Nach Zugunglück in Spanien:Streiks und Trauer nach Crash der Hochgeschwindigkeitszüge
von Brigitte Müller, Madrid
Am 18. Januar entgleist ein Hochgeschwindigkeitszug bei Córdoba, kurz darauf rast ein entgegenkommender Zug in die Unglückstelle. Lokführer fordern mehr Geld für die Infrastruktur.
Reisende sind verunsichert, Zugführer haben Angst. Innerhalb von nur 48 Stunden starben zwei ihrer Kollegen bei Zugunglücken. Heute streiken Lokführer vor dem Verkehrsministerium in Madrid.
03.02.2026 | 2:12 minBeim Trauergottesdienst in der Sporthalle von Huelva suchen die Angehörigen und Freunde der 46 Todesopfer Trost und Nähe, diese Provinz im südspanischen Andalusien beklagt die meisten Opfer.
Trauer um die Opfer
Der Zug Alvia 2384 war auf dem Weg von Madrid nach Huelva, als er um 19:43 Uhr mit 200 Kilometer pro Stunde in den entgleisten IRYO von Málaga nach Madrid raste. Die zwei vorderen Wagen stürzten eine Böschung herunter und knallen gegen einen Stützmauer.
Wir sind die Familien, die dafür kämpfen, die Wahrheit zu erfahren, denn nur sie kann helfen, unsere Wunden zu heilen, die nie schließen werden.
Liliana Sáenz, Angehörige
Unter den Opfern auch einer der Zugführer. Mit Trillerpfeifen und Protestrufe vor dem Verkehrsministerium Spaniens wollen Lokführer und andere Beschäftigte nun auf Mängel im Schienennetz aufmerksam machen, fordern mehr Investitionen - und sind wütend.
Spanien hat mit einem Trauergottesdienst der Opfer des Zugunglücks von Adamuz gedacht. Mitte Januar waren mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen, als zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammenstießen.
30.01.2026 | 0:19 minDefekte Schweißnaht soll zum Schienenbruch geführt haben
Bei der Suche nach der Wahrheit, der Ursachen für die Entgleisung des ersten Zugs, konzentriert sich die Untersuchungskommission für Zugunglücke (CIAF) auf eine offenbar defekte Schweißnaht, die sich aus noch ungeklärten Gründen löste und so die letzten drei der acht Wagen des IRYO Málaga-Madrid entgleisen und zum Teil auf die Gegenstrecke rutschen ließ.
Der Zug aus der anderen Richtung kam bereits neun Sekunden später - keine Chance, den Koloss bremsen zu lassen.
In Spanien ist die Verunsicherung unter Bahnfahrenden nach dem schweren Zugunglück groß. Zur Ursache wird weiter untersucht. Die Angehörigen und Freunde der Opfer fordern Konsequenzen.
03.02.2026 | 2:25 minUnglück auf kürzlich sanierter Strecke
Die Strecke, so wird der zuständige Transportminister Oscar Puente nicht müde zu betonen, sei Anfang 2025 komplett saniert worden. Die Schweißnaht löste sich bei einer Verbindung eines Gleisteils von 2023 mit einem anderen, dass bereits 1989 gegossen worden war. "Die Verbindung von Teilen aus verschiedenen Jahren ist durchaus üblich", sagt José Triguero, Präsident des Vereins der Tiefbauingenieure.
Nachdem zwei Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien auf kürzlich sanierter Strecke verunglückten, hat die Regierung Staatstrauer angekündigt und Aufklärung versprochen.
20.01.2026 | 2:19 minSchienenverbindung war schon zuvor defekt
Erste Untersuchungen ergaben, dass die Verbindung der Schienen bereits vor dem Unglück defekt war. Die Räder der ersten Wagen des IRYO weisen Einkerbungen auf, die zu der gebrochenen Stelle passen könnten. Beim fünften Wagen ist die Verformung anders, der sechste entgleiste. Auch bei den beiden Zügen, die diese Stelle zuvor passiert hatten, sind solche Verformungen festgestellt worden.
Schweißnaht wird jetzt untersucht
Wieso die Schweißnaht brechen konnte und dies nicht vorher entdeckt wurde, beschäftigt die Kommission weiter. Die Schienenteile sollen in Labors untersucht werden, die Charge der 2025 verlegten Schienenteile zusätzlich komplett auf mögliche Fabrikationsfehler geprüft werden.
Im Chaos des Zugunglücks in Spanien wurden eine junge Frau und ihr Hund voneinander getrennt. Hunderte Helfer haben das Tier gesucht. Jetzt konnte Boro wieder seiner Familie übergeben werden.
22.01.2026 | 1:19 minZugführer fordern mehr Investitionen
Die Lokführer beklagen derweil mangelnde Prävention und rufen zu einem dreitägigen Streik auf. "Wir hatten schon vorher wegen der Erschütterungen den Netzbetreiber ADIF informiert, aber keiner hat auf uns gehört", klagt Diego Martín, Generalsekretär der Lokführergewerkschaft Semaf. Es werde zu wenig in Instandhaltung investiert und das wirke sich langfristig auf die Sicherheit aus.
Weiterer tödlicher Crash Tage später
Der Zugführer des Alvia war beim Zusammenstoß ums Leben gekommen. Zwei Tage später starb ein Lokführer in Ausbildung eines Nahverkehrszugs in Katalonien: eine Mauer war im vom Regen aufgeweichten Erdreich auf die Gleise gekippt, worauf das Zugnetz des Nahverkehrs noch einmal besonders kontrolliert und 30 Gefahrenstellen ausgemacht wurden.
Wenige Tage nach dem schweren Zugunglück besuchen König Felipe und Königin Letizia Adamuz. Am Unfallort drückt der König den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme aus.
20.01.2026 | 1:15 minErste Folge des Unglücks: mehr Kontrollen und Tempolimits
Auch auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken von Madrid nach Barcelona und Valencia fahren die Züge nun abschnittweise langsamer und die Gleise werden noch einmal kontrolliert. Die Strecke nach Andalusien ist weiterhin unterbrochen, die Passagiere müssen zwischendurch auf den Bus umsteigen.
Imageschaden für spanische Bahn
Die Bahn ist weiterhin ein sicheres Verkehrsmittel, aber das Image der Hochgeschwindigkeits-Verbindungen, die Menschen von Madrid aus in weniger als drei Stunden nach Barcelona oder Sevilla bringen, und auf die Spanien so stolz ist, hat tiefe Kratzer bekommen.
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