Angriffe auf Iran: Bald Engpässe bei US-Waffenarsenal?

Sonderausgabe "Markus Lanz" zu Nahost:Angriffe auf Iran: Bald Engpässe bei US-Waffenarsenal?

von Bernd Bachran

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Politikwissenschaftler Frank Sauer sieht infolge der Angriffe auf Iran Probleme beim Waffenarsenal der USA - und damit auch konkrete Probleme für Europa und besonders die Ukraine.

Daniel Gerlach, Diba Mirzaei, Frank Sauer zu Gast bei "Markus Lanz".

Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 2. März 2026 in voller Länge.

02.03.2026 | 61:52 min

Wochenlang hatte sich die Eskalation angedeutet, am vergangenen Wochenende wurde sie zur Realität: Israel und die Vereinigten Staaten haben koordinierte Angriffe auf Ziele in Iran geflogen. Dabei kam unter anderem auch Irans Oberster Führer, Ali Chamenei, ums Leben. Teheran reagierte mit massiven Gegenangriffen - nicht nur auf Israel, sondern auch auf Bahrain, Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Warum der Angriff ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt erfolgte, bleibt für viele Beobachter unklar, wo doch noch um eine Lösung im Streit über das iranische Atomprogramm zwischen Iran und den USA gerungen wurde - und nicht ausgeschlossen schien. In Fachkreisen wird jedoch gemutmaßt, der Militärschlag könne einem politischen Kalkül folgen - nämlich davon abzulenken, dass sowohl Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch US-Präsident Donald Trump innenpolitisch unter Druck stehen.

Israelische Ersthelfer treffen am Schadensort in Tel Aviv ein, nachdem iranische ballistische Raketen als Vergeltung für koordinierte US-amerikanisch-israelische Luftangriffe Teile der Stadt getroffen haben.

Nach Angriffen der USA und Israels auf Iran eskaliert nun der Konflikt zwischen der Hisbollah im Libanon und Israel wieder. Auch die Lage in der Golfregion verschärft sich weiter.

02.03.2026 | 2:37 min

Der Chefredakteur des Magazins "zenith" und Nahost-Experte, Daniel Gerlach, sagte bei "Markus Lanz", er halte innenpolitische Ablenkungsmanöver zwar nicht für den alleinigen Grund des Angriffszeitpunkts, "sie spielen jedoch definitiv eine Rolle".

Das sind alles zynische Spiele, aber die iranische Bedrohung wird ja in Israel von vielen über die Parteien hinweg so wahrgenommen. (…) Und diese beiden Figuren, Benjamin Netanjahu und Trump, betrachten sich selber als diejenigen, die das Unmögliche möglich machen, die den historischen Augenblick nutzen.

Daniel Gerlach, Nahost-Experte

SGS Slomka Reichart

Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe auf den Iran fort, während der Konflikt mit der Terrormiliz Hisbollah erneut eskaliert. ZDF-Korrespondent Thomas Reichart berichtet.

02.03.2026 | 2:06 min

Politikwissenschaftler: USA könnte Engpässe beim Waffennachschub bekommen

Der Politikwissenschaftler Frank Sauer verwies auf einen weiteren Aspekt des Krieges: den hohen Verbrauch des amerikanischen Waffenarsenals. Nach seiner Einschätzung setzen die USA derzeit so viele Raketen ein, dass es bereits in wenigen Wochen zu Engpässen beim Nachschub kommen könnte.

Sauer sprach auch von einer katastrophalen Sicherheitslage in Europa. "Ich gehöre nicht zu der Gruppe von Menschen, die sich im Falle eines 'Artikel-Fünf-Falls' der Nato von der Trump-Administration noch viel erhoffen. Aber selbst, wenn sie uns helfen wollte… Zehn Tage noch, zwei Wochen, dann haben die keine Munition mehr, um uns zu helfen."

Eine Karte von Europa und dem mittleren Osten, in blau sind die Länder der EU markiert, gelb der Iran.

Die USA und Israel kämpfen weiter gegen Iran. Wie Europa auf den Krieg reagiert, analysiert Politikwissenschaftler Maximilian Terhalle bei ZDFheute live.

02.03.2026 | 19:01 min

Russland profitiert vom US-Militäreinsatz

"Welt"-Chefreporter Ibrahim Naber wies bei "Lanz" ebenfalls darauf hin, dass der aktuelle US-Militäreinsatz in Iran negative Auswirkungen auf Europa und insbesondere auf die Ukraine habe. Da die USA nun Waffen selbst beanspruchen, die die Ukraine dringend für ihre Verteidigung benötige, entstehe ein gefährlicher Versorgungsengpass. Naber: "Ich glaube, aus der Sicht des Kremls ist das, was hier gerade passiert, zumindest für diesen Ukraine-Krieg, eigentlich relativ gut."

Jetzt braucht Israel und brauchen die USA natürlich genau diese Patriot Flugabwehrraketen um ihre Truppen zu schützen, um ihre Städte zu schützen. Also [der Einsatz im Iran], hat ganz konkret Auswirkungen auch auf den Schutz der Menschen in der Ukraine.

Frank Sauer, Politikwissenschaftler

Frank Sauer schätzte, dass es im Arsenal der USA noch ungefähr 2.000 Patriot-Abfangraketen gibt. "Ein Schuss kostet so zwischen sechs und neun Millionen Dollar. Und bei der Rate, wie die da verschossen werden (…), sind die einfach schnell weg? (…) Das ist für die Ukraine eine Katastrophe."

Putin und der iranische Präsident

Eine Allianz, in der beide Länder Waffen und Energie austauschen. Wie verhält sich der Kreml jetzt?

02.03.2026 | 2:06 min

Sauer: USA verbrauchen deutlich mehr Raketen als sie produzieren

"Die Produktionsraten (von Waffensystemen) sind zum Teil um den Faktor zehn geringer als die Verbrauchsraten", so Sauer weiter. Nach seiner Rechnung gäbe es ungefähr 4.000 Tomahawk-Raketen im US-Arsenal. "Und die verschießen gerade Hunderte (…) und sie produzieren nur 70 Stück im Jahr."

Für Sauer ist der Krieg zudem ein klarer Bruch des Völkerrechts - ein Rückfall hinter auch fragwürdige Standards früherer Zeiten. 2003 suchte Washington wenigstens den Anschein einer Rechtfertigung für seinen Militäreinsatz im Irak. Dass Trump jetzt in Iran nicht einmal diesen Aufwand betreibe, bewertet Sauer als Schlag gegen die Grundlagen der regelbasierten Weltordnung.

SGS Slomka Wadephul

"Wir beteiligen uns in keiner Weise an dieser Auseinandersetzung", so Bundesaußenminister Johann Wadephul zum Iran-Krieg. Zu Evakuierungen sagt er: "Wir helfen jetzt den Menschen".

02.03.2026 | 7:53 min

Niemand weiß, wie lange dieser Militäreinsatz in Iran dauern wird. Politikwissenschaftler Sauer sagt: "Meine Vermutung ist, dass er [Trump] sich in ein paar Wochen davon abwenden wird, irgendwie ein Sieg deklarieren wird und sich dann einem anderen Debakel zuwenden wird."

Über dieses Thema berichtete "Markus Lanz" am 02.03.2026 ab 23:40 Uhr.

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