch dauerte das gesamte Interview mit der Reporterin vier Minuten und 32 Sekunden. Darin schildert Hasnie die Sicherheitsvorkehrungen bei der Veranstaltung und den Ablauf der Evakuierung - nichts deutet darauf hin, dass sie in dem Gespräch eine Enthüllung geplant hatte.

Bei X schrieb Hasnie nach dem Gespräch:

Unsere Anrufe wurden unterbrochen, weil es in diesem Ballsaal kaum Empfang gibt.

"Fox"-Reporterin Aishah Hasnie bei X

Dann führt sie aus, was sie eigentlich sagen wollte: Leavitts Ehemann habe sie gewarnt, vorsichtig zu sein, "weil die Welt verrückt ist". Diese Ironie hatte sie offenbar in ihrem Interview erwähnen wollen - "weil unglücklicherweise kurz darauf das alles passierte".

Über das Thema berichteten am 26.04.2026 mehrere Sendungen, unter anderem heute Xpress um 08:41 Uhr im Beitrag "Washington: Schüsse bei Dinner mit Trump" und ZDFheute live ab 9:30 sowie bei heute ab 17:00 Uhr.

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