Gedenken an 9/11:Petition gegen New Yorks muslimischen Bürgermeister Mamdani
von Armin Coerper, New York
Nach 9/11 gerieten New Yorker Muslime unter generellen Terrorverdacht. Heute hat die Stadt mit Zohran Mamdani einen muslimischen Bürgermeister. Doch es reißen alte Wunden auf.
Nach 9/11 standen Muslime in New York unter Generalverdacht. 25 Jahre später ist mit Zohran Mamdani ein Muslim Bürgermeister. Das weckt vor dem 9/11-Gedenken sehr unterschiedliche Emotionen.
09.09.2026 | 8:58 minGiovanni Galante kommt einmal im Jahr zum Ground Zero in New York. Immer zum 11. September, weil er hier seine Frau verloren hat. Ihr Name steht auf der Gedenkstätte neben den anderen fast 3.000 Opfern in Stein gemeißelt. Am Rande des großen Wasserbeckens, dessen Rauschen die Stille dieses Ortes übertönt. Grace Catherine Galante steht da. Sie wurde nur 29 Jahre alt. Ihre sterblichen Überreste wurden nie gefunden, Giovanni konnte nichts von ihr begraben.
Petition gegen Mamdanis Teilnahme an Gedenkveranstaltung
Zum 25. Jahrestag der schwersten Tragödie in Giovannis Leben hat er eine Petition gestartet. Mehr als 100.000 Menschen haben sie unterzeichnet. Sie alle wollen nicht, dass New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani an der diesjährigen Gedenkveranstaltung teilnimmt.
Weil er Muslim ist und sich selbst als Sozialist bezeichnet. Für Giovanni ist das einfach zu viel. "Du kannst ja als Muslim ruhig deiner Religion nachgehen", sagt Giovanni ZDFheute. "Aber im Land anderer Leute denen zu sagen, wie sie zu leben haben, das geht doch nicht!"
Am 11. September 2001 wurde das Fernsehprogramm im ZDF für eine Spezial-Sendung mit Live-Bildern aus New York unterbrochen. Sehen Sie hier den Beitrag aus dem ZDF-Archiv.
09.09.2026 | 4:46 minIm Land anderer Leute? Zohran Mamdani ist der erste muslimische Bürgermeister in den USA. Ausgerechnet in New York, in der Stadt, die 2001 zum Opfer islamistischen Terrors wurde. Mamdani ist in Uganda geboren, als Kind kam er nach Amerika, er ist Amerikaner.
Im Wahlkampf hat er besonders junge Muslime für sich gewonnen, die in ihm ihre Hoffnung sahen. Auf ein Leben in den USA frei von Vorurteilen und Diskriminierung. Auf die Chance, im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten auch eigene zu finden und zu leben. Für sie steht der New Yorker Bürgermeister für ein altes Versprechen, an das sie schon lange den Glauben verloren hatten.
Der 11. September 2001 – ein Datum, das alles veränderte. „Terra X History“ zeigt die Auswirkungen der Terroranschläge auf das World Trade Center und Pentagon auf die USA und die restliche Welt.
07.09.2026 | 43:21 minMisstrauen offenbar bis heute geblieben
Denn die Zeit nach dem 11. September war für Muslime hier vom Generalverdacht geprägt, unter den sie gestellt wurden. Ihre Häuser und Geschäfte wurden zur Zielscheibe des Hasses, willkürliche Festnahmen standen auf der Tagesordnung. Bis in die Moscheen schickte die Staatsmacht ihre Spione, das Misstrauen ist offenbar bis heute geblieben.
Linda Sarsour war 2001 eine junge Studentin in New York, in der Stadt, in der sie geboren wurde. Ihre Eltern waren aus Palästina hierhergekommen. Heute ist sie politisch aktiv: für Frauenrechte, für Muslime, gegen Trump und für Zohran Mamdani. Linda trägt den Hijab, die traditionelle Kopfbedeckung muslimischer Frauen, mit viel Selbstverständnis und -bewusstsein. Die Petition, die Giovanni gegen ihren Bürgermeister gestartet hat, verletzt sie tief:
Es ist traurig, dass wir immer noch diesem Hass gegenüberstehen.
Linda Sarsour, Aktivistin
Dass es Leute gebe, die infrage stellen, ob der Bürgermeister von New York an einer Gedenkveranstaltung zum 11. September teilnehmen darf. "Das tut sehr weh."
NANO vom 9.9.: Die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben die Welt verändert. 25 Jahre später beschäftigen sich Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen mit den Folgen.
09.09.2026 | 27:28 minMamdani: "Um Politiker sollte es dabei nicht gehen"
Denn alle New Yorker Bürgermeister haben bisher an dem alljährlichen Gedenken teilgenommen, neben anderen Politikern, aktuellen und Ex-Präsidenten. Sie alle stehen an der Seite und hören zu, wie jedes Jahr die Namen der Opfer verlesen werden. Seit Jahren schon schweigen die Politiker, um das Andenken nicht zu stören.
So plant das auch Zohran Mamdani. "Ich denke, der Fokus des Gedenkens sollte auf den New Yorkern liegen, die an dem Tag ermordet wurden. Auf ihren Familien, den Überlebenden und den Ersthelfern. Um Politiker sollte es dabei nicht gehen", sagt Mamdani. Doch im aufgeheizten Klima vor den wichtigen Midterm-Wahlen in den USA dringt er damit kaum durch.
Hier erfahrt ihr, was an dem Tag genau geschah.
11.09.2021 | 2:24 minDebatte reißt alte Wunden auf
So ist Zohran Mamdani für die Einen eine Integrationsfigur, für die Anderen ein Mann, der die Stadt spaltet. Im täglichen politischen Geschäft weiß der auch durchaus, sich das zunutze zu machen. Wenn er zum Beispiel Israels Premier Benjamin Netanjahu mit einer Festnahme in New York droht, obwohl die USA den Internationalen Gerichtshof, der den Haftbefehl gegen Netanjahu verhängt hat, gar nicht anerkennen. Obwohl die Bürgermeister in den USA keine Richter sind.
Dann kann er sich der Unterstützung der muslimischen Bevölkerung New Yorks sicher sein, und weiß genau, dass er damit in politische Debatten weit außerhalb seiner Stadtgrenzen vordringt. Indem er konservative, mehrheitlich pro-israelische Gruppen der Gesellschaft gegen sich aufbringt.
Mamdani spielt damit, doch vor dem 11. September ist das in New York ziemlich ernst geworden. Weil die Debatte um den muslimischen Bürgermeister am Gedenktag alte Wunden aufreißt - auf beiden Seiten. Und zeigt, dass New York auch 25 Jahre nach dem Terror eine verwundete Stadt ist. In der keine Seite in der Lage ist, den Schmerz von damals zu überwinden.
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