Kenia: So wird über giftige Schlangen aufgeklärt

Tödliche Gefahr in Kenia:Wenn das Serum gegen Schlangenbisse fehlt

von Natalia Bieniek, Nairobi

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Vor allem Menschen in abgelegenen Regionen sind von Schlangen bedroht. Oft erschlagen sie die Tiere aus Angst, sie könnten giftig sein. Experten wollen Mensch und Tier schützen.

schlangenbiss-kenia

Tausende Menschen sterben jährlich in Kenia durch Bisse von Giftschlangen – die Gefahr ist real. Betroffene wählen zwischen traditioneller Heilkunst und moderner Medizin.

23.04.2026 | 3:36 min

Ein Notruf an der kenianischen Küste: In einem kleinen Ort wurde eine Kobra gesichtet. Die Schlange hat sich in einen Stromkasten eingenistet. Für Boniface Momanyi und Mary Mumbi von der Schlangenfarm in Watamu bedeutet das: sofort ausrücken. Denn das Tier ist giftig - ein Biss kann lebensbedrohlich sein. Doch auch für das Reptil ist der Kontakt mit Menschen gefährlich.

Menschen töten Schlangen aus Angst

In Kenia töten viele Einheimische Schlangen aus Angst sofort, sobald sie ihnen begegnen. Für Schlangenexpertin Mary Mumbi ist das eine ständige Herausforderung:

Wenn die Menschen verstehen würden, dass Schlangen wichtig sind, und es keinen Grund gibt, sie zu töten, dann könnte sich ihre Angst vielleicht in Respekt verwandeln.

Mary Mumbi, Schlangenfängerin aus Kenia

Der 32-Jährigen gelingt es dieses Mal, die Speikobra mithilfe einer Schlangengreifzange einzufangen. Solche Einsätze nutzt sie häufig, um die Anwohner aufzuklären.

So rät sie etwa dazu, Essensreste konsequent zu entsorgen, da diese Ratten anziehen - und die wiederum Schlangen. Außerdem empfiehlt sie, nachts eine Taschenlampe zu nutzen.

Tausende sterben an Schlangenbissen

Die meisten Schlangenarten in Kenia sind harmlos. Doch das Land beheimatet auch einige der gefährlichsten Arten Afrikas: etwa die grüne und schwarze Mamba, sowie die Puffotter.

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von bis zu einer Million Schlangenbisse pro Jahr in Sub-Sahara-Afrika aus, mit geschätzten 7.000 bis 20.000 Todesfällen.

Die Datenlage, so betont sie aber, sei zur tatsächlichen Zahl von Schlangenbissen lückenhaft. Denn die meisten Betroffenen leben in armen und oft abgelegenen Regionen, in denen es an Ressourcen, politischer Priorität und einer systematischen Datenerfassung fehlt.

Deshalb hat die WHO Schlangenbissvergiftungen 2017 in die Liste der vernachlässigten Tropenkrankheiten aufgenommen.

Viele können sich Behandlung nicht leisten

Die einzige wirksame Behandlung bei giftigen Schlangenbissen bleibt das Anti-Serum. Es neutralisiert das Gift und kann schwere Schäden verhindern - doch viele können sich eine Behandlung nicht leisten, sagt Dr. Eugene Erulu vom Krankenhaus in Watamu. Dazu kommt:

In den meisten Teilen dieses Landes gibt es kein Anti-Serum. Vor allem in vielen öffentlichen Einrichtungen bekommt man keines.

Dr. Eugene Erulu, Watamu Krankenhaus

Die Präparate seien teuer, und die Regierung habe für viele Kliniken schlicht nicht genug eingekauft, so der Arzt. Außerdem spielen Schlangenbisse im Medizinstudium kaum keine Rolle.

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Bislang wird das Anti-Serum aus Indien importiert. Dabei wäre ein lokal hergestelltes Mittel nicht nur kostengünstiger, sondern wirksamer, weil es auf die heimischen Schlangen besser abgestimmt werden könnte. Kenianische Forscher arbeiten daher derzeit an einer solchen Lösung.

Traditionelle Heiler auch Teil des Problems

Nach wie vor wenden sich die meisten Betroffenen in Kenia zunächst an traditionelle Heiler - aus Überzeugung, aus finanzieller Not oder weil es keine Alternativen gibt. Diese Behandlungen aber seien oft wirkungslos und könnten im schlimmsten Fall sogar lebensgefährlich sein, warnen Experten.

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Schlangenfängerin Mary Mumbi und ihre Kollegen von der Schlangenfarm Watamu hat schon oft versucht, mit den Heilern in einen Dialog zu kommen - vergeblich. Vielleicht auch, weil diese um ihr eigenes Geschäft fürchten.

Für die Speikobra aus dem Stromkasten hat Mary Mumbi ein neues Zuhause gefunden - fernab vom Wohngebiet. Dass sich immer mehr Menschen an sie und ihre Kollegen wenden, sieht sie als Zeichen des Umdenkens. Für sie steht fest: Der Schutz von Mensch und Tier gehört zusammen.

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