Rauch zieht von Belgien nach Deutschland:Behörden warnen wegen des Rauchs vor Gesundheitsschäden
Der Waldbrand im Hohen Venn in Belgien breitet sich kaum noch Richtung Deutschland aus. Doch die Behörden warnen vor dem Rauch, der hier ankommt. Alle Entwicklungen im Liveblog.
Feuerwehrleute im Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutschen Grenze.
Quelle: dpa- Im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der Grenze zu Deutschland brennt es seit Freitag. Rund 3.000 Hektar Wald wurden bisher vernichtet.
- In der nordrhein-westfälischen Stadt Monschau wurden zwei Straßenzüge mit etwa 30 Bewohnern vorsorglich evakuiert. Das Feuer ist derzeit mehr als zwei Kilometer entfernt.
- Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig, weil es sich bei dem Gebiet um ein trockenes Hochmoor handelt, das auch metertief unter der Erdoberfläche brennt.
- Regen und günstigerer Wind haben die Situation etwas entspannt, der Einsatz wird voraussichtlich aber noch Tage dauern.
- Es brennt auch in vielen Waldgebieten in Deutschland. Im Hürtgenwald in der Eifel sind die Löscharbeiten inzwischen beendet.
Keine Gesundheitsgefahr in Köln
Die Feuerwehr Köln informiert: Durch das Brandereignis im Hohen Venn (Belgien) kommt es im Stadtgebiet zu einer Geruchsbelästigung. Es besteht keine Gesundheitsgefahr.
Löschen könnte Monate dauern
Das Feuer stecke "teils ziemlich tief" im Boden, sagte der Feuerwehrmann David Covens am Einsatzort.Behördensprecher Nicolas Yernaux sagte, es würden "vermutlich hunderttausende Liter" Wasser nötig sein, um das Gelände zu fluten. "Nur weil man keine Flammen mehr sieht, ist das Feuer trotzdem da", sagte er. Wegen des Torfs könne es "wirklich Wochen, sogar Monate" dauern, bis der Brand gelöscht ist.
Möglicherweise "entscheidender Tag"
Sollte eine Einkreisung des Feuers gelingen, könne "man hoffen, dass es unter Kontrolle gebracht werden kann", erläuterte der Leiter der Krisenkommunikation der Provinz Lüttich, Tony Hosmans, der von einem möglicherweise "entscheidenden Tag" bei der Brandbekämpfung sprach. Voraussetzung sei allerdings, dass das Wetter sich nicht "radikal ändert", betonte Hosmans. Regen verlangsamte am Dienstag die weitere Ausbreitung des Feuers.
Weiterhin Rauchbelastung in Monschau
Die Stadt Monschau warnt erneut, dass die Brandrauchbelastung im Stadtgebiet Monschau weiterhin besteht. Sie verweist auf die bereits veröffentlichten Handlungsempfehlungen.
Forstwirtschaftsrat fordert Aufklärung und Ausbau von Früherkennung
"Je früher ein Waldbrand erkannt und bekämpft wird, desto größer ist die Chance, dass aus einem Entstehungsbrand kein Großbrand wird", bekräftigte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Christian Haase. Da nahezu alle Waldbrände durch menschliches Handeln verursacht würden, sei Aufklärung und der Ausbau von Früherkennungssystemen wichtig, teilte der Deutsche Forstwirtschaftsrat zudem mit.
Holzindustrie: Private Waldeigentümer müssen identifizierbar sein
Die aktuellen Waldbrände zeigen, wie verwundbar die deutschen Wälder durch anhaltende Trockenheit und Hitze seien, erklärte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie, Carsten Merforth, in Berlin. Der Verband forderte zudem von Bund und Ländern, dass auch private Waldeigentümer identifizierbar sein müssten. Nur bewirtschaftete und gepflegte Waldstücke böten eine wirksame Prävention vor Waldbränden, argumentierte der Verband. Wenn Totholz auf privaten Flächen nicht abtransportiert werde, könne es im Falle eines Brandes Nahrung für das Feuer bieten und das Löschen erschweren.
