Streit um Namen pflanzlicher Produkte:EU vertagt Entscheidung über "Veggie-Burger"-Verbot
Dürfen Veggie-Produkte weiter "Burger" heißen? Die EU kann sich nicht auf Regeln für die Bezeichnung pflanzlicher Produkte einigen. Die Verhandlungen sind auf 2026 verschoben.
Die EU berät darüber, ob Fleischersatzprodukte Namen wie "Burger", "Wurst" oder "Steak" tragen dürfen.
10.12.2025 | 0:24 minIn der EU bleibt die Zukunft von Namen wie "Tofu-Wurst", "Soja-Schnitzel" oder "Veggie-Burger" für vegetarische Produkte zunächst offen. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments konnten sich nach intensiven Verhandlungen in Brüssel zunächst nicht auf neue Vorgaben einigen, wie Verhandlungsteilnehmer der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Die Entscheidung wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.
Im Raum steht ein Verbot solcher Begriffe. Dies wird mit dem Schutz von Verbrauchern und Landwirten begründet. Bislang dürfen typische Bezeichnungen für Fleischprodukte auch für pflanzliche Alternativen verwendet werden.
Das EU-Parlament diskutiert über die Bezeichnung von Veggie-Produkten.
07.10.2025 | 1:42 minDebatte über Fleischbegriffe verzögert Fortschritte
Die EVP-Fraktion, zu der auch CDU und CSU gehören, hatte den Vorstoß im EU-Parlament eingebracht. Federführend verantwortlich war die französische Abgeordnete Céline Imart. Sie sagte nach Ende der Verhandlungsrunde, dass die Gespräche im kommenden Jahr fortgesetzt würden. Sie werde weiterhin für die Parlamentsposition kämpfen.
Konkret sollen Begriffe wie "Steak", "Schnitzel", "Burger" und "Wurst" nur noch für Tierprodukte verwendet werden dürfen. Deutsche Unionsabgeordnete stimmten in einer ersten Verhandlungsrunde mit wenigen Ausnahmen zwar gegen ein solches Verbot - eine ausreichende Mehrheit im Parlament gab es trotzdem. Damit die Vorgaben in Kraft treten können, ist aber eine Mehrheit auch unter den EU-Staaten nötig.
Die an den Verhandlungen beteiligte niederländische Volt-Abgeordnete Anna Strolenberg kritisierte:
Das Verbot des Veggie-Burgers hilft keinem Landwirt. Es ist einfach nur kurzfristiger Populismus.
Anna Strolenberg, niederländische Volt-Abgeordnete
Es sei frustrierend, dass Zeit mit der Debatte über diesen Vorschlag verloren gegangen sei. Neben der Verbotsdebatte ging es bei dem Vorhaben darum, die Rolle von Landwirten grundsätzlich zu stärken.
Die geplante Gesetzänderung soll den Verbraucherschutz stärken, Verwechslungen sollen so in Zukunft vermieden werden.
08.10.2025 | 0:29 minAgrarminister: Hohe Kosten, viel Bürokratie
Deutschland hatte sich bereits klar gegen ein "Veggie-Burger"-Verbot ausgesprochen. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) sagte, ein Verbot würde "unglaublich hohe Kosten für die Wirtschaft" sowie Bürokratie verursachen.
Ich stehe für Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht.
Alois Rainer, Bundesagrarminister (CSU)
Dürfen Fleischersatz-Produkte Bezeichnungen wie "Schnitzel" oder "Wurst" tragen? Nicht, wenn es nach der konservativen EVP-Fraktion geht.
07.10.2025 | 1:33 minDeutsche Unternehmen gegen Verbot
Für deutsche Konzerne wäre ein Verbot eine schlechte Nachricht. Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Firmen müssten Produkte umbenennen und könnten sie womöglich nicht mehr so einfach vermarkten.
Mehrere Handelsunternehmen - darunter die Discounter Aldi Süd und Lidl, die Burgerkette Burger King sowie Hersteller wie Beyond Meat - haben sich in einem gemeinsamen Brief gegen das Vorhaben ausgesprochen.
Die vertrauten Begriffe böten Orientierung und ermöglichten bewusste Kaufentscheidungen, heißt es darin. Ein Verbot würde den Verkauf erschweren. "Von dem drohenden wirtschaftlichen Schaden wäre Deutschland besonders betroffen." Eigentlich stehen derzeit fast alle großen Gesetzesprojekte der EU unter dem Motto, Vorgaben für Unternehmen zu vereinfachen oder abzubauen.
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Verbot war 2020 bereits gescheitert
Bereits 2020 ging es im Europaparlament um die Veggie-Wurst: Damals entschieden die Abgeordneten, dass Fleisch-Ersatzprodukte weiterhin Bezeichnungen wie "Steak", "Burger" tragen dürfen. Anders sieht es in der EU bei Bezeichnungen für Milch aus. Namen, die das Wort "Milch" enthalten, dürfen beispielsweise nicht für Getränke verwendet werden, die aus Pflanzen wie Hafer oder Soja gewonnen werden.
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