Tragödie in Silvesternacht:Crans-Montana: 41 Tote - und viele Fragen bleiben offen
von Sandra Susanka
Fünf Monate nach dem Brand in Crans-Montana ringen Opfer und Angehörige noch immer um Antworten. Ermittlungen zeigen schwere Versäumnisse, der Prozess wird Jahre dauern.
Bei den Ermittlungen nach dem Feuer mit 41 Todesopfern in einer Bar in der Silvesternacht ist es zu Versäumnissen gekommen, die die juristische Aufarbeitung nach wie vor erschweren.
01.06.2026 | 2:20 minDie Silvesternacht endet im Schweizer Skiort Crans-Montana im Wallis in einer Katastrophe: Um 1.25 Uhr bricht in der Bar "Le Constellation" ein Feuer aus. Innerhalb von Sekunden steht die Decke in Flammen - ausgelöst durch auf Champagnerflaschen angebrachte Sprühfontänen.
Nur 79 Sekunden vergehen bis zum sogenannten Flashover: Temperaturen von über 800 Grad - schlagartig stehen die gesamten Räume in Flammen.
Crans-Montana: Überlebende leiden unter Folgen
Für viele Gäste gibt es kein Entkommen. 41 Menschen sterben, darunter Jugendliche. Das jüngste Opfer ist 14 Jahre alt. 115 Menschen werden verletzt, viele von ihnen schwer.
Nach dem Brand in Crans-Montana trauern Angehörige um die Opfer. ZDF heute live berichtete kurz nach der Katastrophe über die Geschehnisse.
02.01.2026 | 83:51 minEin 29-jähriger Überlebender möchte anonym bleiben. Zu tief sitzen die Erinnerungen. Wochenlang konnte er kaum schlafen, sagt er.
Bevor ich einschlafen konnte, hatte ich Krämpfe im Kopf.
Überlebender von Crans-Montana
Sein Gesicht ist verbrannt, besonders Stirn und Nase. Die Haut zieht sich zusammen, die Nasenlöcher verengen sich. Täglich muss er sie weiten. Auch seine rechte Hand ist dauerhaft geschädigt, die Finger steif. Arbeiten kann er nicht mehr - dabei hat er gerade erst sein Studium abgeschlossen.
Anwalt: "Beispielloses Versagen"
Besonders dramatisch ist das Schicksal einer jungen Frau aus Lausanne. Sie blieb bei der Flucht in einem Engpass stecken und erlitt Verbrennungen an rund 70 Prozent ihres Körpers. Lange lag sie im Koma - inzwischen ist sie wieder bei Bewusstsein.
Für Anwalt Alain Viscolo steht der Fall für ein beispielloses Versagen:
Niemand hätte sich vorstellen können, dass in der Schweiz, einem Land, das für seine Sicherheit bekannt ist, 41 Menschen bei einer Feier sterben.
Alain Viscolo, Anwalt
Nach der tödlichen Brandkatastrophe in Crans-Montana hat die Schweiz mit einem nationalen Trauertag der Opfer gedacht. Unterdessen wurde gegen den Barbetreiber U-Haft beantragt.
09.01.2026 | 2:55 minErmittlungen gegen Bar-Betreiber und Behörden
Die Ermittlungen richten sich gegen das Betreiber-Ehepaar der Bar. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung, Körperverletzung und Brandverursachung. Gegen Kaution sind sie auf freiem Fuß. Im Zentrum steht auch die Frage nach dem Notruf: Er wurde offenbar erst Minuten nach dem Brandausbruch abgesetzt - nicht von der Betreiberin selbst.
Zugleich geraten Behörden in der Schweiz unter Druck. Der Gemeindepräsident von Crans-Montana räumte ein, dass jahrelang keine Brandschutzkontrollen durchgeführt wurden. Auch gegen ihn wird inzwischen ermittelt.
Ende Januar, rund drei Wochen nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hat ein Schweizer Gericht die U-Haft gegen den Besitzer der Bar aufgehoben. Auflagen des Gerichts sollen eine Flucht verhindern.
23.01.2026 | 0:24 minNoch Jahre bis zur Urteilsverkündung
Für die Opferanwälte zeigt sich ein systemisches Problem: zu viele Versäumnisse, zu wenig Verantwortung. Die juristische Aufarbeitung wird Jahre dauern. Experten rechnen mit drei bis vier Jahren bis zu einem Urteil.
Für die Betroffenen aber hat der Kampf längst begonnen. Der 29-Jährige lebt wieder bei seinen Eltern. "Eigentlich sollte ich sie unterstützen", sagt er. "Jetzt müssen sie für mich sorgen."
Was bleibt, ist neben Schmerz und Verlust vor allem die Hoffnung, dass die Verantwortlichen benannt und zur Rechenschaft gezogen werden - und sich ein solches Inferno nie wiederholt.
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