Staatsanwaltschaft bestätigt:Ermittlungen nach Anzeige von Fernandes laufen wieder
Nach neuen Medienberichten prüft die Justiz erneut den Fall Collien Fernandes. Dabei geht es um digitale Gewalt und einen Anfangsverdacht gegen Christian Ulmen.
Collien Fernandes auf der Bühne auf dem Hamburger Rathausmarkt während der Demonstration gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen am Donnerstag.
Quelle: dpaNach einer Strafanzeige von Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes gegen Unbekannt hat die Staatsanwaltschaft Itzehoe in Schleswig-Holstein die Ermittlungen wieder aufgenommen. Dies sei nach "Prüfung der Medienveröffentlichungen" geschehen, teilte Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Staatsanwaltschaft sehe nun einen Anfangsverdacht gegen den aus zahlreichen Kino- und Fernsehrollen sowie der Fernsehwerbung bekannten Christian Ulmen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.
Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. Die Ermittlungsbehörde erklärte, strafrechtlich gehe es um den Vorwurf der Nachstellung. Es werde nun geprüft, ob außer dem im Raum stehenden Straftatbestand der Nachstellung auch weitere Straftatbestände in Betracht kommen. Im Fall einer Verurteilung drohen für Nachstellung bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe, erklärte die Staatsanwaltschaft. Weitere Auskünfte wollte die Ermittlungsbehörde zunächst nicht geben.
Tausende Menschen haben bei einer Demonstration mehr Schutz für Opfer von Gewalt gegen Frauen gefordert. Überraschend trat am Abend Schauspielerin Collien Fernandes als Rednerin auf.
27.03.2026 | 1:47 minUrsprünglich hatte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Peter Müller-Rakow, am Freitag keine Angaben dazu machen wollen, ob sich Ermittlungen der Itzehoer Staatsanwaltschaft gegen Ulmen richten. Auf eine dpa-Anfrage gab es zunächst keine Stellungnahme vonseiten Ulmens Anwalt Christian Schertz.
Anzeige im November 2024 gestellt
Nach früheren Angaben der Itzehoer Staatsanwaltschaft hatte die Geschädigte im November 2024 bei der Polizei in Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, da durch eine unbekannte Person ein Fake-Account von ihr erstellt worden sei. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hatte das Verfahren übernommen, "weil die angezeigte Handlung wohl innerhalb unseres Zuständigkeitsbereiches durch die Anzeigende zur Kenntnis genommen worden ist", sagte Müller-Rakow.
Sie sei darum gebeten worden, für die Ermittlungen relevante Unterlagen zu übersenden. Da sie der Bitte nicht nachgekommen sei und somit Ermittlungsansätze zur Identifizierung des Täters gefehlt hätten, sei das Verfahren durch die Staatsanwaltschaft Itzehoe eingestellt worden. Fernandes hatte im "Tagesspiegel" dieser Darstellung widersprochen.
Der aktuelle Fall um Collien Fernandes lenkt Aufmerksamkeit auf digitale Gewalt. Das deutsche Strafrecht schütze Betroffene nicht ausreichend, sagt ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke.
20.03.2026 | 2:54 minDiskussion über digitale Gewalt
In den vergangenen Tagen gab es bundesweit eine große Diskussion über digitale und sexualisierte Gewalt gegen Frauen - und breite Medienberichterstattung darüber. Tausende Menschen zog es bei Demonstrationen auf die Straße, etwa in Hamburg für mehr Schutz für Opfer sexualisierter Gewalt.
Vorausgegangen war ein "Spiegel"-Bericht, in dem Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, erhoben hatte. Die Schauspielerin hat auf Mallorca Anzeige erstattet, wie eine Justizsprecherin auf der spanischen Mittelmeerinsel der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Das Verfahren befinde sich noch in einem sehr frühen und vertraulichen Stadium, sagte sie am 19. März.
Die Anzeige von Schauspielerin Collien Fernandes gibt der Debatte Tempo: Ein Gesetzentwurf gegen Porno-Deepfakes sei "praktisch fertig", sagt Bundesjustizministerin Hubig.
20.03.2026 | 2:20 minFür Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung" handle. Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet".
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