Ausschreitungen in Frankreich:Neue Unruhen in Paris - Macron kündigt Runden Tisch an
Einen Tag nach den schweren Krawallen in Frankreich ist es in Paris wieder zu Ausschreitungen gekommen. Präsident Macron verurteilte die Gewalt und kündigte einen Runden Tisch an.
Das brennende Rathaus in Limoges, hunderte verletzte Einsatzkräfte, 1.800 Festnahmen: Nach den Massenprotesten in Frankreich tritt das Ausmaß der Gewalt langsam zutage.
18.10.2026 | 2:45 minAuch am Tag nach den Gewaltexzessen am Rande der landesweiten Proteste in Frankreich ist es in Paris zu neuen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Am Platz der Republik im Zentrum der Hauptstadt habe es gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen mehreren hundert Demonstranten und den Ordnungskräften gegeben, teilte am Sonntagabend die Polizei mit. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie in dem Stadtviertel wieder Geschäfte geplündert wurden. Die Polizei setzte Tränengas ein.
Der symbolträchtige Platz der Republik war bereits am Samstag einer der Schauplätze der massiven Ausschreitungen, zu denen es in ganz Frankreich kam. Dabei wurden nach Behördenangaben vom Sonntagabend landesweit etwa 2.400 Menschen festgenommen, fast 1.000 Polizisten und Feuerwehrleute wurden verletzt. Auch aus Toulouse und Lyon wurden neue Zusammenstöße gemeldet, die aber bei weitem nicht den Umfang der Ausschreitungen vom Samstag hatten.
Macron verurteilt die Gewalt: "Nichts rechtfertigt das"
Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt am Sonntagabend in einer Fernsehansprache scharf. "Nichts rechtfertigt das, nichts erklärt das, nichts entschuldigt das", sagte Macron.
Wir alle empfinden heute Abend Wut und Scham.
Emmanuel Macron, französischer Präsident
Der Präsident rief zugleich dazu auf, Demonstranten mit "legitimen Forderungen" nicht mit denjenigen zu verwechseln, "die zerstört, zertrümmert und geplündert haben".
Die Mehrheit habe friedlich demonstriert. Eine kleine Minderheit suche gezielt die Konfrontation, so die Politikwissenschaftlerin Claire Demesmay über die Proteste in Frankreich.
18.10.2026 | 4:37 min"Es ist unerträglich, die Straßen unserer Städte derart verwüstet zu sehen", sagte Macron weiter. Die Verantwortlichen würden die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. "Diejenigen, die zerstört haben, werden zahlen müssen." Die Regierung werde "kompromisslos" gegen "Agitatoren aus ultralinken Randgruppen" vorgehen, "denen sich zahlreiche Straftäter angeschlossen haben".
Macron will Polizeieinsätze überprüfen lassen
Der Präsident kündigte zugleich eine Überprüfung der Polizeieinsätze an. Es müsse geklärt werden, ob es im Vorfeld der Proteste Versäumnisse bei der Informationsbeschaffung der Geheimdienste oder der Vorbereitung der Sicherheitskräfte gegeben habe.
Zudem sollen Präfekten und Bürgermeister die Befugnis erhalten, bestimmte Versammlungen bei Bedarf zu verbieten. Den von manchen Oppositionspolitikern geforderten Ausnahmezustand rief der Staatschef nicht aus.
Bei Protesten in Frankreich wurden 600 Einsatzkräfte verletzt und mehr als 2.000 Menschen festgenommen. In Limoges brannte das Rathaus. Hunderte Geschäfte wurden verwüstet.
18.10.2026 | 1:49 minPräsident kündigt Runden Tisch an
Um die Krise zu bewältigen, forderte Macron die Regierung auf, noch in dieser Woche Vertreter von Studenten, Lehrern, Parlamentariern, Gewerkschaften und der Wirtschaft zusammenzubringen. Ziel sei es, konkrete Vorschläge zu erarbeiten. Weitere Details nannte Macron zunächst nicht.
Wir müssen uns an einen Tisch setzen und gemeinsam Lösungen erarbeiten.
Emmanuel Macron, französischer Präsident
Er sieht sich in seinen letzten sechs Monaten im Amt wachsendem Druck durch Proteste gegenüber.
Schwere Unruhen in ganz Frankreich
In ganz Frankreich war es am Samstag zu massiver Gewalt gekommen. Geschäfte wurden geplündert, Gebäude und Fahrzeuge gingen in Flammen auf, Demonstranten lieferten sich erbitterte Straßenschlachten mit der Polizei, die unter anderem Tränengas einsetzte.
Gewalt, Plünderungen und brennendes Rathaus: Die Ausschreitungen in Frankreich erreichen einen neuen Höhepunkt. Wie tief die Krise ist, ordnet ZDFheute live ein.
18.10.2026 | 21:36 minDie Gewalt begann am Rande eines Protesttages gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem. An den Aktionen nahmen am Samstag landesweit nach Regierungsangaben rund 550.000 Menschen teil, die Organisatoren sprachen von rund 800.000 Demonstranten.
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