Model-Casting in Kenia: Nyalueth Agutos Weg raus aus der Armut?

Ausweg aus dem Flüchtlingslager? :Casting in Kenia: Nyalueth Agutos Traum vom Laufsteg

Porträt von Verena Garrett, Leiterin ZDF-Auslandsstudio Johannesburg

von Verena Garrett

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Nyalueth Aguto wächst im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia auf. Ihr Traum: Model werden - und so ihrer Familie ein anderes Leben ermöglichen. Doch der Weg in die Modewelt ist hart.

Nyalueth Ateny Aguto

Ein Model-Vertrag in Europa – den gibt es bei "Africas Next Supermodel" zu gewinnen. Nyalueth Ateny Aguto hofft, mit einem Sieg bei der Show der Armut zu entkommen.

25.11.2025 | 2:57 min

Kakuma - ein scheinbar endloses, staubiges Flüchtlingslager im Norden Kenias, an der Grenze zum Südsudan. Ein Ort, aus dem kaum jemand herauskommt. Auch Nyalueth Ateny Aguto ist hier aufgewachsen. Die 21jährige lebt bei ihrer Tante in einer Wellblechhütte.

Es ist ein Leben, in dem es an zu Vielem fehlt: Wasser, Nahrung, Perspektive. Nach der Schule hilft Nyalueth im Haushalt, sie kocht und putzt. Und danach übt sie stundenlang den Catwalk. Sie will raus und hat ein Ziel: einmal auf den Laufstegen von Paris und Mailand zu stehen.

Eine Frau hat ein Kind auf dem Arm und steht mit dem Rücken zur Kamera in einem Flüchtlingslager in Kenia.

Es gibt nicht viele Wege hinaus aus dem Flüchtlingslager Kakuma in Kenia, an der Grenze zum Südsudan. Viele junge Frauen und Männer träumen davon, als Fotomodel entdeckt zu werden. Eine von ihnen ist Nyalueth Ateny.

26.09.2025

Modeln - ein Tabu in vielen Familien

Ihr Traum ist groß - und in Kakuma nicht selbstverständlich. Als sie ihrer Familie erstmals davon erzählt, gibt es Streit. In vielen traditionellen südsudanesischen Familien gilt Modeln als Tabu, gefährlich, unsicher. "Sie sagten, das sei Prostitution", erzählt Nyalueth.

Aber ich will nicht eine Frau sein, die nur Kinder bekommt und zuhause wartet. Ich will mein eigenes Geld verdienen. Für mich - und für meine Familie.

Nyalueth Ateny Aguto

Sie steht bei "Africa’s Next Supermodel" auf der Bühne unter den letzten 16. Die Gewinnerin erhält 5.000 Dollar und einen Vertrag in Europa - für Nyalueth ein möglicher Ausweg aus der Sackgasse. "Das ist der Anfang meiner Reise", sagt sie. "Ich möchte weit kommen. Ich möchte mal für Prada laufen."

Die Macht der Agenturen - und das Erbe der Vorbilder

Gesucht werden dort junge Frauen, die perfekt funktionieren - und doch etwas Einzigartiges haben. "Sie müssen die richtigen Maße haben, ein besonderes Gesicht und Persönlichkeit", sagt Matteo Puglisu, Chef einer internationalen Modelagentur. "Ein Model muss Kleidern Leben einhauchen."

Hinter solchen Castings stehen Agenturen wie "Isis Models Africa", eine der einflussreichsten Agenturen des Kontinents. Geleitet wird sie von der Nigerianerin Joan Okorodudu, die darüber entscheidet, wer eine Chance bekommt.

Sie erinnert daran, dass schwarze Models erst spät sichtbar wurden. "Früher schafften es Schwarze auf keine Titelseite", sagt sie. "Erst Iman und später Naomi Campbell haben die Branche verändert."

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22.05.2025 | 0:32 min

Heute sind schwarze Models fester Teil der Modewelt - und viele der gefragtesten stammen aus dem Südsudan: Alek Wek, Anok Yai, Adut Akech. Auch Akech wuchs wie Nyalueth in Kakuma auf. Für viele Mädchen im Camp ist sie der lebende Beweis, dass ein globaler Karriereweg möglich ist. Doch Okorodudu warnt vor falschen Hoffnungen:

Einige Topmodels verdienen viel Geld. Viele aber sehr wenig. Ausbildung ist wichtig - das sage ich jedem meiner Talente.

Joan Okorodudu, Leiterin der Agentur "Isis Models Africa"

Zwischen Hoffnung und harter Realität

Für Nyalueth wäre ein Sieg mehr als ein Job: ein Versprechen auf ein anderes Leben. Doch der Wettbewerb ist gnadenlos. Andere junge Talente aus Zentralafrika hoffen ebenfalls - und nur wenige schaffen es in die internationalen Agenturen.

Manche, wie der Kakumaer Abraham Guol, bekommen tatsächlich Verträge, Jobs in Europa - und merken schnell, wie hart das Geschäft ist: Reisen, Schulden, ständige Ablehnung. Viele geben auf, manche kehren zurück ins Camp. Andere versuchen ihr Glück illegal weiter. Die Modewelt ist ein Traum - aber einer, der einen hohen Preis verlangt.

Dann kommt der Moment, den Nyalueth gefürchtet hat: Sie gewinnt nicht. Eine Andere erhält den Vertrag, die Chance auf Europa, das Geld, das Ticket in ein neues Leben. Doch Nyalueth gibt sich gefasst. "Gute Dinge brauchen Zeit", sagt sie.

Gottes Timing ist das beste.

Nyalueth Aguto

Für sie ist dieser Tag also kein Ende. Es ist ihr erster Schritt - weg von der Enge, in der sie aufgewachsen ist, hin zu einer Welt, die sie noch nicht kennt. Und die vielleicht irgendwann auch Platz für sie hat.

Verena Garrett ist Korrespondentin im ZDF-Studio Johannesburg.

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