Belgien: Regen trifft Waldbrand im Hohen Venn
Richterbund gegen eine Strafverschärfung
Der Deutsche Richterbund (DRB) lehnt höhere Strafen für Brandstiftung ab, die angesichts von Waldbränden gefordert wurden. "Der reflexhafte Ruf nach Strafverschärfungen für Fälle von Brandstiftung erscheint mindestens verfrüht, solange die Ursachen und Umstände der Waldbrände noch nicht aufgeklärt sind", sagte DRB-Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. "Das Strafrecht sieht bereits heute empfindliche Strafen für Brandstifter vor."
Wer vorsätzlich einen Brand legt, begehe ein Verbrechen und werde mit mindestens einem Jahr bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe bestraft, betonte Rebehn. Für schwere Brandstiftungen sehe das Gesetz noch deutlich höhere Strafen vor. "Das Strafrecht gibt der Justiz ausreichend Spielraum, um auch schwerste Fälle von Brandstiftung angemessen bestrafen zu können."
Hubschrauber können wegen schlechter Sicht nicht fliegen
Die Ausbreitung des Feuers im Hohen Venn wurde nach Angaben des belgischen Innenministeriums weitgehend gestoppt - mit Ausnahme des Teils der Brandfront, der aufgrund des unwegsamen Geländes für Bodeneinsatzkräfte unzugänglich bleibt. Aktuell verhindere Regen und starke Bewölkung jedoch den Einsatz von Löschflugzeugen und -hubschraubern, so ein Sprecher.
Schneisen sollen Deutschland vor Feuer schützen
Feuerwehrleute versuchen im Kampf gegen den Brand im Hohen Venn, ein Übergreifen der Flammen auf Deutschland mit Brandschneisen zu verhindern. Die Einsatzkräfte hätten begonnen, die oberste Boden- und Vegetationsschicht zu entfernen, um mit Löschschläuchen zu dem unzugänglichen Gebiet nahe der deutschen Grenze vorzudringen, sagte ein Sprecher des belgischen Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Die Arbeiten dürften demnach noch den ganzen Tag in Anspruch nehmen.
Feuerwehrsprecher: Einsatz wird noch "etliche Tage" dauern
Der Waldbrand im Hohen Venn ist weiterhin gut zwei Kilometer von Monschau entfernt. Feuerwehrsprecher Tobias Schell sagte, die Lage sei "aktuell beherrschbar". Falls der Wind im Laufe des Tages wie vorhergesagt weiter auffrische und in eine ungünstige Richtung drehe, könnte dies das Feuer aber erneut stärker anfachen. Die Kräfte hätten für diesen Fall vorsorglich Löschwassertanks in den möglicherweise betroffenen Gebieten aufgestellt.
Bei der Brandbekämpfung gab es laut Schell in der Nacht einen Unfall: Ein belgisches Löschfahrzeug sei umgekippt. Dabei wurde aber niemand verletzt. Aktuell seien noch 170 Einsatzkräfte im Drei-Schicht-System im Einsatz. Die Löscharbeiten würden sicher noch etliche Tage dauern, sagte er.
Wissenschaftler fordert mehr Wiedervernässung von Mooren
Der Wissenschaftler Gerald Jurasinski mahnt zur Renaturierung trockengelegter Moorflächen. "Deutschlandweit haben wir 98 Prozent der Moore entwässert", sagte der Professor für Moorforschung an der Universität Greifswald im RBB-Inforadio. Das geschehe oft, um die Flächen forst- oder landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Auch wenn es nicht brenne, entwichen große Mengen an CO2 aus diesen trockengelegten Gebieten, sagte Jurasinski. Der Wissenschaftler forderte stärkere Bemühungen zur Wiedervernässung. Trotz Moorschutzstrategie der Bundesregierung gehe dies zu langsam voran.
Wind aufgefrischt - Brandgeruch in Köln und Düsseldorf
In der an das belgische Brandgebiet angrenzenden Eifel ist der Wind bereits am Morgen aufgefrischt und wird bis zum frühen Nachmittag laut Deutschem Wetterdienst noch einmal deutlich zunehmen. In den nächsten Stunden werde es in der Eifel teilweise zu Böen kommen, die Windstärke aber noch gerade unter der niedrigsten Warnschwelle bleiben, sagte eine DWD-Meteorologin. Danach flaue der Wind aber wieder ab.
