Belarus: Lukaschenko reist am "Tag der Freiheit" nach Nordkorea

"Tag der Freiheit" in Belarus:Warum Alexander Lukaschenko genau heute nach Nordkorea reist

Felix Klauser

von Felix Klauser

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Belarus' Machthaber besucht Nordkorea, während die belarussische Opposition den "Tag der Freiheit" begeht. Die Oppositionelle Maria Kolesnikowa äußert sich im ZDFheute-Interview.

Belarus Machthaber Lukaschenko in Moskau

Jeden 25. März begeht die belarussische Exil-Opposition den "Tag der Freiheit" in unfreien Zeiten. Um dessen Bedeutung zu verdrängen, ist Präsident Lukaschenko ins befreundete Nordkorea gereist.

25.03.2026 | 2:09 min

Das Signal des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko ist wohl kaum zufällig gewählt: Am "Tag der Freiheit", an dem die belarussische Exil-Opposition traditionell auf die Situation in Belarus, auf Unterdrückung und Repressionen aufmerksam macht, hat der Präsident das Land verlassen und ist verreist.

Nicht irgendwohin, nein. Alexander Lukaschenko weilt in Nordkorea. Der häufig als "letzter Diktator Europas" bezeichnete Lukaschenko, zu Besuch beim Diktator in Pjöngjang. "Tag der Freiheit" - war da was?!

Belarussische Opposition begeht "Tag der Freiheit"

Auch die belarussische Opposition hält sich am heutigen Tag mehrheitlich nicht im eigenen Land auf - allerdings unfreiwillig. An Oppositionspolitik ist in Belarus selbst kaum zu denken. Stattdessen drohen all jenen, die mit dem Kurs des Machthabers nicht einverstanden sind, lange Haftstrafen und Repressionen.

Russlands Präsident Wladimir Putin trifft Belarus’ Präsident Alexander Lukaschenko in der Boris-Jelzin-Präsidentenbibliothek in St. Petersburg.

Die Ukraine verhängte im Februar Sanktionen gegen Belarus' Staatschef Lukaschenko. Als Grund nannte der ukrainische Präsident Selenskyj die Militärhilfe für Russland, unter anderem bei Drohnenangriffen.

19.02.2026 | 0:24 min

Gegen die politische Unterdrückung gehen Exil-Oppositionelle heute in mehreren europäischen Städten auf die Straße. Am "Tag der Freiheit" erinnern sie an die belarussische Unabhängigkeit, die vor 108 Jahren erstmals ausgerufen wurde, und wollen mit Protestmärschen in Vilnius und Warschau auf die Situation im Land aufmerksam machen.

Belarussische Behörden kündigen hartes Durchgreifen gegen Proteste an

Allein: Die Lage tatsächlich zu ändern, dürfte - gelinde gesagt - äußerst schwer werden. Der belarussische Machthaber Lukaschenko regiert seit Jahrzehnten mit harter Hand. Jegliches Aufbegehren gegen die Staatsmacht wird geahndet.

Der Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki, einer der freigelassenen belarussischen Gefangenen, lächelt, als er am 13.12.2025, in der US-Botschaft in Vilnius, Litauen, eintrifft, während die belarussische Oppositionsführerin Sviatlana Tsikhanouskaya (im Hintergrund) daneben steht.

Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki ist im Dezember 2025 in Belarus aus der Haft entlassen worden. Auch die Oppositionelle Maria Kolesnikowa und 121 weitere politische Gefangene sind frei.

13.12.2025 | 3:19 min

Dennoch scheinen die belarussischen Behörden jeder - auch nur theoretisch möglichen - Unruhe vorbeugen zu wollen. Im Vorfeld des heutigen Jahrestags wurde der Zugang zu Internetseiten blockiert. Zusätzlich kündigten die Behörden Strafverfahren gegen all jene an, die an den Protesten im Ausland teilnehmen.

