Ausschreitungen in Frankreich:Nach Protesten kursieren KI-Bilder und ungeprüfte Infos
von Katja Belousova und Kevin Schubert
Ein Paar, das bis auf die Unterwäsche ausgeraubt worden sein soll, und Bilder von Paris in dunklem Rauch: Nach den Demos in Frankreich kursieren im Netz falsche Infos und KI-Fakes.
Nach den schweren Ausschreitungen am Rande von Protesten in Frankreich versuchen Ladenbesitzer, das Chaos zu beseitigen. Die Lage im Land bleibt angespannt.
19.10.2026 | 2:53 minNach den Massenprotesten in Frankreich kursieren in den sozialen Medien zahlreiche Infos und Videos von teils massiven Ausschreitungen und Plünderungen. Viele davon sind echt. Doch auch zahlreiche nicht verifizierte Inhalte sowie KI-generierte und von KI verfälschte Bilder gehen viral.
Ein Beispiel ist das Bild eines älteren Paares in Unterwäsche, das von verschiedenen Accounts auf X Zehntausende Male geteilt wurde und Millionen Aufrufe hat.
Auf offener Straße ausgeraubt? Ein KI-Fake.
Quelle: @DolceVenezia74 / X.comEin X-Account behauptet, das Bild zeige "ein Paar in seinen 80ern, dem auf offener Straße alles genommen wurde und das halb nackt zurückgelassen wurde". Als dafür verantwortlich sieht er "eine radikale Linke, die eure eigene Identität geopfert hat, um aus eurem Land ein Kriegsgebiet zu machen".
Bei näherer Betrachtung fallen jedoch einige Unstimmigkeiten auf, die für KI-generierte Inhalte typisch sind. Die Frau etwa hat an der linken Hand offenbar nur vier Finger. Zudem reden offenbar zwei maskierte Demonstranten mit ihr, es sind aber nur ein paar Beine und Füße zu sehen. Auch eine Überprüfung des Bildes bei Googles SynthID Detector zeigt: Das Bild wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt:
Screenshot der Bild-Analyse mit SynthID.
Quelle: SynthID; @DolceVenezia74 / X.comFranzösische Medien wie "France24" und "Liberation" berichten zudem, dass den Ermittlungsbehörden keine Hinweise zu einem solchen Vorfall vorlägen.
In Frankreich wurden nach schweren Ausschreitungen zwischen Demonstrierenden und Polizei in Teilen mehrerer Städte Ausgangssperren verhängt. Betroffen waren unter anderem Paris, Lille und Nizza.
20.10.2026 | 0:18 minRauchschwaden über Paris? Mit Hilfe von KI erzeugt
Unter anderem auf Instagram tauchte folgendes Bild auf, das dunkle Rauchschwaden über Paris zeigt. Gepostet wurde es unter anderem vom Account "lionel_saal_" und bekam mehr als 500.000 Likes.
Brennendes Paris: Mit KI erstellt.
Quelle: @lionel_saal_ / Instagram.comDer Account versah das Bild unter anderem mit den Hashtags "Bürgerkrieg", "Krieg" und "Dritter Weltkrieg".
Doch eine Überprüfung dieses Bildes bei SynthID zeigt, dass auch hier KI am Werk war. Die Analyse ergibt: "Dieser Medieninhalt wurde mit OpenAI erstellt oder bearbeitet."
Screenshot der Bild-Analyse mit SynthID.
Quelle: SynthID; @lionel_saal_ / Instagram.comRosaroter Panther bei Ausschreitungen ebenfalls KI-generiert
Ein weiteres Beispiel sind die Bilder einer Person in einem Kostüm des rosaroten Panthers. Die Bilder zeigen den Panther unter anderem vor einem Wasserwerfer und wie er von zwei Polizisten davongetragen wird.
Auch diese Bilder sind KI-generiert oder mit KI bearbeitet. Erstellt hat sie der Creator "AliFramez". Auf Instagram postet er regelmäßig KI-Bilder von fiktiven Charakteren bei Ausschreitungen. Auf seinem eigenen Account sind die Bilder transparent als "KI-Inhalt" gelabelt. BBC Verify gegenüber sprach "AliFramez" von einem "Kunstprojekt" und davon, dass er nicht vorgehabt habe, zu den Demonstrationen in Paris "viral zu gehen".
