Spanien: Junge Migranten sind in Ceuta sich selbst überlassen

Krise in Spaniens Exklave:Tausende Migranten harren in Ceuta aus

von Brigitte Müller, Ceuta

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Bis zu 80.000 Migranten kamen Ende Juli von Marokko ins spanische Ceuta, sind an den Grenzposten vorbeigeschwommen. Viele wollen nicht zurück. Unter ihnen viele junge Menschen.

Migranten in Spanien - Ceuta

Spaniens Politik beginnt heute, nach der Sommerpause, mit der politischen Aufarbeitung, während sich noch immer tausende Migranten in Ceuta aufhalten sollen, darunter auch Minderjährige.

25.08.2026 | 2:11 min

Wafae ist 25 Jahre alt und kommt aus der marokkanischen Stadt Larache, 150 Kilometer südlich von Ceuta. Sie möchte eine große Köchin werden, irgendwo in Europa. Sie ist mit ihrer Cousine Khouloud gekommen, als sich die Nachricht verbreitet hatte, die Grenze zwischen Marokko und Spanien sei offen. Wer dieses Gerücht in den sozialen Netzwerken lanciert hatte und wieso dem Aufruf Zehntausende folgten, ohne dass die spanischen Behörden dies frühzeitig verhindern konnten oder die marokkanischen Grenzer sie aufhielten, ist bis heute nicht geklärt.

Keine Chance auf Bleiberecht

Die meisten Marokkaner gingen kurz darauf zurück, als sie merkten, dass sie ohne Visum und Dokumente nicht aufs spanische Festland weiterreisen konnten und keine Aussicht darauf bestand, diese Papiere zu bekommen. Aber mehrere Tausend sind geblieben. Wie viele, auch das weiß niemand so genau.

Das spanische Ceuta liegt auf dem afrikanischen Kontinent, gegenüber der spanischen Südküste, an der Straße von Gibraltar. Es liegt auf einer Landzunge, die sich ins Meer schiebt, mit einem Grenzübergang zu Marokko, der in die Nachbarstadt Fnideq führt.

Die Stadt Ceuta hat knapp 84.000 Einwohner. Bis 2019 gab es zwei Grenzübergänge, die marokkanische Anwohner ohne Visum überschreiten konnten. Mit der Covid-19-Pandemie wurden die Übergänge 2020 geschlossen. Nur einer hat wieder geöffnet. Jetzt können alle Marokkaner nur mit Visum einreisen. Europäer brauchen für die Einreise nach Marokko in der Regel kein Visum.

Die Stadt mit Autonomiestatus gehört seit 1580 zu Spanien. Sie ist damit Teil der EU, allerdings nicht des Schengen-Raums. Wer auf die Fähre ans Festland will, kann das nur mit gültigem Pass oder Personalausweis. Einen Flughafen gibt es nicht, lediglich einen Helikopter-Landeplatz.


Nachbarn organisieren Schutz von Mädchen

Wafae und ihre 17-jährige Cousine Khouloud hatten Glück. Sie fanden Unterkunft auf einem Sportplatz, auf dem der Nachbarschaftsverein Príncipe Alfonso notdürftig ein paar Plastikplanen gespannt hatte, darunter ein Matratzenlager für 300 Mädchen und 130 Frauen, auch Schwangere und Mütter mit kleinen Kindern. Hier sind sie geschützt, werden verpflegt und bekommen Kleidung, die andere gespendet haben. Was für ein paar Tage gedacht war, funktioniert bereits seit mehr als drei Wochen. Es gibt drei Toiletten, nun sollen auch mobile Duschen von der Stadt geliefert werden.

31.07.2026, Spanien, Ceuta: Spanische Armeesoldaten blockieren den Zugang zum Strand für Menschen, die von Marokko in die spanische Enklave Ceuta kommen. Foto: Antonio Sempere/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Tausende marokkanische Migranten erreichten die spanische Exklave Ceuta - mindestens 57 kamen dabei ums Leben. Ein großer Teil der Menschen wurde schon wieder zurückgewiesen.

