Ausschreitungen in Frankreich:Minister räumt "Kontrollverlust" ein - Rücktritt abgelehnt
997 verletzte Einsatzkräfte, 2.331 Festnahmen: Nach den Ausschreitungen in Frankreich räumt Innenminister Nuñez einen "Kontrollverlust" ein. Sein Rücktrittsangebot lehnt Macron ab.
Präsident Macron kündigt nach den Ausschreitungen in Frankreich ein hartes Vorgehen an. Er plant diese Woche einen Runden Tisch mit Schülern, Lehrern, Gewerkschaften und Wirtschaftsvertretern.
19.10.2026 | 0:26 minBei den Ausschreitungen in Frankreich sind allein in Paris am Sonntag und in der Nacht zum Montag weitere 350 Menschen festgenommen worden. Dies teilte Innenminister Laurent Nuñez am Montag mit.
Landesweit wurden am Wochenende 2.331 Menschen in Polizeigewahrsam genommen, wie Justizminister Gérald Darmanin dem Sender France 2 sagte. Gegen mehr als 80 Prozent von ihnen werde strafrechtlich vorgegangen. Mehrere Dutzend Verdächtige seien bereits in Untersuchungshaft genommen worden, darunter 13 alleine im südfranzösischen Marseille.
Die Behörden in Marseille haben für Montag öffentliche Versammlungen und Demonstrationen verboten. Das Verbot gelte von 12.00 Uhr bis 20.00 Uhr (MESZ), teilte die örtliche Verwaltung mit.
Innenminister räumt "Kontrollverlust" ein - Rücktritt abgelehnt
Innenminister Nuñez räumte unterdessen einen "Kontrollverlust" der Polizei in "einigen Großstädten" bei den Gewaltexzessen vom Samstag ein. Die Sicherheitskräfte seien nicht ausreichend auf die große Zahl von Randalierern und Plünderern vorbereitet gewesen, sagte er dem Sender France Inter.
Innenminister Laurent Nuñez.
Quelle: ddp / Tschaen Eric/PoolDer Innenminister hatte Präsident Emmanuel Macron am Sonntag laut dem Élysée-Palast seinen Rücktritt angeboten. Macron lehnte dies jedoch laut dem Élysée mit Verweis auf die "notwendige Kontinuität bei der Führung der Sicherheitskräfte" ab.
Das brennende Rathaus in Limoges, hunderte verletzte Einsatzkräfte, 1.800 Festnahmen: Nach den Massenprotesten in Frankreich tritt das Ausmaß der Gewalt langsam zutage.
18.10.2026 | 2:45 minVerband: Mehr als 2.000 Geschäfte betroffen
Nach Einschätzung des französischen Industrie- und Handelskammertags könnten landesweit mehr als 2.000 Geschäfte von den Ausschreitungen betroffen sein. Bis Sonntagabend seien rund 1.500 Fälle erfasst worden, sagte Verbandspräsident Alain Di Crescenzo dem Sender RTL. Er bezifferte den Schaden auf Hunderte Millionen Euro.
Was als Schülerdemonstration in Frankreich begonnen hatte, ist nun zu landesweiten Protesten eskaliert. Am Samstag kam es erneut zu Ausschreitungen in Paris, bei denen auch Läden geplündert wurden.
19.10.2026 | 0:30 minAllein in Paris wurden am Sonntag und in der Nacht zum Montag weitere rund 30 Geschäfte geplündert, wie Bürgermeister Emmanuel Grégoire mitteilte. Er sprach von neuen "unerträglichen Szenen". Handelsminister Serge Papin wollte am Montag mit Vertretern von Handel, Banken und Versicherungen über Hilfen beraten.
Staatsanwältin kündigt konsequente Verfolgung an
Die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau kündigte unterdessen eine konsequente Verfolgung der Verantwortlichen an. "Wir werden nicht locker lassen", sagte sie dem Sender TF1. Auch Blutspuren, Fingerabdrücke und Videoaufnahmen sollten ausgewertet werden, um Plünderer und Gewalttäter zu identifizieren. Die Polizei richtete dafür eine Sonderermittlungsgruppe ein.
Die Mehrheit habe friedlich demonstriert. Eine kleine Minderheit suche gezielt die Konfrontation, so die Politikwissenschaftlerin Claire Demesmay über die Proteste in Frankreich.
18.10.2026 | 4:37 minIn ganz Frankreich war es am Wochenende und insbesondere am Samstag zu massiver Gewalt gekommen. Geschäfte wurden geplündert, Gebäude und Fahrzeuge gingen in Flammen auf, Demonstranten lieferten sich erbitterte Straßenschlachten mit der Polizei, die unter anderem Tränengas einsetzte.
Nach Angaben des Innenministeriums wurden dabei 997 Polizisten und andere Sicherheitskräfte verletzt, sieben von ihnen schwer.
Gelbwesten planen neue Proteste
Die Proteste hatten im September wegen eines Lehrermangels an Schulen in sozialen Brennpunkten begonnen. Inzwischen richten sie sich generell gegen soziale Ungleichheit, Kürzungen bei den öffentlichen Ausgaben und die Inflation.
Für den kommenden Samstag hat die sogenannte Gelbwestenbewegung erneut zu Protestaktionen aufgerufen. Auf einer im Internet veröffentlichten Karte waren bereits Dutzende Protestaktionen in Paris und anderen Orten verzeichnet.
Die Unruhen setzen Macron vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zusätzlich unter Druck. Der Präsident darf bei der Wahl nicht mehr antreten. Umfragen deuten auf einen Sieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen hin.
Gewalt, Plünderungen und brennendes Rathaus: Die Ausschreitungen in Frankreich erreichen einen neuen Höhepunkt. Wie tief die Krise ist, ordnet ZDFheute live ein.
18.10.2026 | 21:36 minLassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
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