Nach Protesten und Ausschreitungen:Frankreichs Handel beklagt schwere Einbußen
Wegen der landesweiten Proteste in Frankreich ist der Umsatz in den betroffenen Innenstädten massiv eingebrochen. Online werden Anzeigen für mutmaßliche Plünderware gelöscht.
Seit Beginn der Ausschreitungen in französischen Innenstädten verrammeln viele Geschäfte ihre Schaufenster mit Holzplatten.
Quelle: Matthieu Rondel / dpaFrankreichs Einzelhandel beklagt massive Einbußen wegen der landesweiten Massenproteste mit schweren Ausschreitungen. An den vergangenen beiden Samstagen sei der Umsatz in den Innenstädten, in denen es zu Demonstrationen kam, um 80 Prozent eingebrochen, weil die Kundschaft die Stadtzentren meide, teilte die Handelskammer CCI France mit, wie der Sender France Info berichtete.
Bei den größten Demonstrationen in Frankreich kam es am Wochenende erneut zu Ausschreitungen. „Die Themen und Anliegen sind nicht vom Tisch“, so Politikwissenschaftler Jacob Ross.
26.10.2026 | 5:21 minHandelskammerchef fordert Verbot von Demonstrationen
Eine Fortsetzung der Proteste habe für den Handel, der im November und Dezember 40 Prozent seines Jahresumsatzes mache, schwere Folgen, sagte Handelskammerchef Alain Di Crescenzo. Er forderte ein Verbot von Demonstrationen in den Städten bis zum Jahresende.
Bei den Ausschreitungen an den vergangenen beiden Samstagen seien frankreichweit über 2.500 Geschäfte beschädigt worden, die meisten davon am 17. Oktober, teilte die Handelskammer mit. Davon seien 1.161 Geschäfte durch Plünderungen, Verwüstungen und Brandstiftungen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Am schlimmsten betroffen sei die Hafenstadt Marseille mit 527 Geschäften. 331 Läden seien dort verwüstet und 128 vollständig geplündert worden.
Eine Woche nach den Massenprotesten sind in Frankreich erneut hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen. Laut Innenminister Nuñez kam es am Rande der Protestzüge erneut zu Ausschreitungen.
25.10.2026 | 1:48 minViele Geschäfte verrammeln Schaufenster
In Paris und anderen Städten verrammelten viele Geschäfte ihre Schaufenster vor den Demonstrationen am vergangenen Samstag mit Holzplatten. Weil bereits weitere Proteste für den anstehenden Samstag und den Donnerstag nächster Woche angekündigt wurden, montierten etliche Läden die Schutzvorrichtungen erst gar nicht ab. Teils ist nur die Eingangstür der Geschäfte zugänglich und von den Waren von außen nichts zu sehen.
Es gab auch Berichte von Geschäftsinhabern, die sich vor den Demonstrationen vom vergangenen Samstag bewaffneten, um Angreifer eigenhändig abzuwehren, etwa mit Eisenstangen oder Tränengas. Auch rechtsextreme Gruppen und Hooligans mobilisierten in einigen Städten - angeblich, um die Geschäfte zu schützen. Vielfach lieferten sie sich aber gewalttätige Auseinandersetzungen mit linken Demonstranten.
In Frankreich haben erneut Hunderttausende für ein besseres Bildungs-System protestiert. Vor allem in Paris kam es zu Ausschreitungen, landesweit wurden fast 1.000 Menschen festgenommen.
25.10.2026 | 0:23 minOnline-Plattformen löschen Anzeigen für mutmaßliche Plünderware
Währenddessen löschten Online-Plattformen nach Regierungsangaben mehr als 1.700 Anzeigen - wegen des Verdachts auf Handel mit Waren aus geplünderten Geschäften. Zudem seien 237 Nutzerkonten gesperrt worden, sagte der französische Handelsminister Serge Papin in einem am Dienstagabend veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Le Parisien". Einige Waren waren kurz nach den Ausschreitungen infolge von Protesten am 17. Oktober auf den Plattformen angeboten worden.
Laut Papin erhielten die Behörden fast 800 Hinweise, viele Fälle würden weiter untersucht. Die Regierung hatte zwei Tage nach den Ausschreitungen unter anderem den Gebrauchtmode-Onlinehändler Vinted, die Plattform Ebay und den Videodienst TikTok kontaktiert, nachdem zahlreiche Geschäfte geplündert, in Brand gesetzt oder beschädigt worden waren. Erste Inserate mit originalverpackter Neuware oder ungewöhnlich günstiger Markenkosmetik waren bereits am Tag nach den Ausschreitungen im Internet aufgetaucht.
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