Fall Maricarmen: Spanien plant Maßnahmen gegen Wohnkrise

Proteste nach Rauswurf von Seniorin:Fall Maricarmen: Spanien plant Maßnahmen gegen Wohnkrise

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Die 87-jährige Maricarmen wurde aus ihrer Wohnung in Madrid geräumt. Nach landesweiten Protesten darf sie zurück. Die Regierung in Spanien plant nun Gesetze gegen die Wohnungsnot.

Proteste in Spanien

Nach der Zwangsräumung einer 87-Jährigen brachte die Regierung in Spanien nun einen Gesetzesentwurf auf den Weg.

29.09.2026 | 2:12 min

Nach tagelangen Protesten gegen hohe Mieten und die Wohnungsnot hat die Regierung in Spanien am Dienstag ein Gesetzespaket verabschiedet, das die Verlängerung von befristeten Mietverträgen und ein Moratorium für Zwangsräumungen vorsieht. Ob das Maßnahmenpaket durchs Parlament kommt, ist aber unklar.

Die Proteste hatten sich an der Zwangsräumung der Wohnung der 87-jährigen Maricarmen Abascal in Madrid entzündet. Laut ihrer Anwältin kann die Rentnerin wieder zurück in ihre alte Wohnung.

Marietta Slomka (l.) und Helene Reiner (r.) in "heute journal - der Podcast"

Teure Mieten und knappe Wohnungen werden für immer mehr Menschen zum Problem. Gerade in Großstädten haben die Mietpreise stark angezogen. Parallel klettern die Baukosten in die Höhe.

24.09.2026 | 41:59 min

Schutz vor Zwangsräumung, Spekulation und Touristen

Die linksgerichtete Regierungskoalition habe nach zähen Verhandlungen ein Gesetzespaket gebilligt, das einen Stopp von Zwangsräumungen für schutzbedürftige Menschen bis zum Jahr 2030 und die Verlängerung von zeitlich begrenzten Mietverträgen beinhaltet, erklärte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García Gómez am Dienstag im Onlinedienst X.

Außerdem soll es spekulativen Investmentfonds nicht mehr möglich sein, Wohnungen zu kaufen. Die Vermietung von Wohnraum an Touristen soll stark beschränkt werden.

Noch vor einem Monat sei das jetzt Beschlossene "unvorstellbar" gewesen, fügte die Ministerin hinzu. Sie dankte den Demonstranten, die die neuen Maßnahmen durch ihre Proteste ermöglicht hätten.

Ohne euch hätte das nicht geklappt.

Mónica García Gómez, Gesundheitsministerin Spaniens

Spanien, Madrid: Menschen nehmen an einer Demonstration gegen die Wohnungskrise im Protestcamp an der Puerta del Sol teil.

Tagelang hielten die Proteste an - wie hier in Madrid. Nun will die Regierung in Spanien reagieren.

Quelle: Sergio Perez / epa

Maßnahmen könnten im Parlament scheitern

Die Maßnahmen sind Teil von zwei Gesetzesvorhaben der Regierung, die allerdings noch im Parlament verabschiedet werden müssen, in dem die Koalition keine Mehrheit hat. Ministerpräsident Pedro Sánchez hofft, dass er angesichts der Proteste die parlamentarischen Hürden überwinden kann. Medienberichten zufolge könnte dies schon am Freitag passieren.

Auf die Unterstützung der oppositionellen konservativen Volkspartei PP und der ultrarechten Partei Vox kann er dabei aber nicht setzen. Auch bei den Sozialisten und beim linken Koalitionspartner Sumar gibt es unterschiedliche Meinungen zu den Maßnahmen.

heute in Europa vom 24.09.2026

"Sie sind so unmenschlich", sagt die 87-jährige Maria del Carmen Abascal über ihre Zwangsräumung. Nun gibt es heftige Proteste.

24.09.2026 | 1:58 min

Der Fall Maricarmen wühlte Spanien auf

Die 87-jährige Maricarmen Abascal war am Mittwoch vergangener Woche auf einer Trage aus ihrer zwangsgeräumten Wohnung in Madrid geholt worden, nachdem ein Investor den Mietpreis um 275 Prozent erhöht hatte. Sie hatte 70 Jahre lang in der Wohnung gelebt. Das Schicksal der Rentnerin hatte zu landesweiten Protesten geführt.

Am Montagabend erklärte ihre Anwältin Beatriz Duro, sie habe mit den Eigentümern der Immobilie eine Einigung über die Rückkehr der Rentnerin in ihre alte Wohnung erzielt - die massive Mieterhöhung sei vom Tisch.

Marietta Slomka (l.) und Helene Reiner (r.) in "heute journal - der Podcast"

Auch in Deutschland ist Wohnen oft unbezahlbar: Muss der Staat mehr eingreifen? heute journal - der Podcast.

24.09.2026 | 41:59 min

Wohnen für Spanier ein massives Problem

Dass die Proteste angesichts des Maßnahmenpakets der Regierung erlahmen, ist unwahrscheinlich. So begrüßte die spanische Mietervereinigung die Einigung zwar. Aktivistin Valeria Racu erklärte aber, sie rufe für das Wochenende zu landesweiten Protesten auf. "Es geht gerade erst los", sagte sie.

Drastisch gestiegene Mieten und Wohnraummangel sind Umfragen zufolge für die Spanier schon seit geraumer Zeit das Problem Nummer eins im Land.

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Quelle: AFP
Über dieses Thema berichtete das ZDF unter anderem in den heute-Nachrichten am 27.09.2026 ab 19 Uhr sowie bei heute in Europa am 29.09.2026 ab 16 Uhr.

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