Naturschutz in Simbabwe: Rangerinnen kämpfen gegen Wilderei

Rangerinnen in Simbabwe:"Die Mutigen": Frauen retten Afrikas Wildtiere

Porträt von Verena Garrett, Leiterin ZDF-Auslandsstudio Johannesburg

von Verena Garrett, Zambezi-Tal

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Sie schützen Elefanten, verfolgen Wilderer und sichern Naturschutzgebiete. In Simbabwe kämpfen Rangerinnen nicht nur gegen Wilderei - sondern auch gegen traditionelle Rollenbilder.

Rangerinnen im Wildreservat.

In Simbabwe arbeiten Frauen als Rangerinnen. Sie schützen Elefanten und andere Wildtiere vor Wilderern – ein riskanter Job, der ihnen zugleich neue Stärke und Unabhängigkeit gibt.

08.09.2026 | 5:02 min

Petronella Chigumbura prüft ihre Ausrüstung, nimmt ihr Gewehr und macht sich auf den Weg. Sie ist eine "Akashinga" - in der Shona-Sprache Simbabwes bedeutet das "die Mutige". Sie ist Rangerin. Ihr Einsatzgebiet ist das Zambezi-Tal im Norden von Simbabwe, an der Grenze zu Sambia. Eine Region, rund 300 Quadratkilometer groß, in der Wilderei ein enormes Problem ist.

Wilderei bezeichnet die illegale Jagd, den Fang oder die Entnahme geschützter oder nicht freigegebener Wildtiere und Pflanzen. Häufig geht es um Elfenbein, Felle oder lebende Tiere, die auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. Hinter der Wilderei stehen oft international organisierte kriminelle Netzwerke.

Anti-Poaching umfasst Maßnahmen zur Verhinderung von Wilderei. Dazu gehören bewaffnete Rangerpatrouillen, Aufklärungsarbeit in betroffenen Gemeinden, wissenschaftliches Monitoring sowie Technologien wie Kamerafallen und Drohnen. Ziel ist es, bedrohte Arten und ihre Lebensräume zu schützen und den illegalen Wildtierhandel einzudämmen.


Vor allem nach der Ernte, wenn auf den Feldern nichts mehr zu tun ist, ziehen manche Menschen in den Busch, um mit illegaler Jagd Geld zu verdienen, erzählt Petronella Chigumbura. Ihre Aufgabe ist, das zu verhindern. "Mit der Waffe in der Hand fühle ich mich am wohlsten. Das ist meine Sicherheit", sagt die 38-Jährige. Abfeuern musste sie ihr halbautomatisches Gewehr noch nie.

Akashinga ist der Name einer Rangerinnen-Einheit, die ausschließlich aus Frauen besteht. Die Idee dahinter: Frauen aus ländlichen Gemeinden sollen gestärkt werden. Viele der heutigen Rangerinnen hatten zuvor kaum Chancen auf Ausbildung oder ein eigenes Einkommen. Sie patrouillieren zu Fuß, beobachten die Schutzgebiete und gehen gegen Wilderei vor.

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Traditionellen Frauenbildern zum Trotz

Petronella ist Mutter von drei Kindern. Als sie 2017 zu Akashinga kam, war eine Frau als Rangerin für viele Menschen in ihrem Umfeld schwer vorstellbar. Sie selbst hatte nur wenige Jahre die Schule besucht. Ihre Familie konnte sich eine längere Ausbildung nicht leisten. Lesen und schreiben hat sie gelernt, mehr nicht. Oft gab es zu wenig zu essen. Früh wurde sie Mutter.

Dann hörte sie in ihrem Dorf, dass starke, belastbare Frauen gesucht wurden. Sie fragte, ob ihre geringe Schulbildung ein Problem sei. Die Antwort:

Wenn Du gut lesen und Dich ausdrücken kannst und körperlich fit bist, dann ist das genug.

