Jabloko-Partei in Russland: Gericht bestätigt Ausschluss von Wahl

Justiz geht weiter gegen Jabloko vor:Russische Anti-Kriegs-Partei bleibt von Wahl ausgeschlossen

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Russlands Justiz fällt erneut Urteile gegen die Anti-Kriegs-Partei Jabloko: Der Ausschluss von der Parlamentswahl wurde bestätigt - und ihr Vizechef soll elf Jahre in Haft.

Jabloko-Chef Nikolai Rybakov spricht vor Russlands Oberstem Gericht in Moskau über den Einspruch gegen den Ausschluss der Partei von der Staatsduma-Wahl.

Die Anti-Kriegs-Partei Jabloko mit ihrem Chef Nikolai Rybakov bleiben von der Parlamentswahl in Russland im September ausgeschlossen.

Quelle: Imago

Russlands Oberstes Gericht hat in einem Berufungsverfahren seine Entscheidung zum Ausschluss der Anti-Kriegs-Partei Jabloko von der Parlamentswahl im September bestätigt. Das Gericht unter dem Vorsitzenden Wladimir Saizew lehnte die Einwände der liberalen Oppositionspartei gegen das Urteil von vergangener Woche ab.

Die Erfolgsaussichten für Jabloko galten von Anfang an als düster. Die Partei werde nun eine Aufsichtsbeschwerde einreichen beim Präsidium des Obersten Gerichts, teilte Jabloko mit.

Nikolai Rybakow, Vorsitzender der Partei Jabloko, steht vor dem Obersten Gerichtshof Russlands in Moskau.

Die einzige Partei, die sich offen gegen den Krieg stellt, darf nicht an den Duma-Wahlen teilnehmen. Das hatte das Oberste Gericht vergangene Woche in Moskau entschieden.

11.08.2026 | 2:25 min

Erstmals zugelassene Partei wieder ausgeschlossen

Parteichef Nikolai Rybakow hatte zuvor verlangt, dass das Oberste Gericht die von der Wahlkommission im Juli erteilte Zulassung von Jabloko zur Abstimmung vom 18. bis 20. September wieder in Kraft setze. Das Gericht hatte am Montag vor einer Woche einer Klage der kremltreuen ultranationalistischen Partei Rodina stattgegeben, die Jabloko Verstöße gegen Russlands Wahlgesetze vorgeworfen hatte.

Es war das erste Mal, dass bereits eine zugelassene Partei wieder von der Wahl ausgeschlossen wurde in Russland. Das dreiköpfige Richterkollegium bestätigte nun erwartungsgemäß die Entscheidung.

Elf Jahre Haft für wichtigen Jabloko-Politiker

Auch in einem anderen umstrittenen Verfahren wurde am Montag die Jabloko-Partei geschwächt: Ein russisches Gericht verurteilte den prominenten Kriegsgegner und Oppositionellen Lew Schlosberg zu elf Jahren und einem Monat Haft im Straflager. Richterin Viktoria Maljamowa befand den Jabloko-Vizechef unter anderem der Verunglimpfung der russischen Streitkräfte für schuldig.

ZDF-Reporter Sebastian Ehm

Der Kreml wolle die Oppositionspartei Jabloko nicht zu einem Symbol des Anti-Kriegs-Protestes werden lassen, sagte ZDF-Reporter Ehm nach dem Ausschluss der Partei von der Duma-Wahl im September.

11.08.2026 | 13:31 min

Maljamowa blieb damit leicht hinter dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft, die am Freitag auf zwölf Jahre und einen Monat plädiert hatte. Der 63 Jahre alte Politiker wird das Urteil anfechten, wie Schlosbergs liberale Partei Jabloko mitteilte. Schlosberg kritisiert immer wieder offen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Jabloko-Chef kritisiert Urteil gegen Schlosberg

Jabloko-Parteichef Nikolai Rybakow kritisierte das Urteil als "eine Tragödie, die den Zusammenbruch der heutigen russischen Justiz verdeutlicht". Schlosberg werde zu Unrecht bestraft "wegen Äußerungen zur Notwendigkeit eines Waffenstillstandsabkommens und zur Rettung von Menschenleben".

Am Freitag hatte Schlosberg in seinem von Maljamowa immer wieder unterbrochenen Schlusswort kritisiert, dass der russische Staat die Ermittlungsbehörden, die Staatsanwaltschaft und die Gerichte zu willfährigen Instrumenten gemacht habe, um Bürger zum Schweigen zu bringen und ihre Rechte und Freiheiten zu beschneiden.

Exil-Oppositioneller Leonid Wolkow

Die Friedenspartei Jabloko zunächst zuzulassen, habe das Ziel gehabt, den Schein zu wahren, so der Exil-Oppositionelle Leonid Wolkow. Die Partei sei ausgeschlossen worden, als der Zuspruch wuchs.

11.08.2026 | 7:50 min

Es gebe Gerichte in Russland, aber keine Rechtsprechung. Schlosberg hatte auch kritisiert, dass die Richterin einen Prozesstermin in Anwesenheit der Jabloko-Anwälte abgelehnt und ihm einen Pflichtverteidiger zugeteilt hatte.

In Russland gibt es nach Angaben von Menschenrechtlern Hunderte politische Gefangene, die wegen ihrer Kritik an dem Krieg von Kremlchef Wladimir Putin gegen die Ukraine im Straflager sitzen.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete die heute-Sendung am 17.08.2026 um 17:00 Uhr.

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