Virus im Kongo nicht unter Kontrolle:Ebola: Was eine deutsche Ärztin in der "Red Zone" erlebt
von Susann von Lojewski
Unter Lebensgefahr kämpfen Helfende im Ostkongo gegen Ebola. Das Virus hat bisher über 2.300 Opfer gefordert. Viele Menschen kommen nicht in eine Klinik, weil der Weg zu weit ist.
Mit mehr als 2.300 Todesfällen ist die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo die tödlichste in der Geschichte des Landes. Die Sterblichkeitsrate sei auf jetzt 46 Prozent gestiegen.
17.08.2026 | 0:24 minDer Weg von Bunia im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) nach Mongbwalu ist nur 75 Kilometer weit. Ein Katzensprung, könnte man meinen, doch mit dem Auto benötigt man fast zweieinhalb Stunden.
Die Dauer sagt viel darüber aus, warum es so schwierig ist, das Ebola-Virus unter Kontrolle zu bringen. Denn zwischen den beiden Städten liegen unzählige Dörfer und Weiler. Wer zwischen Bunia und Mongbwalu erkrankt, schafft es oft nicht in ein Krankenhaus, bleibt lieber zu Hause, in der Hoffnung, die Krankheit irgendwie zu überstehen.
Das Ebola-Virus breitet sich in der Demokratischen Republik Kongo nach wie vor rasant aus. Vor Ort versuchen auch deutsche Ärzte, so gut es geht, zu helfen.
08.08.2026 | 2:34 minEbola: Gefahr durch unbekannte Übertragungsketten
Ein Trugschluss, wie der Direktor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, erst unlängst klarmachte: "Besonders besorgniserregend sind die vielen Todesfälle in den Gemeinden - außerhalb von Behandlungseinrichtungen und nicht erfasst in den Listen bekannter Kontaktpersonen. Es gibt anscheinend unbekannte Übertragungsketten", sagt er.
Und solange wir nicht jede einzelne dieser Ketten kennen und unterbrechen, werden wir den Ausbruch nicht stoppen können.
Tedros Adhanom Ghebreyesus, Direktor Weltgesundheitsorganisation WHO
Ostkongo: Viele Menschen - und Verschwörungsmythen
Es gibt viele Gründe, warum das Ebola-Virus im Ostkongo nicht unter Kontrolle zu bekommen ist: Das riesige Gebiet, in dem 4,4 Millionen Menschen leben. Eine arme Bevölkerung, die von Krieg und Krisen ohnehin schon gebeutelt ist, dicht an dicht lebt und sich den Gang ins Krankenhaus kaum leisten kann.
Seit dem Ausbruch des Ebola-Virus Mitte Mai sind im Kongo über 4.000 Menschen erkrankt und über 2.300 Menschen gestorben.
08.08.2026 | 1:43 minUnd: der Mythos, dass Ebola eine Krankheit des Westens sei und gar nicht existiere. Eine unglückselige Mischung, die es den Menschen, die hier helfen wollen, noch einmal besonders schwer macht. Menschen wie Christiane Piepel.
Deutsche Ärztin kämpft in Klinik von Mongbwalu
Die Internistin aus Bremen ist seit einigen Wochen für Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus von Mongbwalu tätig. Jeden Tag steht sie in der sogenannten "Red Zone" der Klinik, also in der Station, in der die schweren Fälle behandelt werden.
"Die Herausforderungen sind gigantisch. Das ist ein riesiger Ausbruch in einem riesigen Gebiet mit instabiler Sicherheit, mit einer sehr mobilen Bevölkerung", sagt die 46-Jährige. Es gebe viele Projekte von Ärzte ohne Grenzen oder anderen Organisationen, "wo Behandlungszentren sind".
Aber trotz allem ist es völlig außer Rand und Band und völlig außer Kontrolle.
Christiane Piepel, Ärzte ohne Grenzen
Einsatz mit Infektionsgefahr
Jeden Morgen kleidet sich Piepel in einen Plastikoverall, legt Gummihandschuhe und -stiefel an, setzt sich eine Haube auf den Kopf und verdeckt die Augen mit einer Sichtbrille. In der "Red Zone" gilt die "no touch policy", möglichst wenig soll berührt werden. Nicht einmal ihren Stift sollte die Ärztin mit anderen teilen.
Ebola breitet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo rasant aus. Ärzte kämpfen mit fehlendem Personal, Geldmangel und Streiks - die Zahl der Toten und Infizierten steigt.
01.08.2026 | 2:34 minDas funktioniert nicht immer. "Natürlich kann jederzeit irgendwas passieren, es kann sein, dass man sich den Schutzanzug aufreißt, dass irgendein Patient mit schweren Wahnvorstellungen einen beißt oder alles zerreißt, oder man sich mit einer Nadel sticht. Das sind alles Sachen, die können passieren."
Das klingt so nüchtern, doch in dem Krankenhaus in Mongbwalu sind schon Pflegekräfte gestorben. Gerade zu Beginn der Epidemie, als es noch kaum Schutzmaßnahmen gab. "Wir sind Pflegende, wir müssen den Patienten zugewandt sein", sagt Krankenpflegerin Grace Kakoué.
WHO bittet um mehr Hilfsgelder
Es scheint, dass die Hilfsorganisationen der Krankheit immer hinterherlaufen. Das gibt auch der Chef der WHO zu. Sein Appell, die Hilfsgelder zu erhöhen, damit mehr Personal eingestellt und die Zahl der Krankenbetten aufgestockt werden kann, wirkt nahezu verzweifelt.
Der Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo wird zunehmend schlimmer. Das Virus breitet sich so schnell aus wie nie zuvor.
31.07.2026 | 1:41 minAngesichts der anderen Krisen in der Welt sind - so Schätzungen der WHO - nicht einmal die Hälfte der eigentlich schon zugesagten Gelder bisher eingegangen.
Suche nach einem Impfstoff - Wettlauf mit der Zeit
Der jetzige Ausbruch des Ebola-Virus mit dem Namen Bundibugyo ist vor allem deshalb so gefährlich, weil es gegen die Variante noch keinen Impfstoff gibt. Zwar wird an einem Vakzin gearbeitet, doch das wird dauern.
Derzeit laufen außerdem Testungen mit zwei antiviralen Therapieverfahren. Ein Medikament - Remdesivir - wurde auch gegen Covid-19 eingesetzt. Unterdessen steigt die Zahl der Infizierten und Toten unaufhörlich. Über 2.350 Opfer meldet die Regierung des Kongo, 46 Prozent der Infizierten sterben. Und die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher sein. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, Zeit, die die Menschen im Ostkongo nicht haben.
Susann von Lojewski ist Studioleiterin im ZDF Studio Nairobi.
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