Petronella Chigumbura, Akashinga-Rangerin

Illustration einer Frau, die als Yang Fenglan dargestellt ist und einen großen Elefantenstoßzahn in beiden Händen hält. Im Hintergrund erstreckt sich eine afrikanische Savannenlandschaft mit Elefantenherden, Bäumen und Vögeln am Himmel; die Szene ist in dunklen, rot-schwarzen Tönen gehalten und wirkt bedrohlich.

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Das Training nach militärischem Vorbild war hart. Mehrfach habe sie daran gedacht, aufzugeben, erzählt sie. Doch Petronella blieb. Heute ist sie Teil der Einsatzleitung und trägt Verantwortung für ein Team. Dass Frauen bewaffnet durch den Busch patrouillieren, war auch für die Frauen selbst zunächst ungewohnt.

Wir sind mit der Überzeugung groß geworden, dass diese Art von Arbeit nur etwas für Männer ist.

Petronella Chigumbura

Für die Frauen wurde der Job zur Chance, auf eigenen Beinen zu stehen, eigenes Geld zu verdienen und Anerkennung zu bekommen. Inzwischen hat sich auch die Wahrnehmung in den umliegenden Gemeinden verändert.

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Schutz für Tiere und Menschen

Die Rangerinnen schützen nicht nur die Tiere vor den Menschen - sondern auch die Menschen vor den Tieren. Zäune gibt es in der Gegend kaum. Vor allem Elefanten kommen immer wieder in die Dörfer, zerstören Felder und können zur Gefahr für die Bewohner werden. Die Rangerinnen helfen dabei, die Tiere auf Abstand zu halten.

Bewohnerin Agnes Matiki sagt, früher seien die Menschen immer wieder mit Wildtieren in Konflikt geraten. Heute könnten sie und ihre Familie sich dank Akashinga wieder freier und ohne Angst bewegen.

Die Tierbestände erholen sich. Die Rangerinnen patrouillieren nicht nur, mit Kamerafallen dokumentieren sie Arten und ihre Bewegungen. Nach Angaben von Akashinga ist die Elefantenwilderei im Zambezi-Tal um 90 Prozent zurückgegangen. Die dokumentierten Wildtiersichtungen seien dagegen um mehr als 150 Prozent gestiegen.

Ein eigenes Einkommen trägt zur Unabhängigkeit bei

Für die Rangerinnen selbst bedeutet die Arbeit vor allem eines: ein regelmäßiges Einkommen. Viele von ihnen kommen aus armen ländlichen Gemeinden. Mit ihrem Gehalt finanzieren sie die Ausbildung ihrer Kinder, unterstützen Angehörige oder investieren in die Landwirtschaft. Bastiaan Boon, Leiter des Akashinga-Rangerinnen-Programms, sieht darin einen wichtigen Teil des Konzepts:

Wenn man Frauen in den Dörfern unterstützt, ist der Nutzen für die Gemeinschaft größer, als wenn man sich nur auf Männer konzentriert.

Bastiaan Boon, Akashinga-Ausbildungsleiter

Mehr als 200 Frauen wurden nach Angaben von Akashinga in Simbabwe bereits zu Rangerinnen ausgebildet. Für viele Frauen ist aus den gemeinsamen Einsätzen längst mehr als Zusammenarbeit geworden. "Diese Frauen sind meine Schwestern", sagt Petronella Chigumbura. "Wir geben uns Ratschläge und stärken uns gegenseitig."

Und Petronella denkt dabei auch an ihre eigenen Töchter. Sie sollen erleben, dass ihr Leben nicht von traditionellen Vorstellungen bestimmt werden muss. Dass sie sich selbst etwas zutrauen können und das Leben Möglichkeiten bietet. "Sie dürfen niemals die Hoffnung verlieren, bis sie erreicht haben, was sie sich wünschen", sagt Rangerin Petronella Chigumbura.

Verena Garrett ist Studioleiterin im ZDF-Studio in Johannesburg und berichtet aus den Ländern des südlichen Afrikas.

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Über dieses Thema berichtete die Volle Kanne am 08.09.2026 in dem Beitrag Rangerinnen in Simbabwe: Frauen gegen Wilderei ab 9 Uhr.

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