Datenleck auf französischem Kriegsschiff:Matrose verrät über Lauf-App Position von Flugzeugträger
von Oliver Klein und Nils Metzger
Ein französischer Marinesoldat joggt auf seinem Kriegsschiff, teilt seine GPS-Daten per Sport-App - und macht damit die Position des Schiffs für jeden sichtbar. Kein Einzelfall.
Ein Matrose hat unbeabsichtigt den Standort eines französischen Flugzeugträgers preisgegeben. Seine Fitness-App zeichnete eine Joggingrunde an Bord auf und veröffentlichte die Route.
20.03.2026 | 0:19 minAm 13. März um 10:35 Uhr dreht ein Marinesoldat seine Laufrunden auf dem französischen Flugzeugträger "Charles de Gaulle" - sieben Kilometer in knapp 36 Minuten. Die Smartwatch an seinem Handgelenk zeichnet alles auf, übermittelt die Daten an seine Sport-App Strava. Sein Profil dort ist öffentlich. Das Ergebnis: In der App kann jeder praktisch in Echtzeit sehen, wo sich das Kriegsschiff gerade befindet - nordwestlich von Zypern, rund 100 Kilometer vor der türkischen Küste.
Journalisten der französischen Zeitung "Le Monde" entdeckten die Daten und konnten sie wenige Tage später - als Satellitenbilder aus der Region verfügbar waren - abgleichen und bestätigen. Auf einer Aufnahme, die gut eine Stunde nach der Joggingrunde entstand, ist das 262 Meter lange Schiff zu erkennen. Die GPS-Route zeigt, wie der Matrose seine Runden läuft und das Schiff währenddessen über das Mittelmeer fährt.
X-Posting von John Scott-Railton, Senior Researcher am Citizen Lab in Toronto
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Laufrunden nachvollziehbar - in Frankreich, Dänemark, auf See
Dem "Le Monde"-Bericht zufolge konnten in den vergangenen Wochen über das Strava-Konto des Soldaten immer wieder Jogging-Aktivitäten nachvollzogen werden - vom Ärmelkanal über Kopenhagen bis ins östliche Mittelmeer, jeweils auf oder in der Nähe seines Flugzeugträgers Charles de Gaulle.
Dazu habe man mindestens ein weiteres öffentliches Strava-Profil eines Besatzungsmitglieds eines französischen Kriegsschiffs identifizieren können. Auf den Profilen finden sich nach Angaben von "Le Monde" zudem Fotos von Decks, Kameraden und Ausrüstung.
Brisante Informationen enthüllt
Dass die exakte Position eines Flugzeugträgers im östlichen Mittelmeer öffentlich wird, ist brisant: Anfang März kam es zu mehreren Drohnenangriffen auf britische Militäreinrichtungen auf Zypern. Daraufhin erst entsendete Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Flugzeugträger, um verbündete Streitkräfte zu schützen. Die exakten Positionsdaten des Schiffs könnten für Iran bei möglichen weiteren Attacken von Bedeutung sein.
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19.03.2026 | 19:28 minDer Generalstab der Streitkräfte räumte nach einer Anfrage von "Le Monde" ein, die Veröffentlichung solcher Daten sei "nicht konform mit den geltenden Vorschriften". Es würden konkrete Maßnahmen ergriffen.
Abhörschiffe fangen Funksignale ab
Hintergrund: Kriegsschiffe im Einsatz wollen üblicherweise nicht mehr als nötig auffallen. Darum wird genau darauf geachtet, welche Funksignale man abgibt - von den großen Radaranlagen des Schiffs bis hinunter zu den privaten Endgeräten der Soldaten.
Die Deutsche Marine etwa hat feste Sicherheitsstufen, die ausgerufen werden können, bei denen mitunter auch gar keine Handys mehr an Deck benutzt werden dürfen. Die Gefahr: Leistungsfähige Abhörschiffe können solche Funksignale aus vielen Kilometern Entfernung abfangen und etwa dafür einsetzen, um weltweite Bewegungsmuster der Besatzungsmitglieder zu erstellen und Informationen zu sammeln.
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06.03.2026 | 43:30 minSoldaten machen sich angreifbar
Mögliche Angriffsmuster durch solche erbeuteten Daten gibt es viele. Ein Beispiel: Ein feindlicher Staat könnte gezielt Bordelle in der Nähe von Marinebasen mit Handy-Trackern, etwa sogenannten IMSI-Catchern, ausstatten. Wenn das Handy einer Person, die zuvor an Bord eines Marineschiffes identifiziert wurde, dort auftaucht, bemerkt das System das. Der Soldat könnte dann nach seiner Heimkehr erpresst werden - seine Privatadresse hat er womöglich auch preisgegeben. Auf solche und andere Gefahren weisen Streitkräfte ihre Soldaten extra hin.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Strava-App in einem solchen Zusammenhang die Schlagzeilen gerät: Bereits 2024 gelang es Reportern von "Le Monde", mehrere Staatschefs anhand der Jogging-Runden ihrer Leibwächter zu orten. Im Fokus: Der französische Präsident. Weil dessen Sicherheitskräfte vor Auslandsreisen oft schon einige Tage vorher vor Ort waren, sei es in zehn Fällen vorab gelungen, das eigentlich geheim gehaltene Hotel zu identifizieren, in dem Macron einquartiert wurde.
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01.09.2025 | 7:20 minLeibwächter verraten unfreiwillig geheimes Hotel
Die Leibwächter brachen demnach vom entsprechenden Nobelhotel aus zu einer Jogging-Runde auf. Dies legte den Rückschluss nahe, dass Macron dort einquartiert wird. Insgesamt 100 Reisen der französischen Präsidenten François Hollande und Macron zwischen 2016 und 2024 will die Zeitung auf diesem Wege nachvollzogen haben.
"Le Monde" identifizierte darüber hinaus insgesamt 26 US-Agenten, 12 Mitglieder der französischen Sicherheitsgruppe GSPR und sechs Mitglieder des russischen Schutzdienstes FSO, die öffentliche Konten auf Strava hatten.
In einem Fall war sogar Strava selbst für die Veröffentlichung von sicherheitsrelevanten Daten verantwortlich: 2017 veröffentlichte das Unternehmen eine Kartensammlung, die zeigte, wo überall auf der Welt ihre Nutzer aktiv waren. Nach kurzer Suche fanden Nutzer die genauen Standorte von Militärbasen in Syrien oder Afghanistan, bis hin zu kleinen, versteckten Außenposten - ein akutes Sicherheitsrisiko für die Soldaten dort.
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