Da es schon seit Tagen brenne und der Wind nun aus westlicher, südwestlicher Richtung wehe, könne der Brandgeruch "relativ weit" ziehen, so der DWD. Genaue Prognosen könne man dazu nicht geben. Im 100 Kilometer entfernten Köln warnte die Feuerwehr am Vormittag vor einer "großräumigen Geruchslage im Stadtgebiet". Es bestehe keine Gefahr. Eine Rauchwolke sei bis nach Wuppertal - ebenfalls mehr als 100 Kilometer vom Brandort entfernt - gezogen, hieß es bei der dortigen Feuerwehr. Auch aus Düsseldorf kamen vereinzelte Berichte über Brandgeruch.
Eindrücke von den Löscharbeiten im Hohen Venn




Belgien, Sourbrodt: Einsatzkräfte der Feuerwehr tanken an einer eingerichteten Pumpstation für ihren Einsatz beim Waldbrand im Hohen Venn.
Quelle: Sascha Thelen/dpaHohes Venn: Wo es brennt
Die Karte zeigt das Brandgebiet im Hohen Venn in Belgien. Von der deutschen Landesgrenze sind die Flammen rund 2,3 Kilometer entfernt.

Quelle: Google Earth/NASA Firms/openstreetmap
Feuerwehr will Brand im Osten Belgiens "endgültig einkreisen"
Die belgische Feuerwehr ist nach Behördenangaben entschlossen, den Brand im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn heute "endgültig einzukreisen". Wegen "problematischer Bedingungen" sei es gestern nicht möglich gewesen, den Ring um das Feuer komplett zu schließen, sagte Verwaltungssprecher Nicolas Yernaux.
Das Feuer breite sich - wenn überhaupt - nur noch geringfügig in Richtung der Grenze zu Deutschland aus, sagte der Leiter der Krisenkommunikation der Provinz Lüttich, Tony Hosmans. Yernaux erläuterte, es sei zwar Regen für die Region angekündigt, "aber auch ziemlich viel Wind". Wegen der Witterungsbedingungen sei unklar, inwieweit Löschflugzeuge und Hubschrauber weiter eingesetzt werden könnten.
Warnung vor Rauchgeruch und Schadstoffen in Monschau
Wegen des Waldbrands im Hohen Venn warnt die Stadt Monschau vor "erheblichen Geruchsbelästigungen und möglicher Schadstoffbelastung der Luft in der Stadt Monschau, der Gemeinde Roetgen und der Gemeinde Simmerath". Gefahren für die Gesundheit könnten nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Anwohner sollten sich in geschlossene Räume begeben und auch Haustiere nach drinnen holen. Fenster und Türen sollten geschlossen, Klima- und Lüftungsanlagen abgeschaltet werden. Die Stadt rief auch dazu auf, den Notruf nur in tatsächlichen Notfällen zu wählen.
Belgischer Gouverneur: Brand im Hohen Venn weiter unter Kontrolle
Das Feuer im Waldgebiet am Hohen Venn ist nach Angaben des Lütticher Gouverneurs Hervé Jamar weiterhin unter Kontrolle. Am Abend hätten daher die Einwohner von Sourbrodt, einem Ortsteil der belgischen Gemeinde Waimes, in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Dies sei reibungslos abgelaufen, schrieb Jamar bei Facebook. Die Evakuierungen, die die Gemeinde Bütgenbach betreffen, würden jedoch noch aufrechterhalten. Die Notunterkunft bleibe geöffnet.
Zwei Feuerwehrleute hätten sich am Montag und in der Nacht eine Kohlenmonoxidvergiftung zugezogen, schrieb Jamar weiter. Ihr Zustand sei stabil. Der brennende Torfboden setze weiterhin große Mengen an Gasen frei.
Feuerwehreinsatz in Schramberg beendet
Nach dem Brand in einem Waldgebiet bei Schramberg im baden-württembergischen Landkreis Rottweil hat die Feuerwehr bei Nachlöscharbeiten am frühen Morgen ein Glutnest gelöscht. Der aktuelle Einsatz sei beendet, das Gebiet werde aber weiter beobachtet und auch von Streifenpolizisten kontrolliert, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. In den kommenden Stunden oder Tagen sei durchaus mit dem Aufflammen weiterer Glutnester zu rechnen. Die wegen des Brandes eingerichteten Löschwasserentnahmestellen lasse man vorerst vor Ort, um im Zweifel nochmals eingreifen zu können.
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