Ein Oscar gegen Putin: Pawel Talankin erzählt über seinen Film

ZDF-Koproduktion über Russlands Propaganda:Ein Oscar gegen Putin

von Sebastian Ehm

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Der Russe Pawel Talankin hat mit dem beeindruckenden Dokumentar-Film "Ein Nobody gegen Putin" einen Oscar gewonnen. Der Film zeigt , wie umfassend Putin Russland verändert.

Russe Pawel Talankin hält Oscar nach Sieg in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" in der Hand

Mit dem Film "Ein Nobody gegen Putin" gewinnt Pawel Talankin die Kategorie für den Besten Dokumentarfilm

Quelle: AP

Er hält seine Dankesrede auf Russisch. Der Sprache seines Heimatlandes. Pawel Talankin trägt einen schwarzen Smoking und hält den Oscar, den er gerade bekommen hat, fest umklammert. "Seit vier Jahren schauen wir in den Himmel, auf der Suche nach Sternschnuppen, um uns etwas wichtiges zu wünschen", sagt er. Doch stattdessen seien in manchen Ländern am Himmel nur noch Drohnen und Raketen.

Im Namen unserer Kinder: Stoppt all diese Kriege. Jetzt!

Pawel Talankin, Dokumentarfilmer

Tosender Applaus im Dolby Theatre in Los Angeles. Man zieht fast automatisch Parallelen zwischen Putins Russland, um das sich die Dokumentation dreht, und Trumps Amerika. Beide Länder führen Krieg, beide Länder haben diese jeweils begonnen.

Beeindruckendes zeitgeschichtliches Dokument

Auch David Borenstein, Regisseur des ausgezeichneten Films, dürfte ähnliches im Sinn gehabt haben, als er in seiner Rede ausführt: "'Ein Nobody gegen Putin' handelt davon, wie man sein Land verliert. Was wir bei der Arbeit mit diesem Material gesehen haben, ist, dass man es durch unzählige kleine Akte der Komplizenschaft verliert."

Tatsächlich ist die ZDF-Koproduktion "Ein Nobody gegen Putin" ein beeindruckendes zeitgeschichtliches Dokument. Darüber wie weit Putins Propaganda wirkt und wie der Kreml versucht, seine Macht und sein Narrativ bis in die letzten Ecken des gesellschaftlichen Lebens zu verbreiten. Besonders an den Schulen.

Ein Nobody gegen Putin

Hier den Film "Ein Nobody gegen Putin" in voller Länge streamen.

13.01.2026 | 89:28 min

So beschreibt Talankin das Leben in Russland seit dem Einmarsch in der Ukraine

Pawel Talankin war bis 2024 Pädagoge an einer Schule in Karabasch. Eine Kleinstadt im Uralgebirge, 13.000 Einwohner und geprägt vom Kupferabbau. Karabasch ist 1.500 Kilometer entfernt von Moskau und doch ändert sich auch hier das Leben nach dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine von Grund auf.

Im Gespräch, das ZDFheute mit ihm bereits im November 2025 geführt hat, berichtet Talankin: "Es kamen Briefe mit Befehlen darin. Darin waren verschiedene Materialien, Veranstaltungspläne, methodische Leitfäden - alles war genau vorgeschrieben."

Reisetagebuch Tim Russland

Seit Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine indoktriniert der Kreml Russlands Kinder fast wie zu Sowjetzeiten. Nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch außerhalb der Schule.

18.11.2025 | 2:01 min

Talankin schmuggelt Material raus

Heißt: Die Lehrpläne wurden umgeschrieben, es gab neue Geschichtsbücher und es wurden Extra-Stunden eingeführt. Dort wurde den Schülern dann die Kreml-Doktrin eingehämmert. Pawel Talankin musste das filmen und auf einer Regierungswebseite hochladen, um zu beweisen, dass die Schule die neuen Regeln befolgt. Doch anschließend löschte er das Material nicht wie befohlen, sondern schmuggelte es außer Landes. Daraus entstand der nun prämierte Film.

Bevor dieser veröffentlicht wurde, musste Talankin fliehen. Zu groß ist der Zündstoff, der in diesem Film steckt, beweist er doch die fast schon totalitäre Gangart des Putin-Regimes. Für ihn ist klar, dass er sein Heimatland vielleicht nie wieder sieht.

Mit jedem Tag glaube ich weniger daran. Natürlich reden wir schon gar nicht mehr davon, in meine Heimatstadt zurückzukehren. Der letzte Kommentar, den ich von dort bekommen habe, lautete: "Wir werden dir die Knie brechen, du wirst kriechen und dich bei uns allen entschuldigen."

Pawel Talankin - Lehrer und Dokumentarfilmer

Screenshot von einem Youtube Video, auf dem das animierte Bild von zwei Sträflingen zu sehen ist. Einer, der aussieht wie Putin, spielt Gitarre.

In Russland wird Kritik an Wladimir Putin immer schärfer verfolgt. Kritik ist nur noch im Exil möglich. Dort entsteht Satire als letzte freie Ausdrucksform.

13.11.2025 | 6:25 min

Kritik am Film kommt aus Russland

Es erscheint logisch, dass russische Propagandisten und staatliche Stellen nun gegen Talankin wettern. Doch auch viele Menschen in seiner Heimatstadt sind sauer. Viele von ihnen melden sich in der Lokalpresse zu Wort und kritisieren Talankin vor allem dafür, dass er kommerzielle Filmaufnahmen ihrer Kinder gemacht habe, ohne sie vorher um Erlaubnis zu fragen.

Andere kritisieren, dass der Regisseur David Borenstein den Film mit ungenauen Übersetzungen und dramaturgischen Kniffen so verfälscht habe, dass er nicht mehr die volle Realität abbildet. Es sind Kritikpunkte, die nicht nur von Putinfreunden kommen.

Trotzdem hat Talankin es geschafft, für die Situation in seinem Heimatland eine Öffentlichkeit zu schaffen. In dem Film wird auch klar, dass er für Karabasch, für seinen Job an der Schule und vor allem auch für die Kinder, mit denen er zusammenarbeitet, nichts als Zuneigung empfindet.

Propaganda beeinflusst ihre Entwicklung. Und man muss es ehrlich sagen: Diese Propaganda funktioniert. Es ist nicht überraschend, dass sie funktioniert, denn eine Lüge, tausendmal wiederholt, wird irgendwann zur Wahrheit.

Pawel Talankin

Im Film erzählt Talankin, dass er die Situation so unerträglich fand, dass er den Film als geeignetes Mittel dafür sah, zu zeigen, wie die Situation an russischen Schulen wirklich ist. Mit dem Gewinn des Oscars hat er die größtmögliche Aufmerksamkeit bekommen.

Sebastian Ehm berichtet als Korrespondent über Russland, Zentralasien und den Kaukasus.

Über dieses Thema berichtete heute in Europa am 16.03.2026 in dem Beitrag "Oscar für 'Ein Nobody gegen Putin'" ab 16 Uhr.

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