Annäherung an die EU: Kanada offen für EU-Sondermitgliedschaft

Annäherung an die EU:Kanada offen für EU-Sondermitgliedschaft

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Kanadas Premier Carney unterstützt den Vorschlag, sein Land enger an die EU zu binden. Hintergrund ist auch der eskalierende Handelsstreit mit den USA.

Mark Carney: Wachsam sein beim Verteidigen der gemeinsamen Werte

Die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney im EU-Parlament.

17.09.2026 | 34:09 min

Kanada ist offen für die Idee einer Art EU-Sondermitgliedschaft. "Wir begrüßen diesen Vorstoß", sagte Premierminister Mark Carney in einer Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Umfragen zeigten, dass eine überwältigende Mehrheit der Kanadierinnen und Kanadier deutlich engere Beziehungen unterstützten.

Europa und Kanada sind jeweils für sich stark. Gemeinsam sind sie noch stärker.

Mark Carney, kanadischer Premierminister

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Mittwoch in ihrer diesjährigen Rede zur Lage der Union dafür geworben, Kanada zum ersten "assoziierten Mitglied" der Europäischen Union zu machen.

EU und Kanada: "Verstärkung dieser Allianz ist im gemeinsamen Interesse"

Claudia Davies (phoenix-Korrespondentin) im Gespräch mit Tobias Cremer (S&D, EU-Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten) und Monika Hohlmeier (EVP, Delegation für die Beziehungen zu Kanada) zum Besuch des kanadischen Premierministers.

17.09.2026 | 16:57 min

Als konkrete Bereiche für eine mögliche noch engere Zusammenarbeit nannte von der Leyen Technologiefragen, die Produktion von Rüstungsgütern sowie die Künstliche Intelligenz und die Arktispolitik. Wie die geplante assoziierte EU-Mitgliedschaft konkret gestaltet werden soll, erklärte sie allerdings zunächst nicht.

Carney: Es geht nicht um Großmacht-Rivalität

Carney sagte nun, Kanada und Europa sollten ihre strategische Autonomie durch eine enge Zusammenarbeit über das gesamte Spektrum strategischer Fähigkeiten hinweg sichern.

Wir wollen widerstandsfähiger werden, damit niemand unsere offenen Märkte kontrollieren, unsere Souveränität beeinträchtigen, unsere territoriale Unversehrtheit bedrohen oder unsere Freiheiten, unsere Demokratien und unsere Rechtsstaatlichkeit untergraben kann.

Mark Carney, kanadischer Premierminister

Carney betonte, es gehe nicht darum, einen dritten Block zu schaffen, der zu einem Rivalen der Großmächte werden solle. Man strebe nicht nach Macht, um andere zu beherrschen.

Zahlreiche EU-Abgeordnete standen nach seiner Rede auf und klatschten. Vor allem Abgeordnete aus dem rechten Spektrum des Parlaments blieben hier wie am Vortag bei von der Leyens Ankündigung leise.

Bell-Canada-CEO Mirko Bibic (v. l. n. r.), Kanadas Premierminister Mark Carney, Saskatchewan-Premierminister Scott Moe

Um die Auswirkungen der US-Zölle abzufedern, wirbt Kanadas Premierminister Carney um internationale Investoren. US-Präsident Trump hatte auf bestimmte kanadische Waren Zölle verhängt.

15.09.2026 | 0:23 min

Trump reagiert mit Drohungen

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor auf den Vorschlag von der Leyens mit einer Drohung reagiert. "Ich halte das für lächerlich", sagte er auf den Vorschlag angesprochen. Falls er es als "feindseligen Akt" empfinden sollte, würde er hohe Zölle verhängen oder den Handel mit Europa in vielen Bereichen einstellen, warnte Trump vor Reportern.

Er sagte allerdings auch, dass es in Ordnung sei, falls die Absicht gut sei - ohne genauer zu erläutern, woran er das festmachen würde. Zu Kanada sagte er nur, das Nachbarland sei zuletzt ein "schrecklicher Handelspartner" gewesen.

Die USA und Kanada befinden sich aktuell in einem festgefahrenen Handelsstreit, der zuletzt wieder eskaliert war. Im Zollkonflikt mit der EU hatten sich die Vereinigten Staaten vor mehr als einem Jahr auf ein Zollabkommen geeinigt.

ZDF-Reporter Andreas Stamm in Straßburg

Von der Leyens Vorschlag, Kanada könnte ein "assoziiertes" Mitglied der EU werden, habe sowohl die EU-Mitglieder als auch den kanadischen Premier Carney überrascht, so ZDF-Reporter Stamm.

17.09.2026 | 1:35 min

EU-Kommission: Vorschlag richtet sich "gegen niemanden"

Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte am Donnerstag: "Wie unsere Präsidentin gestern klargemacht hat, richtet sich die vorgeschlagene Stärkung unserer Partnerschaft mit Kanada gegen niemanden. Sie soll vielmehr unsere gemeinsame Stärke fördern."

Als ein Hintergrund von Kanadas Wunsch nach einer engeren Bindung an die EU gilt der immer weiter eskalierende Streit mit dem mächtigen Nachbarn USA. US-Präsident Trump hat jüngst Zölle von bis zu 50 Prozent auf eine lange Liste kanadischer Produkte verhängt. Kanada hat darauf mit Gegenzöllen reagiert. Carney selbst hat für seinen Kurs gegenüber der Regierung von US-Präsident Trump in Kanada großen Rückhalt erhalten - auch wenn der Streit die Wirtschaft auf die Probe stellt.

Mit der EU ist Kanada derzeit vor allem über das Freihandelsabkommen Ceta eng verbunden. Dieses wird seit 2017 vorläufig angewendet, ist aber noch immer nicht endgültig in Kraft, weil zehn Mitgliedstaaten es bisher nicht ratifiziert haben.

Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 17.09.2026 ab 05:30 Uhr.
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