Freigabe der Epstein-Akten:Woher kommt Trumps Kehrtwende in der Epstein-Affäre?
von Marie Ahlers und Katharina Schuster
US-Präsident Donald Trump will nun doch alle Akten im Fall Epstein veröffentlichen. Dabei könnte deren Inhalt sehr gefährlich für ihn werden, schätzt ein Politologe im ZDF.
US-Präsident Donald Trump will nun doch alle Akten im Fall Epstein veröffentlichen. Dabei könnte deren Inhalt sehr gefährlich für ihn werden, schätzt ein Politologe im ZDF.
17.11.2025Er habe nichts zu verbergen. Mit dieser Begründung spricht sich US-Präsident Donald Trump nun doch für die Freigabe der Epstein-Akten aus. Seinen republikanischen Abgeordneten empfiehlt er, im Repräsentantenhaus für die Freigabe der Ermittlungsakten im Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu stimmen.
Damit vollzieht Trump eine Kehrtwende: Zwar hatte er im Wahlkampf versprochen, sämtliche Akten offenzulegen, doch bislang blieb eine Veröffentlichung aus. Sowohl Demokraten als auch Republikaner drängen seit Wochen vergeblich auf die Freigabe. Auch in der Öffentlichkeit wächst seit Monaten der Druck.
Trump vollzieht in der Epstein-Affäre eine Kehrtwende. Sehen Sie hier das Interview mit Christian Lammert in voller Länge.
17.11.2025 | 16:15 minUnd: Zu den lautstarken Befürwortern zählen auch Anhänger der MAGA-Bewegung ("Make America Great Again"), die sich politisch um Trump formiert. So brach etwa die einflussreiche und extrem rechte Abgeordnete Marjorie Taylor Greene wegen Trumps Blockade öffentlich mit ihm.
Kritiker werfen Trump vor, eine mögliche Verstrickung in die Epstein-Affäre vertuschen zu wollen.
Trump hatte im Wahlkampf versprochen, die geheimen Akten, die sogenannten "Epstein Files" offenzulegen. Als Präsident zögert er jedoch, mit Verweis auf den Schutz Unschuldiger. Im August rückte das "Wall Street Journal" mit neuen Enthüllungen Trumps frühere Verbindung zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ins Licht. Der Fund warf brisante Fragen auf und traf einen Präsidenten, der seit Wochen versucht, das Thema zu kontrollieren.
Jeffrey Epstein war von der US-Justiz wegen Vergewaltigung junger Frauen und Mädchen angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, ein weit verzweigtes Netzwerk betrieben zu haben, in dem Minderjährige an einflussreiche Männer vermittelt wurden, darunter Politiker, Geschäftsleute und Prominente. Bevor es zum Prozess kam, beging der frühere Investmentbanker 2019 in seiner Gefängniszelle Suizid. Sein Tod löste Spekulationen aus, er könne damit Mitwisser schützen.
Inwiefern steht Trump unter Druck?
Trumps Kehrtwende zeige, dass insbesondere der Druck seiner eigenen Anhänger immer größer werde, betont Politologe Christian Lammert von der Freien Universität Berlin bei ZDFheute live. Das sei ein natürlicher Mechanismus in den USA. "Ein Präsident in der zweiten Amtszeit wird schwächer in der Mobilisierung und im Zusammenhalten der eigenen Partei", erklärt Lammert.
Die Abgeordneten der Republikaner machten sich bereits Gedanken über die sogenannten Midterms, die Zwischenwahlen, so Lammert, und fragten sich:
Können wir mit Trump diese Wahlen gewinnen oder vielleicht besser ohne Trump?
Christian Lammert, Freie Universität Berlin
Trump verliere seinen Einfluss als einende Macht der MAGA-Bewegung, gleichzeitig versuchten viele Mitglieder, sich zu profilieren - auch gegen den US-Präsidenten.
Die Debatte um die Epstein-Akten ist damit zum Richtungsstreit innerhalb der Bewegung geworden, bei dem längst nicht mehr alle hinter Trump stehen.
König Charles III. entzieht seinem Bruder Andrew den Prinzentitel. Die Entscheidung folgt auf wachsende Zweifel an Andrews Aussagen zu seinen Kontakten zu Sexualstraftäter Epstein.
31.10.2025 | 2:31 minWie gefährlich können die Epstein-Akten Trump werden?
Der Inhalt der Akten, so er denn öffentlich wird, könnte für Trump sehr gefährlich werden, sagt Lammert.
Ich glaube, es ist nicht umsonst, dass Trump seit er im Amt ist, [...] massiv versucht hat, die Herausgabe dieser Dokumente zu verhindern.
Christian Lammert, Politologe
Und auch derzeit tue er alles, um die Kontrolle zu behalten: Etwa, indem er das Justizministerium und das FBI beauftragte, die Verbindung zwischen Epstein und Ex-Präsident Bill Clinton zu untersuchen.
Dieser Schritt diene laut Lammert natürlich der Ablenkung und der Relativierung, er könne aber auch den Freigabe-Prozess verzögern: Indem das Justizministerium Akten mit dem Verweis auf laufende Ermittlungen zurückhalte.
Nach der Veröffentlichung eines Geburtstagsbriefes an den Sexualstraftäter Epstein, hat Donald Trump bestritten, dass dieser von ihm stamme. "Das ist Unsinn", so der US-Präsident.
10.09.2025 | 0:57 minWas steht in den Epstein-Akten über Trump?
In zuvor veröffentlichten Nachrichten behauptete Epstein, dass Trump Stunden mit einem der Opfer in seinem Haus verbracht habe. In einer anderen schrieb der Sexualstraftäter, Trump habe von den Mädchen gewusst. Die E-Mails würden gar nichts beweisen, sagt Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses.
Doch bei der Frage nach dem Inhalt der Epstein-Akten gehe es Lammert zufolge nicht nur darum, ob Trump an Kindesmissbrauch oder ähnlichem beteiligt war, sondern auch um Epsteins Verbindungen zu ausländischen Regierungen.
Das könnte, so Lammert, die Debatte um die Unterstützung ausländischer Regierungen für Trumps Wahlkampf neu entfachen. Er habe den Eindruck, dass Trump "weiß, dass da was drinsteht, was ihm politisch massiv schaden könnte".
Nach der Veröffentlichung eines Geburtstagsbriefes an den Sexualstraftäter Epstein, hat Donald Trump bestritten, dass dieser von ihm stamme. "Das ist Unsinn", so der US-Präsident.
10.09.2025 | 0:57 minKönnten die Akten wirklich freigegeben werden?
Dass die Akten früher oder später freigegeben werden, steht für Christian Lammert außer Frage. Die Frage sei nur, wann das passiert. Er vermutet, dass die US-Regierung die Freigabe weiter verzögern wird - im Idealfall bis zu einem Zeitpunkt nach den Zwischenwahlen im November 2026.
Was schon jetzt klar ist: Trumps Kehrtwende fällt genau in eine Phase, in der offenbar zahlreiche Republikaner bereit sind, von der Parteilinie abzuweichen. Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie erklärte in einem Interview mit "ABC News", dass bis zu 100 Republikaner für die Veröffentlichung der Epstein-Akten stimmen könnten.
Das Repräsentantenhaus soll in dieser Woche abstimmen. Doch selbst wenn die Abgeordneten zustimmen, liegt die letzte Entscheidung weiterhin bei Trump. Erst mit seiner Unterschrift wird sich zeigen, wie ernst es der Präsident tatsächlich mit Transparenz und seinem zentralen Wahlversprechen meint.
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