BBC-Video zum Rosaroten Panther
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Auf dem Account von "AliFramez" sind die Bilder aktuell nicht mehr zu sehen (Stand: 20.10.2026, 15 Uhr), in den sozialen Medien kursieren sie aber weiterhin. Zahlreiche andere Accounts haben die Bilder aufgegriffen und weiterverbreitet.
Palästina-Flagge mit Stern auf Eiffelturm?
Gefälscht ist auch ein Video, das den Eiffelturm in der Hand pro-palästinensischer Aktivisten zeigen soll. Es wurde auf X vom stellvertretenden Vorsitzenden der Kurdischen Gemeinde Deutschlands, Mehmet Tanriverdi, gepostet. Unter anderem Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, hat es repostet. Von X selbst wurde das Video als KI-Inhalt gekennzeichnet.
Auf dem Eiffelturm wurde keine palästinensische Flagge mit Stern gehisst. Das Video ist ein Fake.
Quelle: @Mehmet Tanriverdi / X.comDabei ist aber nicht nur das Video des Eiffelturms selbst ein Fake, sondern auch die mutmaßliche Flagge an der Spitze. Denn die Flagge Palästinas hat keinen Stern. Dafür hat die verwandte Flagge Jordaniens einen Stern - aber mit sieben Spitzen und nicht mit fünf wie im Video.
Wurden in Marseille gezielt jüdische Geschäfte attackiert?
Rund um die Proteste kursieren aber nicht nur Fake-Bilder, sondern auch unbestätigte Informationen. So berichtete der Journalist Paul Amar beim Sender CNews, dass gewalttätige Demonstranten in Marseille die Adressen jüdischer Ladenbesitzer gehabt hätten. In einer Straße seien gezielt jüdische Geschäfte angezündet worden.
Unter anderem die Europäische Rabbinerkonferenz griff die "zutiefst beunruhigenden Berichte darüber, dass in Marseille gezielt jüdische Geschäfte angegriffen wurden", auf und verurteilte die gewalttätigen Ausschreitungen "aufs Schärfste".
Europäische Rabbinerkonferenz auf X
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Richtig ist, dass in den vergangenen Tagen auch jüdische Einrichtungen in Frankreich beschädigt wurden. In Paris drangen Unbekannte in eine Synagoge ein. In Marseille wurden am 17. Oktober mehrere - teils auch von jüdischen Personen betriebene - Geschäfte beschädigt. Allerdings gibt es nach Angaben des französischen Dienstes zum Schutz der jüdischen Gemeinschaft (SPCJ) keine Hinweise darauf, dass gezielt jüdische Einrichtungen attackiert wurden.
In einer Mitteilung auf X teilte der SPCJ zu den Angriffen in Marseille mit: "Derzeit gibt es keinerlei Anhaltspunkte dafür, einen Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen und ihren Betreibern herzustellen."
Post des französischen Dienstes zum Schutz der jüdischen Gemeinschaft
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Beim Eindringen in die Pariser Synagoge kam es laut SPCJ zu Sachbeschädigungen, antisemitische Schmierereien seien aber nicht festgestellt worden. Erste Erkenntnisse deuteten deshalb auf einen Einbruch hin, "die genauen Umstände und das Motiv müssen jedoch noch bestätigt werden." Der SPCJ hat seine Informationen nach eigenen Angaben mit den zuständigen Behörden abgeglichen.
Daher ruft der französische Dienst zum Schutz der jüdischen Gemeinschaft "zu Besonnenheit und Verantwortungsbewusstsein auf" und dazu, "keine unbestätigten Informationen weiterzuverbreiten".
Nach den zum Teil massiv eskalierten Protesten in Frankreich läuft die Aufarbeitung. Neben den Randalierern stehen auch Polizei und Regierung in der Kritik.
19.10.2026 | 1:52 minLassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
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