Nach Haftentlassung in Belarus:Bürgerrechtlerin Kolesnikowa nimmt Karlspreis entgegen
Vier Jahre nach der Ehrung hat die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kolesnikowa den Karlspreis persönlich entgegengenommen. In ihrer Rede rief sie Europa zu Zusammenhalt auf.
Vier Jahre nach der Auszeichnung hat die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa den Internationalen Karlspreis nun persönlich erhalten. Sie wurde im Dezember aus der Haft entlassen.
14.03.2026 | 0:23 minDie im Dezember in Belarus aus der Haft entlassene Oppositionelle Maria Kolesnikowa hat den ihr 2022 verliehenen Internationalen Karlspreis nachträglich überreicht bekommen. Die Politikerin nahm die Auszeichnung am Samstag bei einem Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses entgegen.
Kolesnikowa war im Dezember 2025 gemeinsam mit zahlreichen weiteren politischen Gefangenen in Belarus nach Vermittlungsbemühungen der USA freigelassen worden.
Innenminister Alexander Dobrindt hatte Mitte Dezember angekündigt, dass die belarussischen Oppositionellen Kolesnikowa und Babariko in Deutschland aufgenommen werden sollen.
15.12.2025 | 0:24 minKolesnikowa ruft bei Karlspreisverleihung zu Zusammenhalt in Europa auf
Bei der Auszeichnung rief Kolesnikowa Europa dazu auf, auch in der aktuellen "Zeit großer Unsicherheit" an seinen Werten festzuhalten. "Gerade jetzt zeigt sich, was Europa wirklich ausmacht", sagte die 43-Jährige in ihrer Dankesrede im Aachener Rathaus.
Nicht Macht, nicht Angst, nicht Gewalt. Sondern Menschen, die zusammenstehen, Menschen, die Würde bewahren, Menschen, die Freiheit verteidigen.
Maria Kolesnikowa, Bürgerrechtlerin
Manchmal scheine die "Stimme der Aggression" am lautesten. "Unsere Stimmen müssen stärker sein", forderte sie.
Zu den in Belarus freigelassenen politischen Gefangenen zählen der Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki, die Oppositionelle Maria Kolesnikowa sowie 121 weitere Personen.
13.12.2025 | 2:42 minKolesnikowa wurde von Deutschland aufgenommen
Auch der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, der CDU-Außenpolitiker und frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, betonte vor der Verleihung die Rolle Europas:
Dass wir Maria Kolesnikowa nun in Aachen empfangen dürfen, ist ein starkes Signal an alle, die in Europa für Freiheit und Demokratie eintreten.
Armin Laschet, CDU-Außenpolitiker
Kolesnikowa war nach ihrer Freilassung von Deutschland aufgenommen worden. Sie soll nach Regierungsangaben politisches Asyl erhalten. Die Politikerin gehörte 2020 zu den Führungsfiguren einer Massenprotestbewegung gegen den langjährigen belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko.
Anders als andere Oppositionelle ging Kolesnikowa, eigentlich Musikerin und Kuratorin, anschließend nicht ins Exil. Sie wurde zu elf Jahren Straflager verurteilt und inhaftiert.
123 Oppositionelle und Menschenrechtler haben die belarussische Gefangenschaft verlassen. Was hinter der Freilassung steckt, erklärt ZDFheute live.
13.12.2025 | 3:19 minKarlspreis für Verdienste um Europa
Die Verleihung des Karlspreises 2022 begründete das Direktorium mit ihrem "außergewöhnlichen Mut" im Kampf für demokratische Rechte und freie Wahlen. Belarus wird von Lukaschenko autoritär regiert, der Machthaber ist zugleich einer der treuesten Verbündeten des russischen Staatschefs Wladimir Putin.
Mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen werden seit 1950 Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet, die sich um Europa verdient machten. Zu den Preisträgern zählen etwa der verstorbene Papst Franziskus, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an den früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank und ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi.
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