Ungenutzt im Ort: Wenn Kirchen zu Dojo, Bücherei oder Loft werden

Leerstehende Gotteshäuser:Kampfkunst statt Gottesdienst: Wenn Kirchen umgenutzt werden

von Jan Hofer

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Der Glaube schwindet, die Kirchen bleiben. So erleben es viele Gemeinden. Auch alte Gotteshäuser haben jedoch Potenzial, weiterhin gesellschaftlich relevante Orte zu bleiben.

Aikido-Dojo in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche in Köln

Ob Kampfkunst oder Klettersport: Viele Kirchengebäude in Deutschland werden wegen sinkender Mitgliederzahlen neu genutzt.

08.01.2026 | 1:58 min

Die Tür steht offen, doch es riecht nicht mehr nach Weihrauch. Wo früher Kerzen flackerten und Gebete gemurmelt wurden, dreht sich heute alles um japanische Kampfkunst. Dirk Kropp hat aus der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in Köln nach aufwändiger Sanierung ein so genanntes Dojo gemacht, trainiert hier mit seinen Schülerinnen und Schülern jetzt Aikido.

Diese neue Nutzung des Gotteshauses komme auch in der Nachbarschaft gut an - so erlebt es der Kampfkunstlehrer: "Niemand stört sich daran, eher im Gegenteil."

Ich erlebe Freude darüber, dass die alte Kirche nicht abgerissen werden musste, sondern weiter besteht.

Dirk Kropp, Kampfkunstlehrer

Tausende Kirchen vor der Umnutzung

Die Kirchen, die ihre Gotteshäuser einst für die Ewigkeit gebaut haben, stehen in Deutschland zunehmend vor der ganz profanen Frage: Was tun, wenn niemand mehr kommt?

Wann besonders viele Menschen austraten

ZDFheute Infografik

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Die schwindenden Mitgliederzahlen der evangelischen und katholischen Kirche führen dazu, dass viele der 45.000 Kirchengebäude in Deutschland langfristig neu genutzt werden müssen. Es könnten bis zu fünfzig Prozent sein, schätzt der Verein für Baukultur NRW, der sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie die besonderen Gebäude für die Allgemeinheit erhalten werden können. Denn Kirchen sind Identitätsanker, Orte biografischer Marker.

"Es sind vielleicht die emotionalsten Gebäude, die es gibt", glaubt der Architekt Felix Hemmers vom Verein für Baukultur NRW, "mit ihnen sind so viele Erinnerungen verknüpft, die Menschen heiraten dort, es finden Beerdigungen und Taufen statt - all das ist natürlich auch mit den Gebäuden verknüpft."

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Kirche als Kletterhalle oder Bibliothek

Und diese Erinnerungen bleiben mit den Kirchen verbunden, auch wenn sie umgenutzt werden. Die Möglichkeiten sind vielfältig, so sind bereits Bibliotheken, Kletterhallen, Wohnungen oder Kulturzentren in alten Gotteshäusern entstanden.

Die Finanzierung dieser Projekte ist sehr unterschiedlich. Die Dojo-Kirche in Köln wurde beispielsweise für 50 Jahre an den neuen Betreiber verpachtet, anderswo verkauft die Kirche Grund und Gebäude an Investoren – oder überlässt neuen Nutzern gegen eine Miete das Gebäude.

Dem Verlust der Gotteshäuser steht dann im besten Fall eine neue Form von Öffentlichkeit gegenüber. Nämlich dann, wenn die Gebäude weiterhin offene Orte bleiben, nur eben ohne religiöse Bindung.

Fast leere Kirche - Themenfoto Kirchenaustritt

Die Missbrauchsskandale führten die Kirchen in eine ernsthafte Vertrauenskrise. Viele Gotteshäuser werden stillgelegt und auf andere Weise genutzt.

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Hier schlummert riesiges Potential, denn das Bedürfnis sich auszutauschen und zu treffen, hätten die Menschen weiterhin, so Felix Hemmers, "und in vielen Gebieten gibt es keine anderen Orte mehr, wo Menschen zusammenkommen können."

Gerade auf dem Land schließen Kneipen und Schwimmbäder, aber das Bedürfnis nach Gemeinschaft bleibt.

Felix Hemmers, Architekt

Dojo-Kirche als offener Ort

Vielleicht liegt darin auch eine Kontinuität. Kirchen wurden einst gebaut, um Menschen zu versammeln, ihnen Halt zu geben, sie aus dem Alltag herauszuheben. Nach einer Umnutzung können sie diese Funktion weiterhin bieten, wenn auch anders. Nicht mehr Gott steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch.

Eine Hand, die ein Holzkreuz vor freiem Himmel hält.

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So erlebt es auch Dirk Kropp aus Köln, seine Dojo-Kirche bleibt weiterhin ein offener Ort. Mehrfach in der Woche öffnet er die umgenutzte Kirche für alle. Neben den Aikido-Schülern kommen dann auch Menschen, die einen Ort der Stille suchen.

Jan Hofer berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Nordrhein-Westfalen.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "heute in Deutschland" am 29.12.2025 ab 14 Uhr.

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