01.08.2026 | 1:49 min

Kouloud hat mit ihrer Mutter gesprochen, die sagt, sie solle zurück nach Hause kommen. Aber die 17-Jährige gibt nicht auf. Sie weiß, dass Minderjährige in Europa besonderen Schutz genießen, auch wenn sie davon bisher wenig spürt. In Marokko habe sie in einer Bäckerei gearbeitet, von nachts um 4 Uhr bis 17 Uhr, für ein paar Euro am Tag, doch sie wolle weiter zur Schule gehen und ein besseres Leben haben.

Karte: Spanien, Marokko, Ceuta
Quelle: ZDF

Hunderte Jugendliche sind sich selbst überlassen

Nicht weit entfernt, bei den leerstehenden Lagerhallen an der Grenze zu Marokko, träumen sie auch von einem besseren Leben. Hunderte marokkanischer Jugendlicher kauern sich an den Mauern der Hallen unter Pappverschlägen und Plastikplanen, warten, dass sich jemand ihrer annimmt. Es riecht nach Urin und Müll. Es gibt keine sanitären Anlagen. Einmal am Tag bringt eine NGO eine warme Mahlzeit für 900 Menschen. Ein eilig eingerichtetes Wohnzentrum für Minderjährige in einer der Hallen ist längst überbelegt, nun hoffen sie, dass weitere Unterkünfte bereitgestellt werden. Für Patricia Ruiz von der Hilfsorganisation Ärzte der Welt ist das eine unhaltbare Situation.

Das ist ein humanitäres Desaster, eine Notsituation, wie sie im Buche steht, die seit drei Wochen andauert.

Patricia Ruiz, Ärzte der Welt

2.900 Minderjährige seien bereits registriert, verkündet der spanische Vizepräsident Carlos Cuerpo auf Besuch in der Exklave auf dem afrikanischen Kontinent. Allerdings gibt es nur Plätze für 1.400 von ihnen. Hunderte Jugendliche sind noch gar nicht registriert, sie fürchten eine Abschiebung und glauben nicht an die Rechte von Kindern. Man sei sich der Lage bewusst, so der Minister, und arbeite an einer schnellen Lösung.

Migranten stehen in der spanischen Exklave Ceuta bei einer NGO an, die Essen verteilt.

Zwischen den EU-Staaten Spanien und Italien gibt es Streit um den Umgang mit Migranten. Auslöser war die vorübergehende Ankunft zehntausender Geflüchteter in der spanischen Exklave Ceuta.

10.08.2026 | 1:31 min

Asyl für die einen, Abschiebung für die meisten

Auch die Erwachsenen sind noch längst nicht alle registriert. Die Regierung hat bisher 1.800 Betten in zwei Lagern mit Militärzelten aufgestellt, ein Lager für Marokkaner und ein zweites für Menschen aus Ländern südlich der Sahara. Viele von ihnen kommen aus dem Sudan, dort herrscht Bürgerkrieg und sie könnten Asyl erhalten. Mit Marokko dagegen gibt es ein Abkommen zur Rücknahme von Migranten, es gilt als sicheres Herkunftsland. Hunderte, vielleicht Tausende, schlafen, wo sie können: am Strand, in den kleinen Waldstücken der Stadt, in Hauseingängen. Zurück wollen sie auf keinen Fall.

Die Bewohner der knapp 84.000 Einwohnerstadt sind mit ihrer Geduld am Ende, wollen, dass die Migranten wieder verschwinden, zurück nach Marokko und das möglichst schnell. Doch von schnellen Lösungen ist Ceuta weit entfernt, denn Abschiebeverfahren, Asylanträge und das Recht auf Schutz von Minderjährigen brauchen Zeit. Die Lage in Ceuta bleibt derweil kritisch, von Entspannung keine Spur.

Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration, spricht während einer Pressekonferenz im EU-Hauptquartier.

Nach dem Ansturm der Migranten auf Ceuta gab es teils heftige Kritik an Spanien. Heute stellte sich die EU bei einer Konferenz demonstrativ hinter Spanien.

04.08.2026 | 1:44 min

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Über dieses Thema berichtete das ZDF-Mittagsmagazin am 25.08.2026 um 12:00 Uhr.

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