Beziehungen zu USA zuletzt verbessert

Dabei hatte sich das Regime in Belarus jüngst von seiner vermeintlich besseren Seite gezeigt. Erst vergangene Woche begnadigte Lukaschenko 250 Häftlinge.

Vorausgegangen war ein Besuch des US-Gesandten John Coale. Im Gegenzug für die Freilassung der Inhaftierten stimmten die USA zu, Sanktionen gegen zwei belarussische Banken und das Finanzministerium des Landes aufzuheben.

Verleihung des Sacharow-Preis im EU-Parlament, Straßburg.

Im Dezember letzten Jahres verlieh das EU-Parlament den Sacharow-Preis für Menschenrechte und Meinungsfreiheit an zwei Journalisten in Haft: Andrzej Poczobut aus Belarus und Mzia Amaghlobeli aus Georgien.

16.12.2025 | 1:45 min

Machthaber Lukaschenko arbeitet seit Monaten daran, seine Beziehungen zu Europa und den USA zu verbessern. Allein im vergangenen Jahr begnadigte er - im Gegenzug zur Lockerung von US-Sanktionen - mehr als 170 Gefangene.

Unter ihnen war auch die prominente Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa. Sie wurde während der Protestwelle im Jahr 2020 festgenommen, als in Belarus Hunderttausende auf die Straße gingen.

Maria Kolesnikowa: Demokratisches Belarus wird kommen

Kolesnikowa lebt seit ihrer Freilassung in Berlin und versucht, die Oppositionsarbeit von dort aus fortzusetzen. Im ZDFheute-Interview spricht sie über die Schwierigkeiten der belarussischen Opposition. "Es sieht so aus, dass es in Belarus selbst keine aktive Opposition mehr gibt", sagt Kolesnikowa. Zu groß seien die Risiken für Oppositionelle.

Preisträgerin Maria Kolesnikowa erhält den Internationalen Karlspreis von ihrer Schwester Tatsiana Khomich im Rathaus neben Michael Ziemons (l-r)(Oberbürgermeister der Stadt Aachen) und Armin Laschet (Mitglied des Bundestages).

Vier Jahre nach der Auszeichnung hat die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa den Internationalen Karlspreis persönlich erhalten. Sie wurde im Dezember 2025 aus der Haft entlassen.

14.03.2026 | 0:23 min

Trotzdem blickt die 43-Jährige hoffnungsvoll auf die Zukunft von Belarus.

Ich bin sicher, dass die Zeit kommt, in der Belarus ein demokratisches, freies und europäisches Land sein wird.

Maria Kolesnikowa, belarussische Oppositionelle

"Natürlich ist es nicht morgen und nicht übermorgen so weit", fügt Kolesnikowa hinzu, "aber ich bin sicher, dass diese Zeit kommt."

Alexander Lukaschenko trifft Nordkoreas Diktator Kim Jong-un

Der Besuch Alexander Lukaschenkos in Nordkorea wirkt derweil wie ein sorgfältig inszeniertes Gegenprogramm zu den Bestrebungen der belarussischen Opposition.

Der Erste Stellvertretende Ministerpräsident Nordkoreas, Kim Tok-hun, und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko (von rechts nach links, Mitte) bei einer Begrüßungszeremonie am internationalen Flughafen Sunan anlässlich Lukaschenkos Ankunft.

Mit Machthaber Kim Jong Un will der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko über eine engere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit sprechen.

25.03.2026 | 0:22 min

Schon im vergangenen Jahr hatte der belarussische Machthaber versucht, die Deutungshoheit über den "Tag der Freiheit" zu gewinnen, und an eben diesem Tag kurzerhand seine Amtseinführung zelebriert. Wobei "Amtseinführung" wie ein durchaus dehnbarer Begriff wirkt - bei einem Mann, der seit mehr als 30 Jahren im Amt ist.

Felix Klauser berichtet als Korrespondent über Russland, den Kaukasus und Zentralasien.

Über dieses Thema berichtete die Sendung heute in Europa am 25.03.2026 ab 16 Uhr.
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