"So lange wie nötig fortsetzen":Frankreich: 600.000 Menschen demonstrieren für höhere Löhne
600.000 Menschen auf den Straßen, 70.000 Polizisten im Einsatz: Frankreich erlebt seine größten Proteste des Herbsts. Die Gewerkschaften wollen die Regierung in die Knie zwingen.
Blockierte Schulen, ausgefallene Züge und ein geschlossener Eiffelturm: In Frankreich demonstrieren vor allem junge Leute und Gewerkschaftler für bessere Lernbedingungen und höhere Gehälter.
05.11.2026 | 1:35 minBei Protesten für höhere Löhne und zur Unterstützung der Schüler- und Studentenbewegung sind in Frankreich am Donnerstag nach Angaben des Innenministeriums mehr als 600.000 Menschen auf die Straße gegangen.
Die Gewerkschaft CGT sprach von fast 1,6 Millionen Teilnehmern bei mehr als 200 Demonstrationen im ganzen Land, davon nach ihrer Schätzung allein 350.000 in Paris. Damit handelt es sich auf jeden Fall um die bislang größten Kundgebungen in Frankreich in diesem Herbst.
Mehr Demonstrierende als Mitte Oktober
Die Angaben übertrafen die Zahlen vom 17. Oktober, als es bei Protesten zu Ausschreitungen und Plünderungen gekommen war. Laut Innenminister Laurent Nuñez waren 70.000 Polizisten im Einsatz, unterstützt von gepanzerten Fahrzeugen, Drohnen und Hubschraubern.
Die CGT erklärte, die hohe Beteiligung an den Demonstrationen markiere eine neue Etappe der Mobilisierung. Sie werde ihren Kampf "so lange wie nötig fortsetzen", um die Regierung und die Arbeitgeber zu zwingen, ihren Forderungen nachzugeben.
In Frankreich haben rund 600.000 Menschen in zahlreichen Städten protestiert. Sie fordern unter anderem höhere Löhne sowie bessere Bedingungen an Schulen und Universitäten.
05.11.2026 | 1:31 minStudentin: "Die Bewegung ist bereits global"
Die Behörden in der Bretagne teilten mit, in Rennes hätten Vermummte versucht, Straßen zu blockieren. Junge Menschen, oft in Begleitung von Erwachsenen, hätten "schwere Gewalttaten" begangen und unter anderem Stahlkugeln auf Polizisten geschleudert. Auch aus Lyon, Nantes, Pau, Orléans und Toulouse meldeten die Behörden Spannungen, Handgemenge und andere Zwischenfälle.
Die landesweiten Proteste sind aus Sicht der 21-jährigen Studentin Garance Blaise Ausdruck einer inzwischen mindestens europaweiten Bewegung.
Wir müssen jedem einzelnen Kind hier in diesem Land eine ordentliche Zukunft geben.
Garance Blaise, 21-jährige Studentin
Es gehe darum, dass man nicht wisse, ob man einen Job bekomme. Die Eltern wüssten das, stimmten ihren Kindern zu und hätten selbst auch Forderungen. "Ich denke also, die Bewegung ist bereits global, sie ist bereits überall in Europa", sagte sie. "Es ist die ganze Bevölkerung."
Wie reagiert Frankreichs Regierung auf die Forderungen?
In Reaktion auf die Massenproteste kündigte Premierminister Sébastien Lecornu für Montag eine Sozialkonferenz mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden an, "um Lösungen für Fragen der Kaufkraft und der Löhne zu finden".
Der Arbeitsminister solle seine Konsultationen in der Sache bis zum Sonntag abschließen. Parallel dazu setze der Minister für öffentliche Finanzen seinen Dialog mit den Vertretern des öffentlichen Dienstes fort, hieß es.
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05.11.2026 | 4:05 minMehr Geld und Personal für Schulen
Neben der Ankündigung, den Mindestlohn anzuheben, kam die Mitte-Regierung von Premier Sébastien Lecornu den Protestierenden bislang beim Thema Schulen entgegen. Mehr Personal und Mittel wurden in Aussicht gestellt.
Um die Spritpreise zu senken und Entlastung bei den hohen Lebenshaltungskosten zu bieten, gab die Regierung außerdem kürzlich zehn Millionen Barrel Diesel aus ihren Reserven frei. Für drei Monate soll der Liter dadurch an der Tankstelle um 12 bis 18 Cent preiswerter werden.
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