Deutsche Abhängigkeit von Peking:Was bei Reiches China-Reise auf dem Spiel steht
In unruhigen Zeiten reist Wirtschaftsministerin Reiche nach China, um die Handelsbeziehungen zu stärken. Die Unternehmer, die sie begleiten, verfolgen eigene Ziele - ein Überblick.
Von E-Autos bis Stahl: China dominiert zentrale Branchen - auch durch staatliche Hilfe und niedrige Preise. Für deutsche Unternehmen wächst der Druck.
26.05.2026 | 1:52 minBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wird an diesem Mittwoch zu politischen Gesprächen in Peking erwartet. Vor Beginn ihrer zweitägigen Reise nach China fordern deutsche Firmen, dass Reiche auf fairere Wettbewerbsbedingungen dringt. Was geplant ist und wie es um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China steht:
Warum reist Katherina Reiche gerade jetzt nach China?
Die CDU-Politikerin reist mit einer Wirtschaftsdelegation von rund 40 Unternehmen nach Peking und in die südchinesische Industriemetropole Guangzhou, um in geopolitisch unruhigen Zeiten über die Handelsbeziehungen und künftige Investitionsbedingungen für deutsche Firmen zu sprechen. Reiche hat angekündigt, die deutschen Wirtschaftsinteressen gegenüber der Führung in Peking "ruhig und lösungsorientiert", aber selbstbewusster als in der Vergangenheit zu vertreten.
Während die Welt durch zahlreiche Krisen abgelenkt ist, baut China die eigene Macht aus. Hightech, Geopolitik, große Pläne: China-Korrespondentin Elisabeth Schmidt zeigt, wo die Risiken liegen.
12.05.2026 | 19:00 minDer Spagat ist jedoch enorm: China ist für Deutschland gleichzeitig ein riesiger Absatzmarkt, ein harter Konkurrent und ein fast unersetzlicher Lieferant bei strategisch wichtigen Rohstoffen und Produkten. Neben den seit Jahren monierten Wettbewerbsnachteilen der deutschen Unternehmen könnten auch Pekings Exportkontrollen bei Rohstoffen wie Seltenen Erden Thema werden.
Wie abhängig ist Deutschland wirklich von China?
Gemessen an der Summe von Exporten und Importen löste China laut dem Statistischen Bundesamt 2025 die USA als wichtigsten Handelspartner Deutschlands ab. Das Verhältnis ist jedoch unausgeglichen, weil Deutschland viel mehr aus der Volksrepublik importiert als es dorthin exportiert.
Trotz aller politischen Warnungen wächst die Abhängigkeit auch bei kritischen und strategisch wichtigen Gütern weiter. Eine aktuelle Studie der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung belegt das mit konkreten Zahlen:
- Lithium-Batterien: Hier stieg der chinesische Importanteil von knapp 50 Prozent im Jahr 2023 auf 66,5 Prozent im Jahr 2025.
- Solarpaneele: Der chinesische Anteil erreichte mit 92,6 Prozent des Gesamtimportgewichts einen Höchstwert.
- Seltene Erden: Bei den Metallen Praseodym, Neodym und Samarium ist China praktisch der einzige Lieferant. Sie werden für die Produktion von E-Motoren gebraucht.
- Medikamente: Bei Antibiotika nahm der Anteil chinesischer Lieferungen von 65,3 auf 72,9 Prozent zu.
China hat sich zum Hightech-Land entwickelt. Es stellt viele Produkte her, die Deutschland einst zum Exportweltmeister gemacht haben. Wie gefährlich ist Chinas Export-Flut für uns?
24.02.2026 | 8:46 minWollte die Bundesregierung diese Abhängigkeit nicht längst abbauen?
Eigentlich ja. Im Juli 2023 wurde von der damaligen Ampel-Regierung die sogenannte "China-Strategie" verabschiedet. Darin wird China als "Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale" zugleich eingestuft. Das klare Ziel war es, Abhängigkeiten in kritischen Bereichen zu verringern.
Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es nun, dass die China-Strategie "nach dem Prinzip des 'De-Risking'" - also zur Risikominderung - überarbeitet werden solle.
Welche Rolle spielt Trumps Zollpolitik?
Eine sehr direkte. Da die USA ihre Märkte durch Strafzölle zunehmend für chinesische Waren abschotten, sucht China nach neuen Abnehmern. Ministerin Reiche warnte in einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Freitag vor einer "Schwemme" hochsubventionierter chinesischer Produkte auf dem europäischen Markt. Das betreffe etwa Stahl, Chemieprodukte und Solarpaneele.
2025 verschärfte China die Exportregeln für seltene Erden. Ein Signal, das in Europa für Unruhe sorgt.
30.10.2025 | 34:35 minWas erwartet die deutsche Wirtschaft von Reiche?
Aus der Wirtschaft kommen unterschiedliche Forderungen: Der Maschinenbauverband VDMA forderte, Reiche müsse "unmissverständlich klarmachen", dass die Bundesregierung systematische Wettbewerbsverzerrungen nicht länger hinnehme. "Eine künstlich niedrig gehaltene Währung, überhöhte Subventionen und politisch motivierte Exportkontrollen sind keine Kavaliersdelikte", sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.
Der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, bezeichnete die Reise Reiches dagegen als "starkes und notwendiges Signal". Er verwies darauf, dass China für Deutschland und Europa ein Schlüsselmarkt bleibe. Deshalb brauche es einen "pragmatischen, selbstbewussten und europäischen Ansatz" im Umgang mit Peking.
Wie kann Deutschland mit der chinesischen Konkurrenz umgehen?
Ein bemerkenswerter Vorschlag kommt aus der Industrie selbst. Thyssenkrupp-Chef Miguel López schlug im ZDF-Morgenmagazin vor, den Spieß gewissermaßen umzudrehen: Die deutsche Industrie habe sich vor 30 Jahren in China angesiedelt, dort Fertigungen aufgebaut, Experten ausgebildet und "große Unterstützung" der chinesischen Regierung erhalten, sagte er.
Wir sollten chinesische Unternehmen einladen, nach Europa zu kommen, in Europa zu produzieren, damit ihren Teil für die Gesellschaft in Europa und auch Deutschland zu vollziehen.
Miguel López, Vorstandschef bei Thyssenkrupp
Es sei wichtig, dass die "Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Deutschland sehr positiv weitergeführt werden", sagt Miguel López, Vorstandsvorsitzender von Thyssenkrupp, mit Blick auf den Handel mit China.
26.05.2026 | 5:51 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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