Branche pocht auf Entlastungen:"Hervorragender" Weinjahrgang trifft auf schwache Geschäfte
Der Deutsche Weinbauverband zeigt sich mit dem Weinjahrgang zufrieden. Optimistisch ist die Branche aber nicht. Überproduktion und andere Faktoren setzen viele Winzer unter Druck.
Die Traubenlese beginnt. Doch viele Winzer haben ihren alten Wein noch gar nicht verkaufen können. Für einige Regionen gibt es nun eine Notlösung, doch die strukturellen Probleme bleiben.
13.08.2026 | 2:30 minTrotz der anhaltenden Dürre rechnet der Deutsche Weinbauverband (DWV) mit einem guten Weinjahrgang. "Ich gehe davon aus, dass wir einen qualitativ hervorragenden Jahrgang bekommen", sagte DWV-Präsident Klaus Schneider bei einer Pressekonferenz im hessischen Oestrich-Winkel. Aufgrund der niedrigen Niederschlagsmenge könnte jedoch eine geringere Menge erzeugt werden.
Auch der Rheingauer Winzer Matthias Corvers sagte, die geschmackliche Natur des Jahrgangs sehe bereits sehr gut aus. Jetzt brauche es jedoch dringend etwas Regen, der den Trauben einen Reifeschub gebe. "Es darf aber nicht so viel sein, dass die Beeren platzen", sagte Corvers.
Weinbaubranche unter Druck
Die Branche stehe neben den klimatischen Extremen auch durch andere Faktoren unter Druck, so Schneider. Der rückläufige Weinmarkt, Schädlinge und neue regulatorische Anforderungen stellten die Betriebe ebenfalls vor Herausforderungen.
Professor Dominik Durner vom Weincampus in Neustadt an der Weinstraße und der Hochschule Kaiserslautern sieht das ähnlich. Im ZDF-Mittagsmagazin sagte er:
Wir haben immer weniger Boomer, Leute zwischen 50 und 70 Jahren, die Wein trinken. Wir haben insgesamt auch etwas weniger Pro-Kopf-Weinkonsum in allen Bevölkerungsgruppen. Und der Importanteil an Weinen nach Deutschland steigt.
Dominik Durner, Önologe Weincampus Neustadt
In der Pfalz und in Baden hat die Traubenlese für Most und Wein begonnen - wegen der heißen Temperaturen besonders früh. Winzer erwarten einen guten Jahrgang.
12.08.2026 | 1:37 minUm die Branche zu stärken, braucht es laut DWV-Präsident Schneider Entbürokratisierung und eine Entlastung der Betriebe, etwa durch eine Anpassung des Mindestlohns.
Die in der Diskussion befindlichen Erhöhungen von Schaumwein- und Erbschaftsteuer würden die Betriebe zusätzlich be- statt entlasten. Zudem dürfe es keine Renationalisierung des Weinbausektors geben, die gemeinsame Agrarpolitik müsse auf EU-Ebene bleiben.
Verband fordert Anbaustopp neuer Weinreben
Um der Marktsituation gerecht zu werden, forderte Schneider einen Anbaustopp neuer Weinreben für die Jahre 2027 bis 2029, mit nur wenigen Ausnahmen.
Wir müssen das Produktionspotenzial angesichts der aktuellen Marktsituation steuern, um dem Weinsektor langfristig eine Perspektive zu geben.
Klaus Schneider, Deutscher Weinbauverband
Die gesamte Rebfläche in Deutschland war Zahlen des Deutschen Weininstituts zufolge 2025 um ein Prozent zurückgegangen.
DWV begrüßt Option der Krisendestillation
Der DWV begrüßte zudem die Möglichkeit zur Krisendestillation. In Deutschland hätten sich die Regionen zu dieser "Notmaßnahme" entschieden, "wohl wissend, dass es eine einmalige Sache ist", sagte Schneider im ZDF-Mittagsmagazin.
Im Juli wurde bekannt, dass die Destillation von Rot- und Roséweinen aus den Anbaugebieten Rheinhessen und Württemberg finanziell von der EU gefördert wird, um die angespannte Marktsituation zu entlasten. Die EU stelle dafür insgesamt 14,16 Millionen Euro zur Verfügung, was einer Höchstmenge von rund 24 Millionen Litern entspricht.
Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.
News und Hintergründe zum Wein
Reblaus breitet sich aus:Weinbau: Die neue Angst vor einem alten Schädling
von Mark Hugomit Video0:42Doku | planet e.:Der Wein der Zukunft
Video28:45Doku | Terra X:Wein - Eine Geschichte durch Jahrtausende
Video43:30