Spanien und Gibraltar: Grenzkontrollen für Reisende enden

Reisen werden einfacher:Keine Grenzkontrollen mehr zwischen Gibraltar und Spanien

von Brigitte Müller, Gibraltar

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Nach mehrjährigen Verhandlungen zwischen der Europäischen Union, Spanien, Großbritannien und Gibraltar ist der Grenzzaun nun Geschichte. Was sich nun ändern wird - ein Überblick.

Vor der Kulisse des Felsens von Gibraltar bauen Arbeiter am Montag, dem 0607.2026, in La Línea de la Concepción (Spanien) einen spanischen Grenzkontrollpunkt ab

Nach mehr als einem Jahrhundert hat die Grenzbarriere zwischen Spanien und Gibraltar ausgedient. Seit heute gibt es keine Kontrollen mehr zwischen dem EU-Land und dem britischen Überseegebiet.

15.07.2026 | 2:13 min

Am letzten Tag vor der Grenzöffnung zwischen Spanien und dem alles überragenden Felsen, um den herum sich das britische Überseegebiet Gibraltar duckt, schauen die Grenzer nur noch nachsichtig auf die Dokumente, die ihnen Touristen wie Einheimische hinhalten. Die Lastwagen, die allerlei Waren nach Gibraltar bringen, stauen sich noch etwas am Übergang, aber das alles soll am nächsten Tag besser werden.

Spanien betrachtet Gibraltar als Kolonie. Über das Abkommen ist Gibraltar nun eng an den Schengenraum gebunden. Passkontrollen wird es nur noch am Flughafen und dem Hafen Gibraltars geben - Personen und Waren dürfen den Landübergang ohne die bisherigen Kontrollen passieren. Ein Segen für die mehr als 15.000 Pendler, die täglich zur Arbeit ins florierende Gibraltar pendeln und bisher oft an der Grenze anstehen mussten.

Mit dem Auto dauert es oft eine Stunde über die Grenze, deshalb gehe ich immer zu Fuß.

Raquel Leiva, Köchin

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23.06.2026 | 1:39 min

Die Geschichte Gibraltars

Den strategischen Felsen mit seiner Festung ganz im Süden musste das spanische Imperium bereits 1713 mit dem Vertrag von Utrecht an Großbritannien abtreten.

Ende der 1960er Jahre schottete Spaniens Diktator Francisco Franco Gibraltar vollständig vom Festland ab. In den Augen des Regimes gehörte Gibraltar zu Spanien. Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Felipe González war es, der die Grenze 1982 erst für Fußgänger und drei Jahre später auch für Autos und Warenverkehr durchlässig machte.

Als Großbritannien 2016 beschloss, aus der EU auszutreten, hatten die Menschen in Gibraltar mit rund 96 Prozent für den Verbleib in der Union gestimmt und für den Status quo musste eine Lösung gefunden werden. Nun gelten für Gibraltar die Regeln des Schengen-Raums.

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Nach jahrelangen Verhandlungen verständigten sich die Beteiligten schließlich auf einen Kompromiss, der den Grenzverkehr erleichtert, ohne aber den Souveränitätsstreit zu lösen. Den Souveränitätsanspruch auf Gibraltar hat Spanien allerdings bis heute nicht aufgegeben, wie Außenminister José Manuel Albares am 14. Juli 2026 bei der Unterzeichnung des Abkommens zur Grenzöffnung deutlich machte. Dennoch betonte Albares vor allem die neue Epoche, die das Abkommen für Gibraltar und die angrenzende spanische Region Campo de Gibraltar bedeute.

Drei Jahrhunderte später reichen Gibraltar und Campo de Gibraltar sich ab heute Nacht wieder die Hand.

José Manuel Albares, Außenminister Spanien

Was die Einwohner Gibraltars befürchten

Die Menschen in Gibraltar sehen den neuen Zeiten mit gemischten Gefühlen entgegen. "Wir sollten froh sein, denn das ist die einzige Möglichkeit nach dem Brexit," sagt Isaac Beniso, der in Gibraltar geboren wurde. "Alles andere hätte eine neue Abschottung und Probleme für den Handel bedeutet." Allerdings fürchtet er um die Sicherheit. Man könne hier die Autos unabgeschlossen stehen lassen und nun könne man plötzlich nicht mehr kontrollieren, wer alles auf den Felsen komme.

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Auch Carolina Linares ist skeptisch. Schon jetzt hätten die Preise bei vielen Produkten angezogen und sicher würden die anderen bald folgen. Ganz unbegründet ist ihre Sorge nicht. In Gibraltar gibt es keine Mehrwertsteuer auf Waren. Dies soll nun durch eine Art Transaktionssteuer ausgeglichen werden, die Händler auf den Kauf von Waren aus der EU zahlen müssen, um die Steuergesetzgebung an die Europäische Union anzupassen.

Zunächst geht es um 15 Prozent, die innerhalb von drei Jahren auf 17 Prozent erhöht werden, was wiederum dem niedrigsten Steuersatz eines EU-Landes entspricht. Dann, so der Rechtsanwalt Iván Gómez von Hassan's International Law Firm, werde, je nach Preisgefüge darüber entschieden, ob diese Steuer weiterhin angehoben wird. Nach seiner Einschätzung jedoch überwiegen die Vorteile des Abkommens, da die Zusammenarbeit mit Kunden in der Europäischen Union sehr erleichtert werde.

Ein bisschen wird es aber noch dauern, bis die Einwohner von Gibraltar sich an die neue Situation gewöhnt haben. Damit sie sich nach so vielen Jahren hinter einem Zaun nicht allzu schutzlos fühlen, wird am Übergang nach Spanien eine moderne Videoüberwachung installiert, denn so ganz, scheint es, trauen auch die Regierenden der neuen Freiheit noch nicht.

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Über dieses Thema berichteten am 15.07.2026 mehrere Sendungen, darunter heute Xpress ab 09:00 Uhr sowie das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF ab 5:30 Uhr.

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