Regierungschef seit acht Jahren:Neuwahlen in Spanien: Geht Sánchez' gewagter Plan auf?
von Luis Jachmann
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez ruft für den 29. November Neuwahlen aus. Ein Befreiungsschlag oder ein riskanter Schritt, der ihn das Amt kostet?
Pedro Sánchez hat nach einer Niederlage im Parlament vorgezogene Neuwahlen angekündigt. Die Spanier sollten entscheiden, ob das Land dem politischen Kurs der Ultrarechten folgt.
05.10.2026 | 3:27 minWenn in der Politik von Handlungsspielraum gesprochen wird, dann ist der Weg zu Entscheidungen meist mühsam. In Spanien hat Pedro Sánchez in den letzten Tagen erfahren müssen, dass sein Handlungsspielraum gegen null geht.
Sein Versuch, auf die massiven Wohnungsproteste mit schnellen Maßnahmen zu reagieren, ist gescheitert. Am Montag bezeichnete der sozialdemokratische Ministerpräsident vorgezogene Neuwahlen als alternativlos:
Wir brauchen eine größere progressive Mehrheit im Parlament, um die sozialen Reformen umsetzen zu können.
Pedro Sánchez, spanischer Ministerpräsident
Neuwahlen nach Blockade im Parlament
Denn Sánchez' Plan, mit seiner Minderheitsregierung Partner für Reformen zu finden, etwa die katalanische Regionalpartei Junts, ist gescheitert. Völlig offen ist, ob die neue Strategie, Wahlen um mehr als ein halbes Jahr vorzuziehen, Sánchez neuen Spielraum eröffnet oder sein politisches Ende einleitet.
Spaniens Regierungschef Sánchez hat bei einer Ansprache Neuwahlen angekündigt. "Sanchez ist nicht mehr handlungsfähig und hat die Krise nicht im Griff", so Susanne Freitag-Carteron.
05.10.2026 | 3:01 minDie aktuellen Wohnungsproteste bieten Sánchez ein kurzes, günstiges Zeitfenster, sagt Politikwissenschaftlerin Cristina Monge.
Hätte Sánchez noch länger mit Neuwahlen gewartet, wäre er womöglich ein größeres Risiko eingegangen.
Cristina Monge, Politologin Complutense-Universität Madrid
Viele im Land sehnen sich nach Maßnahmen gegen Wohnungsknappheit und hohe Mieten. Mit seinen Dekreten für besseren Mieterschutz habe Sánchez signalisiert, ein soziales Angebot zu machen. Und: Er konnte die Opposition für das Scheitern des Maßnahmenpakets vergangenen Freitag verantwortlich machen.
In Spaniens Hauptstadt Madrid und anderen Städten hatten in der vergangenen Woche Zehntausende gegen Wohnungsnot demonstriert. Sie forderten niedrigere Mieten und drohten mit einem Generalstreik.
03.10.2026 | 0:22 minKonservative führen in Umfragen
Sein Herausforderer bei den Neuwahlen ist ein alter Bekannter. Schon 2023 war Alberto Feijóo angetreten. Damals hatte Amtsinhaber Sánchez seinen Rivalen von der konservativen Partei PP noch auf den letzten Metern abgehängt. Diesmal stehen die Chancen für Feijóo vor den Wahlen erneut gut, Sánchez als Ministerpräsident abzulösen. Umfragen sehen die PP vorne. Feijóo gibt sich zuversichtlich:
Endlich können wir diese Zeit abschließen und in eine neue, bessere Zeit starten.
Alberto Feijóo, Vorsitzender der konservativen Partei PP
Feijóos Ziel: Nach acht Jahren linker Politik soll Spanien wieder nach rechts rücken. Für einen echten Politikwechsel ist seine PP aber auf Partner am rechten Rand angewiesen. Die Partei Vox schlägt nationalistische Töne an und fordert, Spanierinnen und Spanier zu bevorzugen.
Die Neuwahlen sieht Vox als Chance, um nach der Ceuta-Krise ihr Hauptthema in den Fokus zu bringen: "Wir wollen uns für Remigration einsetzen. Wir müssen die negativen Folgen der Invasion umkehren", sagt Vox-Parteichef Santiago Abascal.
Ceuta neben Wohnungsnot Wahlkampfthema
Dass die tausenden Marokkanerinnen und Marokkaner von Ceuta aus nicht weiter aufs spanische Festland gelangt sind, verschweigt der rechte Populist Abascal, wenn er über Massenrückführung spricht. Ein Erfolg der linken Regierung von Sánchez, der aber etwas in den Hintergrund rückt.
Nachdem eine Gesetzesinitiative für mehr Mieterschutz keine Mehrheit fand, hat der spanische Regierungschef Sánchez Neuwahlen angekündigt. ZDF-Korrespondent Thomas Walde berichtet.
05.10.2026 | 1:05 minPolitologin Monge erwartet einen zugespitzten Wahlkampf zwischen einem linken und rechten Lager. Beide Seiten setzen dabei auf Themen, die Spanien seit Wochen aufwühlen:
Die Linke möchte mit sozialer Politik punkten. Die Rechte versucht die Aufmerksamkeit auf das Thema Einwanderung zu lenken.
Cristina Monge, Politologin Complutense-Universität Madrid
Ende November steht Spanien vor einer Richtungswahl. Nämlich ob eine der letzten linksgerichteten Regierungen in Europa bestehen bleibt. Am Ende eines kurzen, intensiven Wahlkampfs könnten gerade noch unentschlossene Wählerinnen und Wähler entscheiden, ob Sánchez' Amtszeit in die Verlängerung geht.
Luis Jachmann berichtet aus dem ZDF-Auslandsstudio Paris.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
Weitere Nachrichten aus Spanien
Trotz landesweiten Protesten:Spaniens Regierung scheitert mit Dekret gegen Zwangsräumung
mit Video0:25Nach massiven Protesten:Spanien: Einigung nach Zwangsräumung von 87-Jähriger
mit Video0:22Proteste nach Rauswurf von Seniorin:Fall Maricarmen: Spanien plant Maßnahmen gegen Wohnkrise
mit Video2:12Sánchez gibt Dokumente frei:Geheimdienst warnte vor Massenankunft von Migranten in Ceuta
mit Video2:11