Linkes Lager zweifelt Ergebnis an:Kolumbien: Rechter "Tiger" zieht in Stichwahl
Der rechte Außenseiter de la Espriella gewinnt die erste Runde der Präsidentenwahl in Kolumbien und geht in die Stichwahl gegen Cepeda. Das linke Lager zweifelt das Ergebnis an.
Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Kolumbien gibt es Streit um das Ergebnis. Amtsinhaber Gustavo Petro spricht von Unregelmäßigkeiten. Die Stichwahl findet am 21. Juni statt.
01.06.2026 | 0:27 minUm kurz nach 17 Uhr Ortszeit gab es Gewissheit: Laut Schnellauszählung der Stimmen hat der rechtslibertäre Hardliner Abelardo de la Espriella die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Kolumbien mit 43,7 Prozent der Stimmen gewonnen. Dahinter landete mit 40,9 Prozent der Linkspopulist Iván Cepeda, den die falsch liegenden Umfragen eigentlich vorne gesehen hatten. Die beiden Kontrahenten stehen sich nun in der Stichwahl am 21. Juni erneut gegenüber.
Kolumbien wohl vor turbulenten Wochen
Bis dahin dürften in einem zutiefst polarisierten Land drei turbulente und unberechenbare Wochen bevorstehen. Der Wahlkampf begann im vergangenen Jahr mit der brutalen Ermordung des rechtskonservativen Politikers Miguel Uribe bei einem öffentlichen Auftritt in Bogotá. Er galt als potenzieller Kandidat der traditionellen Rechten.
Seine Nachfolgerin Paloma Valencia, die stilistisch auf einen deutlich zurückhaltenden Ton setzte, ging mit knapp sieben Prozent im Duell der politischen Extreme unter. Sie stellte sich am Abend hinter die Kandidatur von de la Espriella. Zusammen kommen sie auf knapp über 50 Prozent der Stimmen.
De la Espriella bezeichnet sich selbst als "Der Tiger". Der Millionär inszeniert sich als politischer Außenseiter, der alle Regeln sprengen will. Vorbild des Sängers und Modeunternehmers ist US-Präsident Donald Trump.
Rund einen Monat vor der Wahl waren bei einem Bombenanschlag im Westen Kolumbiens mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen.
26.04.2026 | 0:21 minLinkes Lager um Petro zweifelt Ergebnis der Wahl an
Trotzdem gilt der Wahlausgang in drei Wochen als völlig offen, zu eng liegen die beiden Lager aneinander. Beide Kandidaten warfen sich am Wahlabend gegenseitig wüste Beleidigungen an den Kopf. Das linke Lager um den noch Präsidenten Gustavo Petro und dessen Wunschnachfolger Cepeda zweifelte zudem das Ergebnis der Wahlbehörden öffentlich an. Es gäbe Unregelmäßigkeiten, die es zu prüfen gelte, hieß es.
Als Präsident akzeptiere er die Ergebnisse der Vorauszählung des privaten Unternehmens der Brüder Bautista nicht, ließ Petro über das soziale Netzwerk X wissen. Die Algorithmen der Auszählungs- und Auswertungssoftware, die eigentlich unverändert bleiben müssten, seien in der vergangenen Woche dreimal geändert und 800.000 zusätzliche Stimmzettel von Personen hinzugefügt worden, die nicht im vorgelegten offiziellen Wählerverzeichnis aufgeführt seien, begründete Petro seine Ablehnung.
Quelle: ZDF
Gegenseitige wüste Beschimpfungen im Wahlkampf
Es folgten zwei Reden der Stichwahl-Kandidaten, die von schweren Beleidigungen und Vorwürfen geprägt waren. Cepeda nannte de la Espriella einen rechtsextremen Faschisten. Sein linkes Wahlbündnis "Pacto Histórico" sei die einzige demokratische Kraft des Landes. De la Espriella beschimpfte Petro und Cepeda als Banditen, die aus dem Weg geräumt werden sollten. Seine Bewegung werde die Demokratie und das Vaterland verteidigen.
Angesichts der schweren Vorwürfe gegeneinander, der Attacken der beiden Lager auf Medienvertreter und anhaltender Gewalt im Wahlkampf kommentierte das kolumbianische Portal "La Silla Vacia" am Wahlabend: "Mehr als eine Wahl zwischen Links und Rechts stellt sich die Stichwahl als ein Kampf darüber dar, welche Angst schwerer wiegt: die Angst vor einer Fortsetzung der Politik unter Petro oder die Angst vor einem autoritären Rechtsruck."
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