US-Außenminister stärkt Orban den Rücken:Rubios Besuch bei "Freunden" in Ungarn
von Christian von Rechenberg
US-Außenminister Marco Rubio macht in Ungarn Halt - und sendet ein bemerkenswertes Signal. Der Rückenwind aus den USA kommt Ministerpräsident Orban im Wahlkampf gerade recht.
US-Außenminister Marco Rubio hat beim Besuch in Ungarn Ministerpräsident Viktor Orban den Rücken gestärkt. Beide sprachen von einem "goldenen Zeitalter" in den Beziehungen ihrer Länder.
16.02.2026 | 2:53 minNachdem er auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine kritische und misstrauische EU zu umschmeicheln versucht hat, begibt sich US-Außenminister Marco Rubio auf vermeintlich bequemeres Terrain. Bei den beiden Populisten Robert Fico in der Slowakei und Viktor Orban in Ungarn heißt man ihn herzlich willkommen - der Mann aus den USA kommt wie gerufen.
Wahlkampfhilfe aus Washington
Vor allem für Viktor Orban. Ungarns Ministerpräsident steht im April vor einer schwierigen Wahl. In Umfragen liegt seine Fidesz-Partei rund zehn Prozent hinter der oppositionellen Tisza-Bewegung von Peter Magyar. Da tut es gut, sich mal wieder auf Augenhöhe mit der Weltmacht USA zu profilieren. Rubio lässt die bereitete Bühne nicht ungenutzt: Präsident Trump, so Rubio, setze sich "mit ganzem Herzen" für Orbans Erfolg bei der Wahl ein. Sein Erfolg sei auch der Erfolg der USA.
Vor seinem Treffen mit Orban war US-Außenminister Rubio zu Besuch in der Slowakei. Dort sprach er mit Ministerpräsident Fico, einem scharfen EU-Kritiker.
15.02.2026 | 0:21 minOrban revanchiert sich postwendend und versichert, Ungarn werde Rubio - also Trump - "weiterhin unterstützen", auch wenn dies europäische Konflikte verschärfe. Womit wir bei der Kernfrage wären: Was will Rubio wirklich in Ungarn?
Zunächst einen Vertrag unterschreiben, wie zuvor mit Fico. Es geht um Energie, um mehr Partnerschaft bei der zivilen Nutzung von Kernenergie. Klingt erstmal gut, denn beide Länder sind stark abhängig von Putins Gas und Öl.
Slowakei und Ungarn als Komplizen
Aber im Hintergrund geht es um mehr als Befreiung von russischer Abhängigkeit. Die USA brauchen unbequeme Partner innerhalb der EU. Ungarn und die Slowakei seien genau das, sagt Politik-Analyst Peter Kreko:
Wenn in der Nationalen Sicherheitsstrategie der USA steht, dass EU-skeptische und rechtsextreme Parteien die natürlichen Verbündeten der Vereinigten Staaten sind, dann passt dieser Besuch wie die Faust auf's Auge.
Peter Kreko, Politik-Analyst in Budapest
Ein Stachel im Fleisch der ungeliebten EU - für Wahlkampfhilfe und Energie. Eine klassische Win-Win-Situation.
Ungarns Nationalfeiertag im vergangenen Oktober stand im Zeichen des Wahlkampfs 2026. Orban nutzte den Tag, um Stimmung gegen die EU zu machen, sein Kontrahent warb für einen Systemwechsel.
23.10.2025 | 2:26 minUnd für Orban und seine Fidesz-Partei sieht es derzeit eher nach einer Niederlage aus. Er steht innenpolitisch unter Druck und attackiert seinen Herausforderer Magyar zunehmend scharf. In seiner jüngsten Rede zur Lage der Nation behauptete er, Tisza sei eine "Schöpfung Brüssels" und beide wollten Ungarn "in einen Krieg ziehen". Europa habe "beschlossen, bis 2030 Krieg zu führen", sagte er und warnte, die Wahl im April sei "die letzte ungarische Wahl vor dem Krieg".
Schmutzkampagne und Sexvideo
Peter Magyar sieht seine Bewegung hingegen "vor dem Tor zum Sieg". Gleichsam sieht er sich mit Schmutzkampagnen seiner Gegner konfrontiert. So kursierten im Netz bereits mit künstlicher Intelligenz angefertigte Videos, die Magyar Worte in den Mund legten, die er nie gesagt hatte. Zuletzt machte die anonyme Androhung der Veröffentlichung eines Sexvideos die Runde, das ihn in ein schlechtes Licht rücken sollte. Magyar vermutet Fidesz hinter der Drohung.
Und so betonte Magyar in seiner Rede am vergangenen Sonntag, Ungarn müsse entscheiden, ob es "im System der Angst, des Hasses und des Diebstahls" verharre oder seine Zukunft zurückerobere. Die liegt für Magyar klar bei EU und Nato.
Seit Jahren verletzt Ungarns Ministerpräsident den Rechtsstaat. Ein neues Gesetz bedeutet nun das Ende der Meinungsfreiheit. Die EU verhängt Strafen – bisher jedoch ohne Erfolg.
27.05.2025 | 2:49 minAnalyst Zoltan Ranschburg erkennt bei Orban ebenfalls eine klare Positionierung. Bisher sah Orban Ungarn in der Mitte zwischen Ost und West. Nun sehe er "die eigentliche Bedrohung nicht bei Putin, sondern bei Brüssel". Orban bewege sich kommunikativ "vom Zentrum Richtung Osten".
Ungarn tendiert nach Osten - USA schweigen
Rubio äußerte sich zu diesen Vorgängen nicht. Für die USA scheint entscheidend zu sein, dass Orban weiterhin gegen die EU-Mehrheitslinie agiert. Solange dies der Fall ist, so der Eindruck vieler Beobachter, lässt Washington ihm weitgehend freie Hand.
Doch mit Blick auf die Wahl im April bleibt offen, ob Orban die demonstrative Unterstützung aus den USA in politischen Rückenwind verwandeln kann. Der Besuch eines US-Außenministers, so Ranschburg, war dafür jedenfalls zu wenig. Ob Donald Trump persönlich kommt, bleibt offen - Orban hat ihn jedenfalls erneut nach Budapest eingeladen.
Christian von Rechenberg ist ZDF-Korrespondent in Wien.
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