Sánchez gibt Dokumente frei:Geheimdienst warnte vor Massenankunft von Migranten in Ceuta
Vor dem Massenandrang von Migranten in die Exklave Ceuta gab es Warnungen des spanischen Geheimdienstes. Das Ausmaß sei laut Regierungschef Sánchez aber nicht vorhersehbar gewesen.
Nach wie vor harren Tausende Migranten in Ceuta aus, teils unter prekären Bedingungen.
Quelle: ddpDer Geheimdienst Spaniens hat die Behörden in Ceuta einen Tag vor der beispiellosen Massenankunft von Migranten Ende Juli vor einem möglichen "Überfall über Land und Meer" auf die Nordafrika-Exklave gewarnt. Das geht aus geheimen Unterlagen hervor, die von der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez in Madrid nun freigegeben wurden.
Demnach informierte der Geheimdienst CNI am 29. Juli sowohl die Regierungsvertretung in Ceuta als auch die Polizeieinheit Guardia Civil über Aufrufe in sozialen Netzwerken, am folgenden Tag die Grenze zu überqueren. Nach diesen Warnungen hatten zwei entsprechende Gruppen zusammen rund 180.000 Follower.
Spaniens Politik beginnt heute, nach der Sommerpause, mit der politischen Aufarbeitung, während sich noch immer tausende Migranten in Ceuta aufhalten sollen, darunter auch Minderjährige.
25.08.2026 | 2:11 minIn einer weiteren Mitteilung des CNI war von geplanten Versuchen die Rede, schwimmend und über den Grenzzaun nach Ceuta zu gelangen. Der CNI informierte laut den jetzt freigegebenen Unterlagen auch die marokkanischen Behörden.
80.000 Migranten kamen von Marokko aus nach Ceuta
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte am Mittwoch, dass "angesichts der damals vorliegenden Informationen niemand die Migrationskrise hätte vorhersehen können", die sich am 30. und 31. Juli ereignet habe. "Keine zuständige Stelle hat dies getan - weder in Spanien noch in der EU", schrieb Sánchez im Onlinedienst X. Auch habe er kein Dokument erhalten, das "handfeste Beweise dafür lieferte, dass Marokko den Vorfall geplant oder herbeigeführt hat".
Spaniens Ministerpräsident Sánchez sieht keine Belege dafür, dass Marokko den Ansturm auf Ceuta orchestriert hat. Marokkanische Sicherheitskräfte hätten Grenzübertritte aber nicht verhindert.
03.09.2026 | 0:25 minEnde Juli waren nach Regierungsangaben bis zu 80.000 Migranten von Marokko aus nach Ceuta gekommen. Die meisten kehrten anschließend nach Marokko zurück. Tausende halten sich jedoch weiterhin in der spanischen Exklave auf.
EU sagt Hilfe zur Bewältigung der Migrationskrise zu
In Brüssel hatte am Nachmittag die EU angekündigt, Spanien rund 115 Millionen Euro zur Bewältigung der Migrationskrise in Ceuta zur Verfügung zu stellen. Mit dem Geld sollen der Grenzschutz und die Grenzüberwachung verstärkt werden. Zudem geht es um die menschenwürdige Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger und die Rückführung von Menschen ohne Aufenthaltsrecht, wie die EU-Kommission mitteilte.
Mehr als 70.000 Menschen hatten versucht, die spanische Exklave zu erreichen. Während viele bereits zurückgeschickt wurden, blieben viele Kinder und Jugendliche allein zurück.
07.08.2026 | 2:37 minAlbares: Migrationsdruck auch in Zukunft sehr hoch
Der spanische Außenminister José Manuel Albares bezeichnete die Ankündigung am Abend nach Gesprächen mit EU-Vertretern als fantastisch. Zugleich machte er allerdings deutlich, dass dies aus spanischer Sicht nur ein erster Schritt sein kann.
Die südliche EU-Außengrenze müsse von der EU die gleiche Aufmerksamkeit erhalten wie die östliche Grenze, sagte Albares. Er erkenne an, dass man im Osten mit einer militärischen Bedrohung konfrontiert sei, die mit keiner Bedrohung an einer anderen Grenze vergleichbar sei.
Zugleich gebe es aber auch nichts, was mit der Herausforderung an der Grenze zu Afrika und dem daraus resultierenden Migrationsdruck vergleichbar wäre. Wegen der Bildungs- und Einkommensunterschiede zwischen Afrika und Europa werde der Migrationsdruck auch in Zukunft sehr hoch bleiben, sagte er.
Der Ansturm zehntausender Migranten in Ceuta hat die EU unter Druck gesetzt. Daher debattierten die Innenminister in einer Dringlichkeits-Sitzung über die Migrationspolitik.
04.08.2026 | 3:09 minLaut Albares sollte deshalb umfangreiche zusätzliche Unterstützung geprüft werden. Er informierte die EU-Kommission nach eigenen Angaben zudem darüber, dass Spanien beantragen wird, die beiden Exklaven Ceuta und Melilla in die EU-Zollunion aufzunehmen. Die Aufnahme war 1986 beim EU-Beitritt Spaniens zunächst nicht erfolgt.
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