Experte zu Robotern im Alltag:"Wir stehen sehr nahe vor dem ChatGPT-Moment der Robotik"
Humanoide Roboter sprinten schneller als Usain Bolt und können im Haushalt helfen. Im Interview erklärt ein Experte, wie sie künftig unseren Alltag verändern könnten.
Die Entwicklung bei humanoiden Robotern sei gigantisch. Jede Prognose von Robotik-Experte Prof. Jan Peters sei übertroffen worden. Ihre Fähigkeiten hängen heute vor allem von Investitionen ab.
27.08.2026 | 17:30 minBei den World Humanoid Robot Games in China hat sich gezeigt, was humanoide Roboter schon alles können - und wo es noch hakt. Auch wenn Haushaltsarbeiten derzeit noch zu den schwierigsten Aufgaben für humanoide Roboter zählen, könnten sie in Zukunft vieles verändern.
Im Interview mit ZDFheute live erklärt Robotik-Experte Jan Peters von der TU Darmstadt, warum er schon bald den entscheidenden Durchbruch erwartet.
Sehen Sie das Interview in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Was kostet ein humanoider Roboter?
Dass Roboter in der Luft einen Salto machen oder mit rasanter Geschwindigkeit laufen - das alles habe man schon vor zehn Jahren gesehen, sagt Robotik-Experte Peters. Entscheidend sei jetzt der "gigantische" Preisverfall von humanoiden Robotern.
Als ich vor vier Jahren einen humanoiden Roboter bestellt habe, musste man noch fast zwei Millionen Euro hinlegen, jetzt ist es weniger als ein Kleinwagen.
Jan Peters, TU Darmstadt
Quelle: ZDF / Academy Europe
Gleichzeitig passierten "gigantische" technische Entwicklungen, "die man gar nicht im Augenblick alle überblicken kann".
Bei Pekings Welt-Roboter-Spielen messen sich erstmalig menschenähnliche Roboter in Aufgaben im Haushalt. Bis 2035 sollen in allen Lebensbereichen in China intelligente Systeme eingesetzt werden.
22.08.2026 | 1:12 minWie verändern humanoide Roboter unseren Alltag?
Nahezu jede Aufgabe sei mit Robotern sehr gut automatisierbar, sagt Robotik-Experte Peters. Jedes Modell könne sich relativ nahtlos in den Haushalt einbringen. "Man kann zum Beispiel Zielfotos an Roboter geben und sagen, räume das Zimmer so auf, wie es da ist." Auch Tätigkeiten, wie die Spülmaschine ausräumen, könnten Roboter übernehmen. Technisch sei das machbar, so Peters. Bis solche Aufgaben stabil laufen würden und von einem "normalen Nutzer" genutzt werden könnten, würde es noch dauern. Dennoch ist er von einer Sache überzeugt.
Dass wir innerhalb von zehn Jahren typischerweise einen humanoiden Roboter zu Hause haben, da kann man sich eigentlich schon ziemlich sicher sein. Außer die Dinger werden zu teuer.
Jan Peters, TU Darmstadt
Eine Anwendung, über die noch zu wenig geredet werde, seien sogenannte "Bionics", Humaniode mit menschenähnlichen Gesichtern. Er glaubt, dass künftig mehr und mehr Menschen einen Bionic von Verstorbenen zu Hause haben werden. Diese würden mit E-Mails und alten Videos trainiert, sodass man im Anschluss "tatsächlich Gespräche führen kann", so Peters.
Sie sollen Pfannkuchen backen und massieren: Pekings neue, menschenähnliche Roboter unterstützen bereits in Pflegeheimen – Anspruch und Wirklichkeit klaffen aber noch weit auseinander.
12.08.2026 | 6:17 minErsetzen humanoide Roboter uns bei der Arbeit?
Laut Robotik-Experte Peters könnten humanoide Roboter in der Arbeitswelt zunächst einfache Hol- und Bringaufgaben übernehmen. Die brauche es fast überall, ob in der Logistik oder auch in Pflegeheimen. Mithilfe Künstlicher Intelligenz könnten Roboter künftig schnell für neue Tätigkeiten umprogrammiert werden. Peters erwartet deshalb, dass "hin und wieder ein Humanoider in die Rolle, die zuvor ein Mensch hatte, schlüpft". Die Industrie der Zukunft werde nach seiner Einschätzung deutlich anders aussehen als die jetzige.
Ich denke, wir stehen sehr, sehr nahe vor dem ChatGPT-Moment der Robotik, wo erst alle im Augenblick doch so ein bisschen lächeln und sagen, naja, ein gut trainierter Mensch könnte das schneller als diese Roboter.
Jan Peters, TU Darmstadt
Das sei aber wie das ChatGPT von 2022, "wo alle sagen, oh wie cool, aber wie viele Halluzinationen hat es." Heute hätten viele durch KI-Modelle "einen Kollegen, der deutlich schlauer ist als die ganzen anderen Kollegen, die sie um sich herumhaben."
Beim Halbmarathon in Peking traten parallel zu den menschlichen Athleten auch Roboter an. Der schnellste Roboter brauchte für die 21 Kilometer nur knapp über 50 Minuten – neuer Weltrekord.
19.04.2026 | 1:24 minEr habe nicht damit gerechnet, dass die Entwicklung so schnell voranschreiten würde - sogar für ihn als Fachmann sei das "verunsichernd". Dennoch ist er überzeugt: "Viele Dinge kommen zur richtigen Zeit", gerade in Bezug auf die Überalterung der Gesellschaft.
Das Interview bei ZDFheute live führte Christina von Ungern-Sternberg. Zusammengefasst hat es Caroline Kleine-Besten.
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